40-Jähriger bedroht Vater, weil Sohn (13) seinen Hund „tratzte“

Der Harlachinger Nachbarschaftskrieg

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Peter G. wurde verurteilt.

Harlaching - Sie heißen beide Peter, wohnen an einem der schönsten Winkel Harlachings direkt am Isar-Hochufer.

Und sie pflegen eine innige Feindschaft. So schlimm sogar, dass der eine mit dem Auto auf den anderen losraste! Da kann der Täter von Glück reden, dass sein Opfer gerade noch zur Seite springen konnte. Deshalb kam er vor Gericht glimpflich davon.

Peter G. ist 40 Jahre alt, gelernter Schornsteinfeger, ein richtiger Bayer. Seine Villa hat er geerbt, einer geregelten Arbeit geht er nicht nach. Der Junggeselle hält zwei Hunde. Kinder mag er nicht: „Die tratzen meine Hunde.“

Peter W. ist 60 Jahre alt und Musiker: An der Bayerischen Staatsoper ist der gebürtige Berliner erster Solocellist, ein gefragter Künstler also. Sein Cello wurde von dem berühmten italienischen Geigenbauer Giovanni Grancino im Jahre 1699 gebaut. Er ist glücklicher Papa von zwei Kindern.

Den 13-jährigen Sohn des Musikers kann Peter G. nicht leiden: „Der Bua steht immer blöd rum.“ Das mache seine Schäferhündin „Kira“ fuchsteufelswild. Deshalb springe der Hund ab und zu übern Zaun, Gefährlich sei das Tier aber nicht: „Der wui nur spuin.“ Dass er deshalb Ärger mit dem Kreisverwaltungsreferat bekam, hält er für eine nachbarschaftliche Intrige: „Lächerlich!“

Am 18. Dezember 2007 donnerte Peter G. mit seinem Auto auf den Buben des Musikers los, schnitt ihm den Weg ab, herrschte ihn an: „Gib zu, dass du den Hund tratzt!“

Der schockierte Bub lief zu seinen Eltern, diese erstatteten Anzeige. Das machte Peter G. erst richtig wild: Am 31. Januar nahm er mit seinem Opel Astra den 60-jährigen Vater auf Korn, als dieser gerade mit seinem Cello von der Tram nach Hause gehen wollte. Peter W. flüchtete in eine Parklücke. Peter G. legte den Rückwärtsgang ein, raste auf den Musiker los! „I wollt nur mit dem reden“, behauptet der Angeklagte. Pech für den Agressor, dass eine Zeugin die Attacke beobachtete.

Opfer Peter W. vor Gericht: „Ich bin zur Seite gesprungen. Ich wollte das Cello in Sicherheit bringen. Es gehört dem bayerischen Staat und ist eine halbe Million Euro wert.“ Doch Zeugen lässt der Angeklagte ungern ausreden, er mault dazwischen: „Schmarrn!“ Richterin Alexandra Seitz muss ihn mehrfach ermahnen: „Wir sind hier nicht im Wilden Westen.“

Auf gutes Zureden seines Anwalts gibt Peter G. schließlich die Auto-Attacken zu. Die Richterin verurteilt ihn zu milden 90 Tagessätzen à 15 Euro wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Sie ermahnt den Kaminkehrer, jetzt Ruhe zu geben: „Ich hoffe, dass es nicht mehr weitergeht.“

Doch Peter G. mault nach dem Prozess: „‚Den kriag i no, den Krüppl!“

Eberhard Unfried

Quelle: tz

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