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Denkmal für Landesvater Kurt Eisner

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Kurt Eisner war der erste bayerische Ministerpräsident. © dpa

München - Kurt Eisner, der 1918 den Freistaat Bayern ausgerufen hat und sein erster Ministerpräsident war, bekommt endlich ein Denkmal in der Innenstadt.

Die Münchner Künstlerin Rotraut Fischer hat den Wettbewerb des Baureferats mit einer Skulptur aus 3,50 Meter hohen gläsernen Elementen gewonnen, die in etwa einem Jahr auf einer Grüninsel am Oberanger aufgestellt werden soll. „Jedes Menschenleben soll heilig sein“, ist in eine Scheibe des grünlich schimmernden Industrieglases graviert, ein Zitat des in Berlin geborenen jüdischen Schriftstellers, der am 21. Februar 1919 in der heutigen Kardinal-Faulhaber-Straße (damals Promenadestraße) von hinten erschossen wurde.

Bei Einbruch der Dunkelheit leuchtet die Schrift auf. OB Christian Ude war es „eine Herzensangelegenheit“, dem Begründer des Freistaats ein Denkmal zu setzen. Ein schwieriges Unterfangen, „das beschämend lang gedauert hat“, denn „aus dem Pazifisten wurde nachträglich ein mordlustiger Gewaltverbrecher gemacht“. An der Geschichtsverfälschung und dem nachträglichen Rufmord seien maßgeblich die Nazis schuld, so Ude. Die Nachwirkungen hätten dazu geführt, dass Eisner bisher nur als Opfer gedacht werde: auf einer in den Gehsteig der Faulhaber-Straße eingelassenen Stahlplatte, die die Umrisse eines Toten zeigt.

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Rotraut Fischer mit dem Entwurf. © Götzfried

78 Künstler hatten sich in der ersten Runde des aktuellen Wettbewerbs beworben, zwölf wurden zur Teilnahme aufgefordert. Wie schwierig die Aufgabenstellung war, zeigte sich darin, dass auch für die drei in die engere Wahl gezogenen Entwürfe Änderungsvorschläge gemacht wurden. Rotraut Fischer etwa hatte zunächst das Zitat „Irgendwo sind immer Menschen, die des Menschen menschlich gedenken“ gewählt. Jetzt ist sie froh über ihre Umentscheidung. Geblieben sind die symbolisierten Spuren eines Schusses auf der Glasplatte hinter dem Zitat. Jurychef Nikolaus Gerhart, Präsident der Kunstakademie, freute sich über den Siegerentwurf, der am „Unort“ Oberanger bestehen werde, aber auch über die konstruktive Erarbeitung des Themas in der Jury. Fast schien es, als sei er von seiner vorherigen Einstellung abgerückt. Er war überzeugt gewesen: „Politiker haben meist soviel Ahnung von Kunst wie die Kuh vom Radlfahren.“

BW

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