Münchner Forscher enthüllen drastische Auswirkungen der Zeitumstellung

Der Sommerzeit-Jetlag setzt uns zu

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Der Sommerzeit-Jetlag kann einem den Schlaf rauben.

Die eine geklaute Stunde Sommerzeit: Die steckt man doch ganz locker weg! Das ist ein gängiges Vorurteil zur Zeitumstellung am Sonntag – vor allem von Chefs.

Es stimmt aber nicht. Münchner Forscher um Prof. Till Roenneberg von der Ludwig-Maximilians-Uni konnten zeigen, dass die Umstellung drastischere Folgen hat als bislang vermutet.

Wenn in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Uhren um eine Stunde vorgestellt werden, fehlt jedem Menschen diese eine Stunde. Die innere Uhr gerät aus dem Takt. Jetlag!

„Das ist so, als würden wir alle nach London fliegen“, sagt Thomas Kantermann, einer der LMU-Forscher, der tz. Nur: Wenn man wirklich hinfliegt, kann sich die innere Uhr dort schnell an Aufgang und Untergang der Sonne orientieren. Bei uns entfällt dies: „Bei der Untersuchung waren viele Menschen sogar vier Wochen nach der Zeitumstellung immer noch nicht angepasst.“ Wir ticken also einfach falsch weiter.

Studienleiter Prof. Roenneberg folgert: „Das Argument, bei der Zeitumstellung handle es sich ,nur‘ um eine Stunde, trügt. Wir waren selbst überrascht, wie stark die Effekte sind. Es ist durchaus denkbar, dass die Zeitumstellung langfristig weit größere Auswirkungen hat als bisher geglaubt.“

Die Wissenschaftler hatten die Ergebnisse einer großen Fragebogen-Aktion mit bislang 60 000 Teilnehmern mit einem Experiment verglichen: Bei 50 Probanden wurde das Schlafverhalten mit einem Aktivitätsmesser in Form einer Armbanduhr gemessen.

Die Schwierigkeiten zeigten sich vor allem im Frühjahr. Klar: Im Herbst bekommen wir ja eine Stunde geschenkt. Dann ticken alle wieder richtig. Besonders betroffen waren außerdem Menschen, die spät zu Bett gehen und dafür länger schlafen – die so genannten Eulen. Die Lerchen – Frühzubettgeher und Frühaufsteher – konnten sich etwas leichter anpassen. Grundsätzlich leiden Großstädter wie die Münchner mehr als Landmenschen: Sie bekommen weniger Tageslicht ab – von Zuhause in die U-Bahn, dann ins Büro und abends wieder heim in die Wohnung ohne Garten …

Folgen für die Gesundheit durch den Jetlag sind bisher nicht bewiesen – werden aber stark vermutet. Schichtarbeiter sind ja auch öfter krank als Büromenschen. „Schließlich gibt es eine Reihe von saisonalen Krankheiten“, sagt Chronobiologe Kantermann – von Depressionen über Erkältungen bis hin zu Fettleibigkeit. Sie werden wie viele Prozesse im Körper von der inneren Uhr beeinflusst. Der Jetlag kann hierbei eine bedeutende Rolle spielen.

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Fakt ist: „Wir müssen das Thema ernster nehmen“, sagt Thomas Kantermann. Folgen durch die Zeitumstellung seien jahrelang ignoriert worden, es gebe nur wenige Studien dazu. Fakt ist auch: Für viele Chronobiologen, Zeitforscher und Schlafwissenschaftler ist die Sommerzeit ein sinnloser und künstlicher Störfaktor – und gehört damit abgeschafft!

Quelle: tz

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