Platz für 2,5 Mio. Objekte

Münchens neue Kunst-Garage

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Florian Dering (oben), Vize-Chef des Stadtmuseums, erläutert die Vorzüge der neuen, 10 000 Quadratmeter großen Hallen.

München - Hier sehen Sie Münchens mächtigste Kunstgarage – und eine der größten Europas. Am Mittwoch wurde das über 10.000 Quadratmeter große Depot in Freimann eingeweiht.

Jetzt residieren die Sammlungen von Stadtmuseum, Villa Stuck und Jüdischem Museum in einem Lager-Luxushotel.

Über 2,5 Millionen Objekte haben hier Platz – „vom Mokkalöffel bis zum Schaustellerwagen“, sagt Florian Dering, der stellvertretende Direktor des Stadtmuseums. Er erklärt der tz das neue Depot.

So sieht das Depot in Freimann von außen aus

„Bisher wurden die Exponate, die nicht in aktuellen oder Dauerausstellungen gezeigt werden, an drei unterschiedlichen Plätzen gelagert. Das hat nun ein Ende. Jedes Stück mussten wir beim Umzug einzeln in die Hand nehmen“, erinnnert er sich. Dabei habe man schon ab und zu die Hände über den Kopf zusammengeschlagen, was so alles in den Depots schlummerte. „Etwa das alte Sofa eines Mitarbeiters, das hier lagerte, nachdem er ein neues gekauft hatte. Das war so langweilig und belanglos … Wir haben einige Sachen weggeschmissen.“

Das neue Depot in der Lindberghstraße hat 24 Millionen Euro gekostet – damit sei man sogar billiger als geplant, so Dering. Die Bauzeit war rekordverdächtig: 18 Monate. „So lange braucht man in etwa für ein Einfamilienhaus“, sagt Dering. Und in neun Monaten waren die 2,5 Millionen Gegenstände umgezogen. Eingeräumt werden muss noch bis 2013.

Am Mittwoch wurde das Depot eingeweiht

Möglich wurde der Turbobau durch Beton-Fertigteile – weiterer Vorteil laut Dering: Die müssten nicht mehr austrocknen, so könnten die Räume keine Nässe ziehen. Ökologisch seien die Bedingungen hervorragend: „Die Betonwände sind so dick, dass man weder besonders heizen noch kühlen muss. Auch für die Luftfeuchtigkeit ist die Lösung ideal“, erläutert der Vize-Stadtmuseumschef. Das Kulturreferat spricht gar von einem Einsparwert, der um 75 Prozent tiefer liege als gesetzlich verankert.

Praktisch sei auch die Lagertechnik, die auf dem neuesten Stand sei. Die Regale sind verschiebbar, so kann man die Exponate von der Plastik über Gemälde bis zum Puppentheater platzsparend unterbringen. Besonders empfindliche Objekte sind in säurefreien Kartons beheimatet, Kleinteiliges schlummert in Schubladen, Großobjekte wie Karussells oder Schaustellerwägen haben einen Extrabereich.

Das Grundstück ist städtisch, und die Stadt trägt auch alle Kosten für ihre Museen-Garage. Dering weiß zwar, „dass Depots bei Politikern nicht so beliebt sind. Es ist schöner, ein Museum zu eröffnen“ – aber er betont, dass das neue Haus das „materielle Gedächtnis Münchens“ sei: „Das gehört allen!“ Wenn auch nicht für alle zugänglich. Aber von außen gibt’s auch was zu sehen – da werden Auslagen präsentiert, die nachts verlockend beleuchtet werden.

Matthias Bieber

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