Sie steht im Nationalmuseum

Diese Guillotine tötete die Geschwister Scholl

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Die Guillotine unter der vermutlich die Geschwister Scholl den Tod fanden, lagerte offenbar lange Jahre im Depot des Bayerischen Nationalmuseums.

München - Sie galt lange Zeit als verschollen - nun ist die Guillotine, mit der zwischen 1933 und 1945 hunderte Häftlinge und vermutlich auch die Geschwister Scholl hingerichtet wurden, wieder aufgetaucht.

Der Anblick allein ist schon bedrückend. Weil man weiß, dass diese Guillotine das letzte war, das die Geschwister Scholl in ihrem viel zu kurzen Leben sahen. Lange galt das Stadelheimer Nazi-Fallbeil als verschollen. Man wähnte es gar auf dem Grund der Donau. Im Herbst 2013 jedoch stieß ein Reporter des Bayerischen Rundfunks bei ganz anderen Recherchen eher zufällig auf ein gut gehütetes Geheimnis: Die verschollen geglaubte Guillotine steht nämlich seit 40 Jahren in München – zunächst schamhaft verborgen und dann vergessen im Depot des Bayerischen Nationalmuseums.

Die Guillotine unter der vermutlich die Geschwister Scholl den Tod fanden, lagerte offenbar lange Jahre im Depot des Bayerischen Nationalmuseums.

Bei Recherchen für ein RadioFeature über den Turmuhrenbauer und Erfinder Johann Mannhardt (Sendetermin: 16. Februar, Bayern2) fand BR-Reporter Ulrich Trebbin im Herbst den ersten Hinweis. Er recherchierte, dass Mannhardt (1798 – 1878) auch die sogenannte Stadelheimer Guillotine baute, die sich im Nationalmuseum befinden soll: „Da hat’s bei mir geklingelt.“ Mit dieser grauenhaften Apparatur wurden zwischen 1933 und 1945 weit über tausend Häftlinge hingerichtet. Darunter waren 1943 auch die sechs Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ um Hans und Sophie Scholl. Bei seinem ersten Anruf im Nationalmuseum stieß Trebbin auf Ablehnung. Nach einer Bedenkzeit jedoch gaben die Verantwortlichen kurz vor Weihnachten ihre Zurückhaltung auf. Nach 40 Jahren scheint die Zeit nun endlich reif zu sein für einen offenen Umgang mit diesem finsteren Kapitel.

Intern wird schon diskutiert, ob die Guillotine im Herbst zur Eröffnung des Münchner NS-Dokumentationszentrums am Königsplatz als Mahnmal gezeigt werden soll. Das Fallbeil wurde nach dem Krieg mit einigem Zubehör (Holzböcke, Schiebebretter, zwei Kästen mit Messern, Auffangsäcke und einem kleinen Sarg) nach Straubing und dann nach Regensburg gebracht. 1974 kam es auf unbekannten Wegen zurück nach München.

tz-Stichwort Guillotine

Die Guillotine wurde in den Folgejahren der Französischen Revolution erfunden. Sie geht auf den französischen Arzt Joseph-Ignace Guillotin und seine Idee einer „humanen Köpfmaschine“ zurück – er wollte Hinrichtungen schmerzloser und schneller machen. Premiere hatte die Tötungsmaschine 1792. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden auch auf deutschem Boden zum Tode Verurteilte mit der Guillotine hingerichtet. Auch während der Nazi-Zeit ließen Scharfrichter mit dem Fallbeil töten – den französischen Namen wollten die Machthaber vermeiden. In der DDR war die Guillotine bis 1968 im Einsatz.

Dorita Plange

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