Der große tz-Fanvergleich

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Wer hat nach dem Spiel Grund zum Feiern?

Nur noch wenige Stunden bis zum Spielanpfiff! Im Halbfinale wird sich entscheiden, welche Mannschaft ins Finale kommt: Deutschland oder die Türkei, Schweinshax’n oder Döner Kebab?

Spätestens nach einem Elfmeterschießen wissen wir, wer am Sonntag im Finalspiel um den großen Titel kämpfen darf…

Die tz hat sich schon vor Spielbeginn umgehört und die Fans beider Mannschaften mal genauer unter die Lupe genommen. Worin unterscheiden sie sich, was haben sie gemeinsam? tz-Reporterin Christina Schmelzer hat mit zwei Türkei-Kennern den Vergleich gestartet: Özgür Savasci, Dozent für Turkologie an der Uni München, und Murat Soyubey, Selbständiger. Schwarz-Rot-Gold gegen Rot-Weiß. Hier das interessante Ergebnis:

Wie lauten die beliebtesten Schlachtrufe der Nationen?

„Auf geht’s, Deutschland, schießt ein Tor!“ feuern die deutschen Fans ihre Mannschaft oft an, die Türken singen „Türkiye, Türkiye! (Türkei, Türkei!)“.

Dr. Özgür Savasci, Dozent für Turkologie an der Uni München: „Im Stadion jubeln die türkischen Fans auch oft: Kirmizi – Beyaz – En Büyük – Türkiye! (Rot – Weiss – am grössten ist – die Türkei!)“.

Wo und mit wem schauen sich die Fans die Spiele an?

Die deutschen Fans sind häufig mit Freunden in Biergärten und Lokalen vertreten, wo das Spiel auf Großleinwänden übertragen wird. Die türkischen Fans mögen’s eher familiär: „Viele sehen sich das Spiel zu Hause mit ihrer Familie und ihren Freunden an – für uns ist das ein Riesenereignis!“ sagt der gebürtige Türke Murat Soyubey, der sich in München mit einer Software-Firma selbständig gemacht hat.

Was trinken und essen die Fans zum Spiel?

Bier und Bratwürste zum Fußballspiel – damit macht man jeden deutschen Fan glücklich. Die türkischen Fans knabbern Nüsse und Chips. Streng religiöse Türken trinken keinen Alkohol, für den Durst gibt es schwarzen Tee und Wasser. Özgür Savasci: „In Deutschland gibt es allerdings immer mehr Türken, die zum Fußballspiel auch Bier trinken.“

Wie schimpfen die Fans, wenn’s mal nicht so läuft?

Fouls, gelbe Karten, Platzverweise – Grund zum Meckern haben echte Fans immer. Und einer ist fast immer schuld: Der Schiedsrichter! „Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht!“ ist daher eine beliebte Beschimpfung unter den deutschen Fans. „Wir Türken fluchen da viel extremer,“ gibt Murat Soyubey zu. „Olmaz bu! (Das kann doch nicht wahr sein!)“ gehört da zu den harmlosen Varianten…

Was bedeutet den Fans ein Sieg?

1972, 1980, 1996: Im Gegensatz zu den Türken hat die deutsche Elf schon drei mal den Titel geholt. „Die Türken haben wenig internationale Erfolge, deshalb bedeutet ihnen ein Sieg viel mehr als den Deutschen,“ sagt Özgür Savasci, „Sie sind auch viel emotionaler als die deutschen Fans – das hat mit der südländischen Kultur zu tun.“

Christina Schmelzer

So feierten die türkischen Fans in Deutschland

So feierten die türkischen Fans in Deutschland © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © Alle Bilder: dpa
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 
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In ganz Deutschland gingen gestern Abend türkische Fans auf die Straße und feierten den Viertelfinal-Einzug bei der EURO 2008. Alleine in München machten über 7.000 Fans die Nacht zum Tage und legten auf der Leopoldstraße den Verkehr lahm. © 

