Düsterpop-Gurus im Olympiastadion

Depeche Mode: Gahan eine sensationell coole Sau

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Coole Sau: Dave Gahan.

München - Mode kommt und geht – Depeche Mode bleibt! Im ausverkauften Olympiastadion begeisterten die Düsterpop-Gurus am Samstagabend 64.000 Zuhörer - die Konzertkritik.

Dass es kraftvoll herbstelte, störte niemand. Man war ja schon dankbar, dass es nicht kübelte, und dass statt Regenreifen die „regen Reifen“ aus Essex angesagt waren. Und überhaupt: Depeche Mode bei Sonnenschein und Sternenhimmel würde gar nicht passen, da sollen Bon Jovi singen. Oktoberwetter steht dem verhangenen Oktobersound von Martin Gore und Dave Gahan eh am allerbesten. Und so war's im Juni ein Synthiepop-Oktoberfest. Auch Moll ist doll!

Um 20.45 Uhr tänzelte er im schwarzen Glitzersakko auf die Bühne – Dave Gahan, der schwarze Lord, im letzten Tageslicht beinahe unbemerkt. Fit schaut er aus, soweit man das bei dem weit entfernten Pünktchen auf der Bühne und auf den zu kleinen Videowänden beurteilen konnte. Aber wer zum Stadionpop geht, weiß, was ihn erwartet.

Depeche Mode im Olympiastadion: Bilder

Depeche Mode im Olympiastadion: Bilder

Bereits bei Song drei, „Walking In My Shoes“, flog Gahans Sakko in die Ecke. Der virile Maestro performte fortan gewohnt oberarmfrei, in schwarz-goldener Weste. Dave Gahan, der Ledermann mit den sieben Leben, hat seine Dämonen besiegt – eine Verkühlung kann ihn nicht mehr schrecken. Gahan gockelte, Gahan schlug Rad, Gahan wiegte sich bei „Policy Of Truth" in Flamenco-Posen. Eitel von der Sohle bis zum Scheitel, der Mann, aber auch mit 51 noch ein mitreißender Performer.

Die Kronjuwelen gegen Ende: „Enjoy The Silence“, mit epischem Instrumentalteil kaum mehr ans Original erinnernd – und gerade deswegen überragend. Weniger staad kann das Oly kaum sein. Gleich danach „Personal Jesus“ mit staubigem Gitarrenintro, düster, ausgebeint, reduziert wie Johnny Cash in der Spätphase – doch dann brechen die Höllenhunde, die Synthies los.

Und als dritte von fünf Zugaben „Just Can't Get Enough“, Reminiszenz an alte Synthiepopper-Tage und symptomatisch fürs ganze Konzert. So düster auch die Band, die es quasi schon immer gibt, über Verzweiflung, Obsession und Sünde singt – es lugt doch immer Licht in die Gruft, die nicht schwarz gestrichen ist, sondern bunt getupft. Ein großer Abend für Mode-Freunde. Nichts gegen den Euro, doch es lebe die DM!

Jörg Heinrich

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