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Der erste schwule FC-Bayern-Fan Club

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Die Schwulen vom FC-Bayern-Fan-Club gehen zu jeden Heimspiel.
Die Schwulen vom FC-Bayern-Fan-Club gehen zu jeden Heimspiel. © tz

München - Bislang galt der Fußball als eine der letzten Bastionen der Heteros.

Es gibt keinen einzigen Profifußballer, der sich bislang dazu bekannt hat, Männer zu lieben. Doch wer geglaubt hat, dass Schwule sich für Fußball nicht interessieren, hat sich mächtig getäuscht. In München gibt es nicht nur die Streetboys – ein schwules Fußballteam, das in der C-Klasse spielt – sondern auch einen schwul-lesbischen Fanclub des FC Bayern: Den Queerpass Bayern.

Bei jedem Auswärtsspiel des FC Bayern trifft sich ein eingeschworenes Grüppchen im Klenze 17 in der Klenzestraße, das auf den ersten Blick so gar nicht in die schwul-lesbische Welt zu passen scheint. Ob Schals oder Trikots – es dominiert die Farbe Rot, der erste schwule Fanclub des FC Bayern trifft sich zum Stammtisch und feuert seine „Junxx“ an. Beim Heimspiel geht’s ins Stadion. So mussten auch die schwulen Bayernfans in der Arena am Donnerstag miterleben, wie ihr Team in der 90. Minute gegen Getafe das 1:1 kassierte.

Die Männer und Frauen von Queerpass Bayern treffen sich zu jedem Auswärtsspiel im Klenze 17 in der Klenzestraße 17.
Die Männer und Frauen von Queerpass Bayern treffen sich zu jedem Auswärtsspiel im Klenze 17 in der Klenzestraße 17. © tz

Queer steht im Englischen für schwul. Und so entstand der Clubname. Angeführt wird die Truppe von Dirk Brüllau (45) – ein waschechter Hamburger, den die 50 Queerpassler liebevoll „Clubmutti“ nennen, so viel Klischee muss sein. Aber wie kommt die schwule Fantruppe ausgerechnet zu einem Chef von der Waterkant? „Ich bin seit 1974 Bayern-Fan. Damals hatten vor allem die Bayernspieler die WM geholt, danach waren sie in der Liga schlecht und wurden von ganz Deutschland ausgelacht. Das hat mich geärgert und deshalb bin ich Bayern-Fan geworden.“ Ein bisschen Opposition steckte schon immer in Dirk. Gladbach-Fan wie sein Papa wollte er nämlich auf keinen Fall werden. Selbst zu kicken – das liegt ihm weniger. „Ich bin eher ein Grobmotoriker wie Schwarzenbeck. Aber ich habe lange als Schiri im Amateurfußball gepfiffen.“

Und wie kommt man dazu, einen schwulen Bayernfanclub zu gründen? Schuld war mal wieder das Internet. „Da gibt es eine schwule Gemeinde, auf der sich 2004 genau 111 Mitglieder gefunden hatten, die allesamt Bayernfans waren“, erzählt Dirk Brüllau. „Die habe ich alle angeschrieben und gefragt, ob sie nicht einen Fanclub gründen wollen.“ Das passierte dann auch im Oktober 2006. „Da haben wir unseren Club dem FC Bayern gemeldet. Und die haben uns akzeptiert wie jeden anderen Fanclub auch.“

Nur ein Drittel der 50 schwulen und zwei lesbischen Bayernfans von Queerpass Bayern kommt tatsächlich aus München, der Rest wohnt in Berlin, Hamburg oder Mannheim, ja sogar in der Schweiz sind Queerpassler zu Hause – typisch FC Bayern halt. „Wir sind in erster Linie ja auch ein Bayern-Fanclub, der den Verein unterstützen will, und dann erst schwul“, erklärt Dirk. Aber wieso braucht es dann einen schwulen Fanclub überhaupt? „Ich bin ein politischer Mensch. Ich will, dass Schwule und Lesben in allen Bereichen des Lebens sichtbar sind.“ Und wie alle anderen schwulen Fanclubs von Berlin, Hamburg, Karlsruhe, Köln, Schalke, Dortmund, Stuttgart und Mainz, setzt sich auch Queerpass „für eine friedliche Fankultur, gegen Intoleranz und Homophobie im Fußball ein.“ Freundschaftliche Kontakte zu anderen „normalen“ Fanclubs bestätigen, dass das tatsächlich funktioniert. „Ansonsten braucht der Fußball keine sexuelle Orientierung. Dem Ball ist es ja auch egal, ob er von einem Schwulen oder einem Hetero gespielt wird.“

Dennoch wollen die schwulen Fußballfans ein Klima schaffen, in dem Profifußballer sich eines Tages outen können. „Derzeit würde ich das niemandem raten, nicht wegen der eigenen Fans sondern wegen der gegnerischen, die einen offen schwulen Kicker fertig machen würden.“ Ein Kicker könne sich nur nach seiner aktiven Karriere outen. Dirk: „Es sei denn, zehn Spieler würden das in einer konzertierten Aktion gemeinsam tun.“

Es gibt aber noch einen Grund, warum die schwulen Fußballfans gerne unter sich sind. „Da kann man schon einmal ungeniert über den süßen Po eines Kickers schwärmen oder sich über die modischen Details eines neuen Trikots auslassen“, schmunzelt Queerpass-Vize Mario Weiße. „Aber das tun ja weibliche Hetero-Fußballfans auch.“

Und wer von den Bayern kommt bei den Queerpass-Männern am besten an? Mario schwärmt: „Also ich stehe voll auf Lukas Podolski. Der hat so was herrlich prollig-bubenhaftes, schaut total süß aus und ist modisch immer top-aktuell.“

Luca Toni fällt überraschenderweise durch. Mario: „Das ist eher so eine Frauentyp.“ Auch Philipp Lahm käme bei den schwulen Fußballfans gut an – eigentlich. Mario: „Er hat sich ja mal dazu geäußert, dass er nichts gegen Schwule hat. Ich habe ihm aber mal eine Einladung zu unseren Treffen in den Briefkasten eingeworfen. Eine Antwort haben wir leider nie gekriegt.“

Quelle: tz

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