Die Türkei bezwingt Kroatien im Elfer-Krimi - Die besten Bilder

Die Türkei bezwingt Kroatien im Elfer-Krimi - Die besten Bilder © 
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Vor dem Spiel bringen sich die kroatischen Fans weltweit in Stimmung, wie hier in Wien. © dpa
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Das gilt natürlich auch für die türkischen Anhänger, wie hier im Ernst-Happel-Stadion in Wien, wo die Begegnung stattfindet. © dpa
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Viel Farbe und wenig Stoff auf der Tribüne ist bei manchen türkischen Fans angesagt ... © dpa
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... in diesem Fall sogar in den Haaren. © dpa
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Dann der Anpfiff und die ersten Zweikämpfe, hier zwischen dem Kroaten Ivica Olic und Goekhan Zan aus der Türkei. © dpa
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Der kroatische Coach Slaven Bilic würde am liebsten selbst mitspielen. © dpa
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Sein türkischer Kollege Fatih Terim ist an der Seitenlinie auch höchst aktiv. Beide Trainer coachen, was das Zeug hält - ohne vom vierten Offiziellen auf die Tribüne geschickt zu werden. Der heißt übrigens Mejuto Gonzales und bestrafte letzte Woche Joachim Löw und Josef Hickersberger. © dpa
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Die reguläre Spielzeit ist eher von Kampf als von Qualität geprägt. © dpa
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Die größte Chance vergeben die Kroaten durch Ivica Olic, der aus kürzester Distanz den Ball an die Latte jagt. Kranjcars Nachschuss landet über dem Tor. © dpa
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Die Fans - wie hier beim Public Viewing in Dortmund - fiebern mit. © dpa
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Kroatiens Josip Simunic macht den Abflug. © dpa
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Tor in der 119. Minute: Der eingewechselte Ivan Klasnic köpft Kroatien in Führung. Die Türkei steht vor dem aus. © dpa
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Doch die Türken schaffen die sensationelle Wende. Nach 121 Minuten trifft Semih zum Ausgleich und rettet die Türkei ins Elfmeterschießen. © dpa
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Kroatien scheint durch den späten Schock völlig konsterniert. Gleich drei Schützen vergeben ihre Elfmeter, hier hält Rüstü den Strafstoß von Mladen Petric. Die Türken verwandeln alle Strafstöße sicher. © dpa
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Die Kroaten sind am Boden ... © dpa
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... die Türken jubeln! Durch ein 4:2 n.E. schießen sie sich ins Halbfinale. Dort wartet Deutschland als nächster Gegner. © dpa
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Nicht nur bei den Spielern könnte es eine lange Nacht werden ... © dpa
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... sondern natürlich auch bei den türkischen Fans in Bayern und auf der ganzen Welt. © dpa

