Große Demo gegen Rechts

München macht klar: Bei uns haben Nazis keinen Platz

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Insgesamt demonstrierten rund 7000 Menschen in München gegen Rechts.

München - Es war eine der größten und längsten Demonstrationen, die München je erlebte. Und eine der bewegendsten sowieso: Die Landeshauptstadt hat gezeigt: Hier haben Nazis keinen Platz.

Der Kampf gegen Bedrohung und Gewalt von rechts und die Forderung nach Aufklärung der Hintergründe der NSU-Morde hat am Samstag, vier Tage vor Prozessbeginn, rund 7000 Menschen auf die Straße getrieben.

Sternförmig kamen die Demo-Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet und aus Österreich, um ihren Unmut über die kaum durchschaubaren Verstrickungen des Verfassungsschutzes kundzutun. Und auch, um den in Deutschland lebenden Ausländern ihre Solidarität zu bekunden. Und die dankten es zahlreich, standen im Bahnhofsviertel zu Hunderten vor ihren Läden oder schlossen sich spontan dem immer länger werdenden Zug an.

Selbst der Schwarze Block – die Polizei schätzte die Schar der Autonomen auf rund 800 – hielt sich diesmal weitgehend an die Regeln. Es gab nur wenige kleine Scharmützel mit den insgesamt 2600 Polizisten, die in diesen Tagen in der Stadt für Ordnung sorgen. Es blieb bei sechs Festnahmen, sechs Überprüfungen und einer rosa Farbbeutel-Attacke auf das Finanzministerium.

Protestzug durch München: Demonstranten gedenken der NSU-Opfer

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Das extrem bewachte Innenministerium war Schauplatz mehrerer Kundgebungen, bei denen Redner Klartext sprachen. Zum Beispiel Imam Benjamin Idriz, der den Angehörigen der NSU-Opfer sein Mitgefühl aussprach. Die Menschen seien gekommen, um sich eine sichere Zukunft aufzubauen: „Deutschland hat es nicht geschafft, sie zu schützen. Das Vertrauen ist tief zerstört.“

In der Nacht wurde die Scheibe der Geschäftsstelle des Bayerischen Flüchtlingsrats in der Augsburger Straße zerschlagen. Die Ermittlungen dauern an.

NSU-Prozess-Start: Das erwartet uns

„Es wird eng werden. Sehr eng sogar. Und es kann auch sein, dass wir die Nymphenburger Straße zwischen Stiglmaierplatz und Pappenheimstraße zeitweise ganz sperren müssen.“ Mit diesen Worten umschrieb Polizeivizepräsident Robert Kopp die Verkehrssituation rings um das Justizzentrum, in dem ab Mittwoch der Prozess gegen Beate Zschäpe und vier weitere Helfer beginnt. An diesem Tag sind auf engsten Raum allein sieben Demonstrationen mit etwa 2000 Teilnehmern angemeldet.

Die Polizei bittet alle Anwohner und Besucher, die auf unbestimmte Zeit erlassenen Halteverbote im St.-Benno-Viertel rings um das Justizzentrum dringend zu beachten, da sonst abgeschleppt wird. Das Bürgertelefon der Polizei (089/29 10-19 10) ist besetzt. Weitere Infos im Internet unter www.polizei.bayern.de/muenchen.

Dorita Plange

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