"Der blinde Fleck"

Oktoberfest-Attentat verfilmt: Das sagt der Regisseur

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Gespenstische Stille am Tag nach dem Attentat auf der Wiesn.

München - Der Film "Der blinde Fleck" beleuchtet die Aufarbeitung des Oktoberfest-Attentats von 1980. Im tz-Interview erklärt Regisseur Daniel Harrich seine Beweggründe, diesen Film gemacht zu haben.

Es bedarf in der Geschichte immer einer historischen Distanz, um Geschehnisse objektiv betrachten zu können. Insofern ist es ein Glücksfall, dass Daniel Harrich erst 29 Jahre jung ist. Er hat im Kinofilm "Der blinde Fleck" Regie geführt, produziert und das Buch geschrieben – zusammen mit dem Journalisten Ulrich Chaussy, der viel zur Aufdeckung des Skandals beigetragen hat.

Es geht um das rechtsradikale Attentat 1980 auf dem Oktoberfest – ein überfälliger Kinofilm.

Was war die Motivation für Harrich? „Ich war schockiert, dass nach fast 30 Jahren – die Recherche begann 2008 – so gut wie nichts dokumentiert ist“, sagt er im Gespräch mit der tz. Und betont, dass alle Fakten absolut wasserdicht aufgearbeitet sind.

„Ich war schockiert, dass das Attentat so gut wie nicht dokumentiert ist“, sagt Daniel Harrich (29). Er hat’s geändert.

Das Team führte etliche Gespräche mit vielen der damals Beteiligten. „Ich hatte nie den Eindruck, dass die Ermittler rechtsradikal sind. Auch die politische Komponente – Strauß gegen Helmut Schmidt im Wahlkampf, das Thema sollte vertuscht werden – spielt möglicherweise nur eine untergeordnete Rolle. Es ist einfach so: Wenn jemand Mist gebaut hat, wie hier bei den Ermittlungen, dann will er das unter den Teppich kehren. Das ist diese Mentalität des Nicht-Hinschauens, wie es sie auch bei vielen Bundesbürgern gibt. Das war damals so, das ist heute so, siehe NSU-Prozess.“

Wie aktuell sein Film werden sollte, konnte er nicht ahnen. Wohl aber, dass es wichtig war, möglichst viele Beteiligte – Polizisten, Staatsanwälte, Opfer, Rechtsanwälte – ans Set zu bringen: „Dadurch entstanden etliche, stundenlange Gespräche und Diskussionen. Das war mir wichtig. Die Schauspieler konnten mit den Vorbildern arbeiten.“

Viele Stars wirken in "Der blinde Fleck" mit – in den Titelpartien Benno Fürmann und Heiner Lauterbach, dazu etwa Nicolette Krebitz, August Zirner und Miro Nemec.„Keiner bekommt die ganz große Gage. Aber jeder, vom Komparsen bis zum Hauptdarsteller, war mit Herzblut dabei. Sie wussten, dass sie etwas Wichtiges machen.“ ­

Apropos Komparsen: Auch Münchens ehemaliger Chef des Morddezernats, Udo Nagel, ist dabei und spielt einen verhörenden Ermittler.

So spannend und ernst das Thema ist, so locker war die Arbeit. Harrich: „Wir sind eine Filmfamilie. Dazu gehören nicht nur meine Eltern – mein Vater war einer der Kameramänner, meine Mutter die Chefin als Mitproduzentin und Mutter der Kompanie –, sondern auch das BR-Team, mit dem ich schon lange zusammenarbeite.“ Schon bei seinem ersten, preisgekrönten Kurzfilm Acholiland hatte Harrich dieselben Kollegen um sich. „Nur, wenn man ehrlich miteinander umgehen kann, macht’s Spaß.“

Am Donnerstag wurde noch koloriert, aber bis zum Münchner Filmfest ist alles im Kasten. Da feiert der Streifen seine offizielle Premiere am 4. Juli um 17 Uhr im Arri Kino.Weitere Vorstellungen gibt’s am 5. (Münchner Freiheit, 17.30 Uhr) und 6. (Münchner Freiheit, 22.30 Uhr) Juli. Tickets ab 17. Juni unter www.filmfest-muenchen.de

Matthias Bieber

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