Das türkische Team in der Einzelanalyse: Konfuse Abwehr, zerzauster Angriff

Das türkische Team in der Einzelanalyse: Konfuse Abwehr, zerzauster Angriff © 
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Die Personalnot bei den Türken wird immer schlimmer. Gegen Deutschland sind mit Volkan (Foto) nach seiner roten Karte sowie nach ihrer jeweils zweiten gelben Karte Emre Asik, Arda Turan und Tuncay Sanli vier Spieler gesperrt. © dpa
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Dazu kommen schlimmstenfalls mit Emre Güngör (Muskelfaserriss), Servet Cetin (Innenbandprobleme), Emre Belözoglu (Wade), Tümer Metin (Leiste) und Nihat (Ödem, Foto) noch fünf Verletzte. Zumindest die drei Erstgenannten könnten noch rechtzeitig fit werden. Ansonsten bleiben Trainer Fatih Terim aber nur zwölf Feldspieler und zwei Torhüter, die wir Ihnen hier vorstellen: © dpa
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Rüstü Recber (35, Besiktas): Sollte das Gnadengesuch der Türken für ihren rotgesperrten Stammtorwart Volkan von der Uefa am Montag abgeschmettert werden, muss gegen Deutschland wieder der Oldie von Besiktas zwischen die Pfosten. Eine klare Schwächung. Bei hohen Bällen wirkt Rüstü ähnlich hilflos wie Portugals Keeper Ricardo. Ein echtes Ass ist er nur beim Elfmeterschießen. © dpa
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Tolga Zengin (24, Trabzonspor): Er ist eigentlich dritter Torhüter. Wegen der akuten Personalnot zieht Trainer Fatih Terim aber sogar in Erwägung, ihn zum Feldspieler umzufunktionieren. © dpa
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Mehmet Topal (22, Galatasaray): Der Schlacks mit der Gelfrisur ist ein harter aber fairer Zweikämpfer. Könnte von der Sechs auf die rechte Abwehrseite rücken und zum Haupt-Gegenspieler von Podolski werden. © dpa
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Gökhan Zan (26, Besiktas): Kopfballstark, technisch beschlagen. Er wird Klose das Leben schwer machen. © dpa
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Ugur Boral (26, Fenerbahce): Der etatmäßige Mittelfeldmann ist eine Abwehr-Alternative für den gelbgesperrten Emre Asik. Ob er seine Fehler im Stellungsspiel abstellen kann? © dpa
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Hakan Balta (25, Galatasaray): Der gebürtige Berliner bringt alles mit – außer einem guten Nervenkostüm. Für Bastian Schweinsteiger könnten Hakans Konzentrationsschwächen zur Chance werden. © dpa
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Sabri Sarioglu (23, Galatasaray): Ein echter Wirbelwind. Brillante Technik, scharfe Flanken. Im Abschluss allerdings harmlos. © dpa
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Hamit Altintop (25, FC Bayern): Konstantester Türke bisher. Seine Impulse drehten die Partie gegen Tschechien. Gegen Deutschland will Hamit in der Offensive Akzente setzen. © dpa
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Gökdeniz (28, Rubin Kasan): Spielt beim aktuellen russischen Tabellenführer. Licht und Schatten wechseln beständig. © dpa
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Marco Aurelio (30, Fenerbahce): Der eingebürgerte Brasilianer ist der Ruhepol des Teams. Glänzt mit Übersicht und Technik. © dpa
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Kazim Kazim (21, Fenerbahce): In London geboren, spricht kaum türkisch. Gegen Kroatien fehlte ihm die Bindung zum Team. Viele sinnlose Einzelaktionen. © dpa
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Semih Sentürk (25, Fenerbahce): Torschützenkönig der Süper Lig. Sein Tor rettete die Türken gegen Kroatien ins Elferschießen. © dpa
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Ayhan Akman (31, Galatasaray): Der Mittelfeldspieler durfte bisher nur im Training ran und saß 360 Minuten auf der Reservebank. Zumindest als Einwechselspieler wird Coach Fatih Terim nun wohl notgedrungen auf ihn zurückgreifen müssen. © dpa
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Mevlüt Erdinc (21, FC Sochaux): Der Stürmer wäre erster Kandidat für eine Einwechslung. © dpa
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Welcher Autokorso setzt sich nach Abpfiff am Mittwoch in Bewegung und hupt, was das Zeug hält, über den Finaleinzug: der deutsche ... © dpa
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... oder der türkische? © dpa

