1. tz
  2. München
  3. Stadt

Der neue Trödelladen am Viktualienmarkt

Erstellt:

Von: Leoni Billina

Kommentare

Bettina Folger (li.) und Paju Bertram sitzen im Trödelladen, Bettina Folger eine hält eine Gitarre in der Hand
Die Initiatorinnen Bettina Folger (li.) und Paju Bertram © Marcus Schlaf

Ein Pop-up-Store am Viktualienmarkt: Seit gestern gibt es in der Innenstadt einen Marktstand, in dem Artikel aus dem Gebrauchtwarenkaufhaus Halle 2 angeboten werden. Die Initiatorinnen kämpfen für mehr Nachhaltigkeit und weniger Müllberge.

Eine Dame steht in der kleinen Bude am Viktualienmarkt und stöbert durch das Sortiment: Besteck, Geschirr, Bilder und Spiegel, Teppiche, allerlei kleine Schätze aus zweiter Hand. Schließlich entscheidet sie sich für ein Set Tischtennisschläger für den Enkel.

Das Sortiment – eher ungewöhnlich für den Viktualienmarkt: Seit gestern gibt’s in einem Marktstand an der Ecke Westenriederstraße Gebrauchtes zu kaufen. Denn das Gebrauchtwarenkaufhaus Halle 2 vom Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM), beheimatet in Pasing, hat dort einen Pop-up-Store aufgemacht und einen kleinen Teil des Sortiment ausgelagert – mitten ins Herz der Stadt. Bis zum 30. April werden dort die Dinge angeboten, die bei Wertstoffhöfen abgegeben werden, aber noch zu schade sind, um im Müll zu landen.

In Zukunft sollen in jedem Quartier in München kleine Trödelläden entstehen

Im besten Falle macht das Laderl am Viktualienmarkt nur den Anfang: Ziel sei es, in jedem Viertel in München kleine Pop-up-Stores zu eröffnen, in denen man aus zweiter Hand einkaufen kann, sagen die Initiatorinnen des Projekts, Paju Bertram von der Hochschule München und Bettina Folger vom AWM. Diese erste Zwischennutzung ist ein Testlauf, um die Logistik zu prüfen und herauszufinden, wie die Leute das Konzept annehmen – und hoffentlich viele Menschen zu animieren: „Denn nur gemeinsam können wir ein nachhaltiges München gestalten“, sagt Bertram.

Das Ganze ist eine Kooperation zwischen dem AWM, dem Innovationsnetzwerk „M:UniverCity“ der Hochschule München und dem sozialen Beschäftigungsbetrieb Anderwerk. Die Mission: Das Thema Wiederverwertung in den Vordergrund rücken. „Im Juli 2020 hat der Stadtrat beschlossen, dass München eine Circular City werden soll, also eine Kreislaufstadt“, erklärt Bertram, Programm-Managerin von „M:UniverCity“.

Bedeutet, dass langfristig alle Rohstoffe dauerhaft genutzt werden sollen. Weg also von Müllbergen und Wegwerf-Mentalität.

München als Kreislaufstadt

Im Zuge des Stadtratsbeschlusses wurde die AWM damit beauftragt, ein ganzheitliches Konzept zu entwerfen. So kam es zur Zusammenarbeit zwischen Stadt und Hochschule: Denn neben Lehre und Forschung habe die Hochschule die Aufgabe, Wissen in die Gesellschaft zu tragen und diese mit einzubinden, erklärt Bertram.

Und noch ein Ziel soll die Zwischennutzung am Viktualienmarkt erreichen: Die Halle 2 und deren Konzept der Wiederverwertung generell bekannter machen, betont Folger, die den Bereich Wiederverwendung beim AWM leitet. „Leider kennen immer noch zu wenige Münchner unsere Halle 2“, sagt sie. Zusätzlich dazu sei der Standort in Pasing nicht für alle gut zu erreichen. „Es soll einfach unkomplizierter für die Leute werden, gebrauchte Sachen zu bekommen und auch abzugeben“, sagt Folger. Denn auch wer etwas gut Erhaltenes loswerden will, kann das ganz unkompliziert am Viktualienmarkt erledigen – oder auch weiterhin an den Wertstoffhöfen.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr.

Der Marktstand an der Ecke Westenriederstraße
Der Marktstand an der Ecke Westenriederstraße © Marcus Schlaf

Auch interessant

Kommentare