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Der doppelte Mann

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Thomas Mann, geboren in Lübeck, in München zuhause. Jetzt streiten die beiden Städte um ihren jeweiligen Thomas-Mann-Preis: Lübeck verweist auf die jahrzehntelange Tradition der Auszeichnung, München findet den Lübecker Preis „schäbig dotiert“.
Thomas Mann, geboren in Lübeck, in München zuhause. Jetzt streiten die beiden Städte um ihren jeweiligen Thomas-Mann-Preis: Lübeck verweist auf die jahrzehntelange Tradition der Auszeichnung, München findet den Lübecker Preis „schäbig dotiert“. © dpa

München/Lübeck - Im hohen Norden pfeift der Wind eisig kalt, und jetzt pfeift es mindestens ebenso kalt aus dem sonnigen Süden zurück.

Es geht um Deutschlands wohl berühmtesten Dichter des 20. Jahrhunderts, Thomas Mann. Der war bekanntlich gebürtiger Lübecker, lebte aber lange Jahre in München. Die Lübecker sind stolz auf ihren berühmtesten Musensohn, was sich u. a. auch daran zeigt, dass sie seit über 30 Jahren den Thomas-Mann-Preis vergeben an große lebende Autoren. Die Münchner wiederum haben jetzt ihren Großen Literaturpreis umgetauft in Thomas-Mann-Literaturpreis. Das wiederum passt den Hanseaten nicht, und jetzt tobt ein Zickenkrieg.

Zunächst verfasste der geschäftsführende Direktor der Kulturstiftung Lübecker Museen, Hans Wißkirchen, einen offenen Brief an den Präsidenten der in München ansässigen Bayerische Akademie der Schönen Künste. Darin hebt er hervor, dass der Lübecker Preis einer „mit Tradition“ sei, der sich „durch eine besonnene und hanseatisch-solide Jury einen Ruf aufgebaut“ habe. Zudem kritisiert er, dass sich München nie mit Lübeck abgesprochen habe.

Jetzt redet München. Dieter Borchmeyer, Präsident der Bayerischen Akademie, griff zu ungewohnt lauten Tönen: Der Thomas-Mann-Preis der Stadt Lübeck sei „schäbig dotiert“, sagte er der ap. Die Stadt solle ihre Auszeichnung „öfter verleihen und höher dotieren, damit sie konkurrieren kann“. Der Münchner Preis soll jährlich verliehen werden und dem Künstler 15 000 Euro bringen – Lübeck zahlt nur 10 000. Euro. Der Beschluss wird keinesfalls rückgängig gemacht, und eine Absprache habe es nicht gegeben, „wie wir dachten, das freut die (in Lübeck, d. Red.) nicht“, so Borchmeyer. Freuen darf sich heuer übrigens Peter Handke über den Münchner Mann. Daniel Kehlmann erhält 5000 Euro weniger aus Lübeck. Er wird es verschmerzen …

M. B.

Quelle: tz

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