Türkei nebenan - Münchens türkischste Straße: Die Goethestraße

Türkei nebenan - Münchens türkischste Straße: Die Goethestraße © Westermann
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Es ist, als würde man eine andere Welt betreten. Ein Obst- und Gemüsestand reiht sich an den anderen, von den Imbissständen und Dönerbuden weht ein köstlicher Duft herüber, Händler und Kunden diskutieren eifrig miteinander, vieles, was an den Schaufenstern steht, verstehen Deutsche nicht. Die Goethestraße ist Münchens türkischste Straße, oder, um es mit denen zu sagen, die hier leben: © Westermann
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Hier ist Münchens Klein-Istanbul! Einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt preisen türkische Reisebüros günstige Trips in die Heimat an, gibt es Übersetzungsbüros, jede Menge Börek, Köfte und Lahmacun, türkische Banken, Andenken- und Souvenirläden … © Westermann
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42 473 Türken (Stand: Mai 2008) leben in München – damit sind sie die größte ausländische Bevölkerungsgruppe der Stadt vor den Kroaten (24 646) und den Serben-Montenegrinern (24 424). © Westermann
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Die meisten Türken (6493) leben in Ramersdorf-Perlach, die wenigsten (209) im Bezirk Altstadt-Lehel. Viele von ihnen kamen in den 60er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland. Sie zogen in die Ballungszentren, wo sie – etwa in der Autoindustrie – Arbeit fanden. © Westermann
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Nach dem Anwerbestopp 1973 holten sie nach und nach ihre Angehörigen nach Deutschland. Als viele Jobs für Ungelernte wegfielen – drei von vier hier lebende Türken haben keinen Berufsabschluss – sind unter ihnen besonders viele Arbeitslose (25 Prozent). © Westermann
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Jetzt, einen Tag vor dem EM-Halbfinale zwischen der Türkei und Deutschland, ist nun natürlich das Spiel DAS Gesprächsthema. © Westermann
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Dennoch dominiert die sportliche Fairness: Viele Geschäfte verkaufen deutsche und türkische Wimpel, ein türkischer Mobilfunkanbieter wünscht auf einem riesigen Werbeplakat beiden Nationen Glück. Die Türken sind sich einig: Egal, wie das Spiel ausgeht – gefeiert wird am Mittwoch in jedem Fall! © Westermann
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Eine Ruheoase mitten im Trubel: Plötzlich ist der Trubel ganz weit weg. Zwar geht das hektische Treiben weiter, aber man sieht nur noch, wie Menschen ihre Lippen bewegen, wie sie im Auto auf die Hupe hauen. © Westermann
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„Viele Kunden kommen noch kurz vor der Abreise zu uns“, sagt Deniz Polak (20) von Kubi Kosmetik. Deutsche, Türkinnen, Araberinnen – schöne Fußnägel wollen sie alle, und zwar in entspannter Atmosphäre. Das wird auch am Donnerstag so sein. „Aber vorher wird gefeiert“, sagt Polak. „Bol sanslar Türkiye. Viel Glück, Türkei.“ © Westermann
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Von CDs bis zu Flaggen: Mehr Ware auf weniger Platz geht nicht. Puppen, CDs, Wasserpfeifen, Modeschmuck, bayerische Flagge und mit türkischen Sehenswürdigkeiten bedruckte Handtücher – Minarecis Im- und Export ist seit 30 Jahren im Besitz der Familie Minareci. © Westermann
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Nach Großvater Tahir und Mutter Zehra wird Akgün (20) die Familientradition fortführen. Warum es in einem türkischen Geschäft auch deutsche Flaggen gibt? „Wir grenzen niemanden aus“, sagt Akgün. „Fußball ist kein Krieg, sondern Spaß.“ © Westermann
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Türkisch-deutscher geht es kaum: Dindar Karadag bittet Besucher auf das Ledersofa, eine junge Kellnerin serviert dampfenden Tee im Glas. An der Wand hängt ein Porträt von Atatürk und eines von Goethe. „Ich wohne gerne hier“, sagt Karadag. „Man muss aber aufpassen, dass man auch mal rauskommt. Weil auch in der Schwanthaler-, der Schiller und der Landwehrstraße viele Türken leben, konzentriert sich ein Großteil des Lebens auf diese Ecken.“ © Westermann
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„Die Goethestraße, das ist wie Klein-Istanbul. Nicht so groß wie in Berlin, aber immerhin.“ Ebro Ataman (19), Auszubildende im Reisebüro Yazicioglu, schaut aus dem Fenster im ersten Stock. Von hier aus hat man einen schönen Blick über die Straße. Unten blockiert gerade ein Lieferant den Verkehr, die Autofahrer hinter ihm hupen ungeduldig. „Sie sollten mal sehen, was hier abends los ist“, sagt sie. Und das, obwohl mehr Landsleute als sonst Flüge nach Wien oder Basel buchen wollen. Der türkische Höhenflug bei der EM ist gut fürs Geschäft. © Westermann
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„Vor 20 Jahren“, sagt Behcet Vargönen, „gab es hier noch nicht so viele türkische Geschäfte, dafür mehr Banken.“ Vargönen ist Direktor der Isbank, eines von zwei Geldinstituten der Goethestraße. Natürlich sind die meisten Kunden seiner Bank Türken. Die 15 Angestellten aber müssen alle deutsch können: „Für unsere deutschen Kunden. Sie schätzen uns, weil wir so flexibel sind. Ein Kunde hat einmal gesagt, er habe das Gefühl, als wäre es unser Problem, das wir lösen müssten – und deshalb so viel Energie dafür aufwenden.“ © Westermann
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Hier wird bairisch gesprochen: „Hier ist es wie zu Hause“, sagt Bülent Yalcin (36) und strahlt. Der Mitarbeiter von Anadolu Supermarket stapelt Wassermelonen zu einer Pyramide, im Geschäft riecht es nach frisch gebackenem Brot. © Westermann
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Yalcin lebt seit 15 Jahren in Bayern, seit zwei Jahren in München. Auf seinen bayerischen Dialekt wäre manch Einheimischer stolz. © Westermann
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Die Goethestraße ist seine zweite Heimat: „Die Leute kaufen nicht ein, sie suchen die Waren mit Hingabe aus.“ Ganz wie zu Hause eben. © Westermann
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„Das Publikum ist gemischt und lebendig, das Angebot an Geschäften bunt. Aber es ist auch laut und hektisch, und es gibt viel Verkehr – das muss man mögen.“ Für Özgür Agbas (31), Chef des Bistros Pascha, gehört all das dazu, genauso wie Betrunkene oder Kleinkriminelle, die gelegentlich vom Bahnhof in den Imbiss kommen. „Es gab noch ­keine Schlägerei, und wir mussten auch noch keinen rausschmeißen“, sagt ­Agbas. „Wir wissen, wie man mit diesen Menschen spricht – und die verstehen uns.“ © Westermann

