Große Sorge vor Delta-Variante

Ambitionierter Plan für neue Party-Meile in München macht Innenstadthändler sauer - „Wir sind sprachlos“

Die Türkenstraße in der Maxvorstadt
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Beliebter Treff des Feiervolks: Die Türkenstraße in der Maxvorstadt.

SPD und Grüne wollen die Ludwigstraße in München für Partys sperren, das Alkoholverbot am Gärtner- und Wedekindplatz soll fallen. Doch ist die Corona-Gefahr gebannt? Es gibt Protest.

Update vom 23. Juni: Der Verband der Münchner Innenstadthändler City Partner kritisiert die Sperrung der Ludwigstraße für Feiernde. Der Stadtrat hat am Mittwoch zugestimmt, den Abschnitt vom Odeonsplatz bis zur Ohmstraße an jedem Wochenende durchgehend von Freitag, 22 Uhr, bis Sonntag, 2 Uhr, für den Verkehr zu sperren. Damit soll Münchnern Raum zum Feiern zur Verfügung gestellt und die Türkenstraße entlastet werden. Wie berichtet, war es dort zuletzt immer wieder zu Problemen gekommen.

Der Stadtrat hat noch einen Joker in seinen Beschluss eingebaut: Sollte der Andrang auf dem gesperrten Teilstück der Ludwigstraße zu groß werden, kann die Sperrung auch auf Teile der Leopoldstraße ausgeweitet werden. Die Verwaltung wird nun prüfen, wie sich das umsetzen lässt.

München mit neuer Party-Meile trotz Corona: SPD und Grüne federführend

City Partner bemängelt derweil, dass eine der „größten Feiermeilen der Republik“ geschaffen werde – in Kenntnis der Pandemie und der neuen Delta-Variante des Coronavirus, die als ansteckender gilt als die bisherigen Varianten. In einem Schreiben der Händler heißt es, dieser riesige Raum auf der Ludwigstraße ließe nach Angaben von Veranstaltern Versammlungen von bis zu mehreren zehntausend Menschen zu. Und das unkontrolliert, ohne Veranstalter, Ordner sowie Sicherheits- oder Hygienekonzept. Demgegenüber seien Kulturveranstaltungen im Freien nach den neuen Vorgaben nur unter strengen Auflagen und mit Hygienekonzept und für maximal 500 Personen zugelassen.

Weiter befürchtet City Partner, dass die Sperrung der Ludwigstraße am Wochenende nicht mit der Pandemie beendet werde. Es sei zu erwarten, dass Grüne und SPD eine solche Sperrung dann auch nach der Pandemie weiterführen. „Die Unternehmen der Münchner Innenstadt sind sprachlos.“

Die Stadt tut etwas für Anwohner der Türkenstraße, aber auch für Feierwillige: SPD und Grüne wollen die Ludwigstraße von Freitag, 22 Uhr, bis Sonntag, 2 Uhr, zwischen Siegestor (Ohmstraße) und Odeonsplatz für Autos sperren, um sie Feiernden zugänglich zu machen (wir berichteten). Gleichzeitig soll die Stadtverwaltung prüfen, ob diese Fläche bei größerem Andrang auch auf die Leopoldstraße bis hin zur Franz-Joseph-Straße ausgeweitet werden kann.

Im abgesperrten Bereich sollen Toiletten und zusätzlich Mülleimer aufgestellt werden. An einschlägigen Hotspots wie der Türkenstraße stellen sich Grüne und SPD ein Glasflaschenverbot sowie ein Verbot von To-go-Getränken ab 20 Uhr und ein Verbot von großen Musikboxen vor. Die Corona-bedingten Alkoholverbote am Gärtnerplatz und Wedekindplatz sollen entfallen. Damit junge Menschen auch andere Orte zum Feiern haben, sollten Bars und Clubs wieder geöffnet werden, wenn das Pandemiegeschehen es erlaubt.

Party-Meile für Feiernde in München: „Schafft Freiraum und entlastet Anwohner“

Ursprungsartikel vom 22. Juni 2021: Initiator Lars Mentrup (SPD) sagte: „Wir schaffen Freiraum und entlasten die Anwohner an der Türkenstraße und der Maxvorstadt. Und wir minimieren die Gefahr, die von Autoposern und -rennen ausgeht. Wir machen unsere Stadt lebenswerter – für alle, die das Leben lieben.“

Grünen-Vize Dominik Krause fügte hinzu: „Die Anwohner der Türkenstraße haben ein Recht auf Nachtruhe und auf ein Umfeld, das nicht durch Berge von zerbrochenen Flaschen und anderem Müll beeinträchtigt ist. Und die jungen Menschen, die feiern wollen, haben ein Recht darauf, dies in einer Großstadt wie München zu tun, ohne kriminalisiert zu werden.“ *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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