Ölpreis sinkt, doch der Gaspreis steigt

Der Trick mit der Ölpreisbindung

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Die Gaspreise sind zeitversetzt um drei bzw. sechs Monate an die Entwicklung der Ölpreise gekoppelt

Die Verbraucher wundern sich: Die Ölpreise sinken, doch die Gaspreise steigen derzeit weiter, da erst jetzt die umstrittene Ölpreisbindung des Erdgases mit drei bzw. sechsmonatiger Verspätung durchschlägt.

„Mehr als 100 Anbieter erhöhen die Gaspreise zum 1. November und 1. Dezember dieses Jahres sowie zum 1. Januar 2009, obwohl die Ölpreise seit Mitte dieses Jahres stark gesunken sind,“ moniert der Gasexperte des Inernet-Verbraucherportals verivox, Thorsten Strack. Er und andere Verbraucherschützer monieren, dass die Ölpreisbindung beim Erdgas, die in den 60er-Jahren zum Schutz der hohen Investitionen eingeführt wurde, inzwischen völlig überholt ist. Aribert Peters vom Bund der Energergieverbraucher: „Hier wird doch getrickst auf Teufel komm raus. Mal beruft man sich auf eine halbjährige, mal auf eine vierteljährige zeitliche Verzögerung bei der Preisentwicklung, gerade wie es für die Kalkulation und Gewinnmaximierung passt.“

Die Stadtwerke München, die nach Ansicht von Stadtrat Marian Offmann ihre Gaspreise für Privatkunden zum 1. Januar 2009 um 12 Prozent anheben werden: „Ich gehe davon aus, dass jetzt auch die Einzelabnehmer ähnliche Aufschläge zahlen müssen wie die Großkunden, die bereits seit 1. Oktober 12 Prozent mehr zahlen müssen.“ Den betroffenen Kunden müssten die SWM diese Entscheidung bis Ende dieser Woche mitteilen, wollen sie ab Neujahr mehr verlangen.

Die SWM ließen in einer Verlautbarung von dieser Woche bereits durchblicken, dass man auch wieder an der Preisspirale drehen wird. SWM-Sprecher Christian Miehling: „Der Gaspreis folgt dem Heizölpreis aufgrund der Ölpreisbindung mit einer zeitlichen Verzögerung von rund einem halben Jahr. Das heißt, die Ölpreis-Höchststände vom Sommer werden sich erst jetzt voll auf die Erdgas-Einkaufspreise auswirken...“

Wundert sich verivox-Experte Thorsten Storck: „Das Gros der Stadtwerke hat eigentlich Verträge mit Ferngashändlern, die sich am Heizölpreis von vor drei Monaten orientieren.“ Für Verbraucherschützer Peters steht daher fest: „Da der Ölpreis vor einem halben Jahr viel höher war, verweist man jetzt lieber auf den Wert von vor sechs Monaten.“

Die Stadtwerke München sind derzeit dabei, den Privatkunden die Jahresabrechnungen zu versenden. tz-Leser Heinz F. war überrascht, dass seine neue Vorauszahlung für Erdgas unverhältnismäßig stieg: um 12 Prozent – just den Wert, den Stadtrat Offmann als Gaspreis-Erhöhung erwartet.

Richtig spannend wird es laut Verbraucherschützer Peters dann im April 2009: „Dann müssten die Gaspreise bundesweit wieder erheblich nach unten gehen, da dann die jetzigen, erheblich niedrigeren Ölpreise, als Berechnungsgrundlage hergenommen werden müssen.“

Uwe Fajga

Quelle: tz

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