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10 Sätze auf Türkisch, die Sie fürs Halbfinale wissen müssen

Auf Deutsch schimpfen kann jeder. Was aber sagt der Türkei-Fan am Nachbartisch? Lobt er den Schiedsrichter oder grantelt er über die deutsche Mannschaft? Die tz hat einen kleinen Sprachführer zusammengestellt: Deutsch-Türkisch für Fans. Damit der Abend Spaß macht und alle Freunde bleiben – egal, wie das Spiel ausgeht!

Jetzt pfeif endlich ab! / Sindi düdügü calacam

Klares Foul – Elfer! / Tertemiz faul. Bu penalti.

Schwalbe, der hat sich fallen lassen. / Numara. Kendi düstü.

Den macht sogar meine Oma rein. / Bunu nenem bile atardi

Hau den Ball weg! / Uzaklastir topu!

Steh nicht rum – geh ran an den Ball! / Öyle durma. Topa kos!

Super gehalten, toller Reflex. / Bravo iyi tutus, harika bi refleks.

Mecker nicht – spiel einfach weiter! / Ötme, oyununa bak.

Am Trikot ziehen geht nicht. / Trikoyu tutmak olmaz.

Voll mit der Spitze draufgehalten. / Ayaginin ucunu tutuyo.

Quelle: tz

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