Warnstreik sorgt für Bahn-Chaos in München - Netz größtenteils lahmgelegt: Die aktuelle Lage

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Rund 11 000 beim Protestzug

Der Wohnsinn, diese Demo! München geht gegen Immobilienhaie auf die Straße

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Mit vielen Transparenten zogen die Demonstranten durch die Innenstadt, um ihrer Sorge um den Münchner Wohnungsmarkt Ausdruck zu verleihen. 11 000 Menschen waren gekommen. 

Am Samstag gehörte die Innenstadt den Mietern und nicht den Miethaien. Es waren Tausende, die vor der Staatskanzlei und dem Bauministerium von Ilse Aigner ihrer Wut Luft machten: „Wohnraum ist kein Luxusgut, wohnen ist ein Recht“.

Sie riefen es laut und oft – doch die Fenster blieben zu. Die Münchner aber, die daheim waren, öffneten die Fenster und winkten begeistert, feuerten die Teilnehmer zweier Demos unter den Mottos „Ausspekuliert“ und „Ohne Moos – wohnungslos“ an. Mit Seifenblasen, Kinderwagen, Plakaten und einem sechs Meter hohen skelettierten Münchner Kindl, Techno-Musik und Trillerpfeifen ging es gegen Mietwahnsinn und soziale Ausgrenzung.

Rund 100 Organisationen und Parteien hatten zum Protestzug aufgerufen, 11 000 Münchner waren ihnen gefolgt. Vom Mariahilfplatz über den Gärtnerplatz zum Isartor, durch die Maximilianstraße zur Staatskanzlei und von dort zum Siegestor. Es war eine ganz besondere Stadtführung, vorbei an den Glockenbachsuiten, dem Luxuswohnturm „The Seven“ und einigen vor Spekulanten geretteten Häusern wie dem Bellevue di Monaco oder der Pilotystraße 8.

Die Organisatoren Janek Schmidt, (3. v. re.) Juliane Zeißler (4. v. re.) und Tilman Schaich (6. v. re.) waren begeistert von der Demo, ebenso Beatrix Zurek (2. v. li.) vom Mieterverein

Polizei und Veranstalter waren sehr zufrieden mit der Demo – kein Müll, kein Stress, kein Streit, sondern gute Laune und tanzende Teilnehmer aus allen gesellschaftlichen Schichten, vom Steuerberater bis zur Putzfrau. Auch Parteien waren vertreten, SPD, Grüne, Linke, Freie Wähler, ÖDP und viele mehr. Nur von der CSU ließ sich kein Vertreter blicken. Immerhin: Am Samstagabend gab Ministerin Ilse Aigner (CSU) per Pressemitteilung bekannt, man wolle prüfen, ob Wohnungsmodernisierung künftig nicht stärker durch steuerliche Abschreibung gefördert werden kann, um Mieter zu entlasten. Wie zu erwarten, war der Verkauf der ehemals gemeinnützigen GBW zur Rettung der Bayerischen Landesbank ein Riesenthema auf der Demo, Demonstranten forderten einen „Rettungsschirm für GBW-Mieter“. Doch nicht nur die Schwarzen ernteten Kritik, auch die Roten: „Stadt und Freistaat, also CSU und auch die SPD, legen die Hände in den Schoß, statt den GBW-Mietern zu helfen“, kritisierte Anwalt Michael Löffler bei der Abschlusskundgebung.

Auch ein sechs Meter hohes Münchner-Kindl-Skelett begleitete den Zug. 

In München ist etwas aus dem Lot. „Die Mietpreise sind in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich 60 Prozent gestiegen, die Löhne um zehn Prozent, da ist die Mass Bier ja noch günstig, denn deren Preis stieg nur um 38 Prozent“, brachte es Moderator Achim Bogdahn auf den Punkt. Eine Folge des Mietwahnsinns: Mehr als Hunderttausend Münchner mussten rausziehen und pendeln nun, „das ist, als würde ganz Bremerhaven pendeln“, machte Simone Burger vom DGB klar.

Ticker von der Demo zum Nachlesen:

Demo #ausspekuliert: Polizei zählt rund 10.000 Teilnehmer

Verdi-Jugend-Vertreterin Bettina Rödig ärgerte sich: „Man beklagt, dass in Unternehmen Nachwuchskräfte fehlen, dabei können die sich die Stadt nicht leisten“. Auf dem Podium sprachen Wutmacher, aber auch Mutmacher. Darunter Münchens Vorbildvermieter, der Schauspieler Wolfgang Fischer: „Es gibt Tausende Vermieter, die sind so wie ich, nur sagen die das nicht öffentlich, damit das Finanzamt nichts mitkriegt.“ Den Spekulanten werden die Münchner ihre Stadt nicht überlassen, da ist er sich sicher: „Nur zweimal haben sich die Münchner aus der Stadt vertreiben lassen, durch die Pest und den Bombenhagel im Krieg. Ihr mit eurem vielen Geld werdet das nicht schaffen.“ Das Münchner Herz habe durch den Protestmarsch eine Blutspritze erhalten, so Fischer: „Jetzt schlägt es wieder!“

Endlich, findet Mitorganisator Maximilian Heisler (Bündnis für bezahlbares Wohnen): „Die Demo war überfällig. Sie ist Ventil für die Angst der Normalverdiener.“ Und nur der Startschuss: „Wir machen weiter.“

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