Folgen des Immobiliendrucks

Denkmalpfleger warnt: Münchens Stadtbild ist in Gefahr

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Mathias Pfeil ist Generalkonser­vator im Landesamt für Denkmalpflege.

Gerade die Großbaustellen in der Innenstadt zeigen’s laut und deutlich: München ist im Umbruch. Und neue Großprojekte sind längst in Planung. Altbauten droht die Abrissbirne, für sie kommt Glas, Aluminium, Beton. Jetzt schlägt Mathias Pfeil Alarm.

München - Der Chef des Landesamts für Denkmalpflege warnt: „Das Erscheinungsbild Münchens ist in Gefahr.“

Die steigenden Immobilienpreise sind die Wurzel des Wandels, sagt der Generalkonservator: „In München ist der Verwertungsdruck auf den Immobilienbestand enorm hoch.“ Das Problem: Der Großteil der heute entstehenden Neubauten seien gesichtslos. „Derzeit entsteht kaum Architektur, die identitätsstiftend ist“, ärgert sich Pfeil, der selbst Architekt ist. Und warnt eindringlich: „Wir müssen aufpassen, dass Münchens Stadtbild nicht austauschbar wird!“

Immerhin: Die von der Stadt im vergangenen Jahr erlassenen Leitlinien für die Innenstadt könnten laut Pfeil ein brauchbares Instrument zum Erhalt des Münchner Gesichts sein. Allerdings würde sich Pfeil eine größere Sensibilität bei der Lokalbaukommission der Stadt München für strittige Fälle wünschen. So wäre es hilfreich, wenn diese von sich aus mitteilen würde, wenn für Gebäude, die etwa vom Baualter her ein Denkmal sein könnten, aber nicht auf der Liste der Baudenkmäler stehen, Genehmigungsanträge auf Abriss oder Neubau vorliegen. „Dann könnten wir früh genug reagieren und die Denkmaleigenschaft prüfen“, sagt Pfeil.

Der Denkmalschutz allein stoße allerdings auch an seine Grenzen – nicht jedes Gebäude, das Sehnsüchte und Emotionen wecke, sei zwingend auch ein „echtes Baudenkmal“. Die Hürden sind hoch, schließlich stellt der Denkmalschutz einen tiefen Eingriff in die Eigentumsrechte des Besitzers dar.

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Künftig will das Landesamt noch offener mit engagierten Bürgern über das Thema Denkmalschutz diskutieren – und für diesen Dialog sogar zwei neue Stellen schaffen. „Wenn sich Bürger für alte Bausubstanz stark machen, heißt das doch, dass sie sich für ihre Umgebung interessieren und einsetzen“, freut sich der Experte. 

Turm am Hauptbahnhof: Kniefall vor Wirtschafts-Interessen

Der Entwurf für den Turm am neuen Hauptbahnhof ist ein Hingucker, an dem sich die Geister scheiden. Pfeil: „Ich verstehe den geplanten Turm am neuen Hauptbahnhof überhaupt nicht. Es gibt dafür keinerlei Bezugspunkte in der Umgebung.“ Für den 75-Meter-Turm an der Arnulfstraße müsste der denkmalgeschützte Starnberger Flügelbahnhof weichen. Pfeils Urteil: „Das neue Gebäude ist einzig ein Kniefall vor den wirtschaftlichen Interessen der Bahn.“

Königshof-Neubau: Ungegliederter Monolith

Ende2017 soll der Nachkriegsbau des Hotel Königshof abgerissen werden. Mit den Neubau-Plänen ist Pfeil unzufrieden: „Die Mehrung um vier Geschosse wird sich dramatisch auf das Erscheinungsbild des Karlsplatzes auswirken, in direkter Nachbarschaft zu  Friedrich von Thierschs Justizpalast von 1897.“ Einzig der Schlitz in der Fassade setze einen Akzent, der sich aber abnutzen werde. „Ansonsten ist das ein ungegliederter Monolith“, meint Pfeil.

Pschorr-Haus: Rostiger Toaster

Wenig begeistert ist Pfeil von der Umsetzung des Joseph-Pschorr-Hauses – eines der ambitioniertesten Bauprojekte der vergangenen Jahre. „Schade. Hier hat man sich im Vorfeld gemeinsam bemüht. Herausgekommen ist aber ein großer rostiger Toaster“, bedauert der Konservator. Auch das Umfeld sei nicht gelungen: „Die große Chance, das Altheimer Eck an der Rückseite städtebaulich aufzuwerten, wurde leider verspielt.“

Kein Schutz für die Sailerstraße

Pfeil erklärt, warum die drei Bürgerhäuser in der Sailerstraße nicht unter Denkmalschutz ­genommen wurden: „Hier hatten wir schon zu viele Veränderungen an der ursprünglichen Bausubstanz.“ Die ursprünglichen Zufahrten fehlten, Umbauten haben den ursprünglichen Charakter entstellt. Der oberste Denkmalpfleger sagt: „Wenn wir ein Gebäude zu einem Baudenkmal erklären, dann muss das auch gerichtsfest sein.“

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