Schon 16 Fälle in drei Wochen! Dreisten Täter stören schlafende Bewohner nicht

Der Serien-Einbrecher von Schwabing

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Den dreisten Dieb stören schlafende Bewohner nicht.

München - Er kommt nachts, wenn alle schlafen: Seit fast drei Wochen treibt ein Einbrecher sein Unwesen in Schwabing.

Mittlerweile ist der Täter in 16 Wohnungen eingedrungen. Dass die Bewohner darin schlafen, stört ihn überhaupt nicht. Er sucht sich gezielt Zuhause aus, deren Türen lediglich ins Schloss gezogen wurden. Wenn er geht, lässt er demonstrativ die Wohnungstür offen stehen. Jeder soll sehen – er war da.

Die unheimliche Serie begann am 27. Juli in der Schluderstraße (Neuhausen). Der Unbekannte öffnete die unverschlossene Wohnungstür, suchte nach Bargeld und ging wieder. Ab dem 8. August war er jede Nacht gezielt in Schwabing unterwegs – einziger Ausreißer: der Einbruch in der Theresienstraße (Innenstadt). Auf seiner Diebestour durch Schwabing bricht er viermal in Wohnungen an der Leopoldstraße, dreimal am Bonner Platz und jeweils einmal an der Apianstraße, Ungererstraße, Trautenwolfstraße, Ainmillerstraße und vergangenen Freitag zweimal an der Hiltenspergerstraße ein.

Dabei geht er immer nach demselben Muster vor: Er öffnet mühelos die Türen, die nur ins Schloss gezogen sind. Die schlafenden Bewohner stören ihn keineswegs. Manchmal schaltet er sogar das Licht an. Er durchsucht lautlos die Schränke und Handtaschen nach Bargeld. Nur einmal hat er bisher einen Silberring mitgenommen. Wenn er geht, lässt er die Wohnungstür offen stehen. Manchmal lässt er die leeren Geldbeutel im Treppenhaus fallen. Seine Gesamtbeute bisher: mehrere 1000 Euro.

Es sind nur zwei seiner Opfer aufgewacht. Als er in der Nacht auf den 8. August in der Leopoldstraße einbricht, schaltet er in einer Wohnung das Licht an. Der Bewohner erwacht – die Geräusche vertreiben den Dieb. Bei seinem zweiten Einbruch in dieser Nacht, wieder in der Leopoldstraße, lässt er das Licht zwar aus, aber eine 23-jährige Friseurin weckt er trotzdem. Sie schreit ihn an – er flieht. Der Täter, der laut Polizei einen dunklen Teint hat, soll Ende 20 und zwischen 1,65 und 1,70 Meter groß sein. In der Nacht auf 9. August trug er die Haare kurz und wellig. Er hatte eine lange, weiße Hose und ein weißes T-Shirt an. Die Polizei sucht Zeugen, Telefon 089/ 29 10-0.

bz.

Weißer Ring: So fühlen sich Einbruchsopfer

tz-Interview mit Karl-Günther Theobald, Psychologe beim Weißen Ring

Wie reagiert ein Opfer, wenn es einen Einbrecher in seiner Wohnung erwischt?

Theobald:Natürlich hat es Angst – um sein Leben und seine Gesundheit. Noch schlimmer ist es, wenn das Opfer erwacht, und der Täter vor dem Bett steht. Dort fühlt man sich noch hilfloser. Einen Schock bekommen auch Menschen, die den Einbruch erst am nächsten Tag bemerken. Jemand ist in ihr Reich eingedrungen, ohne dass sie es bemerkt haben oder verhindern konnten.

Was hat die eigene Wohnung für eine Bedeutung?

Theobald: Die Wohnung ist mein sicherer Ort, an dem ich die Kontrolle habe und bestimmen kann. Dringt dort jemand unerlaubt ein, ist diese Sicherheit weg.

Sollte man nach einem Einbruch umziehen?

Theobald:Nein. Das löst das Problem der Sicherheit nicht und kostet viel Geld. Auch ist die vertraute Umgebung weg. Lieber sollte man sich überlegen, die Sicherheit in der Wohnung zu verbessern.

Wie sehr belastet ein Einbruch die Opfer in der Zeit danach?

Theobald:Posttraumatische Belastungsstörungen äußern sich frühestens nach einem Monat. Bis dahin kann es sein, dass sich ein Opfer gar nicht so schlecht fühlt. Symptome können Entsetzen über die eigene Hilflosigkeit, Sprachlosigkeit, Aggressivität, Bindungsstörungen und vieles mehr sein.

Was raten Sie Opfern von Einbrüchen?

Theobald:Es gibt viele Möglichkeiten, sich helfen zu lassen. Der Weiße Ring bietet eine traumatologische Erstberatung an, bei der geklärt wird, ob eine therapeutische Weiterbehandlung zu empfehlen ist. Das wichtigste ist, dass man die Schuld keinesfalls bei sich selbst sucht. Die Schuld hat der Einbrecher.

Katharina Bitz

Quelle: tz

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