1. tz
  2. München
  3. Stadt

Der Überfall dauerte nur Sekunden

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Nikolaus-Tag 2007: Die Bande raubte das Geschäft Uhren-Huber in der Fußgängerzone aus.
Nikolaus-Tag 2007: Die Bande raubte das Geschäft Uhren-Huber in der Fußgängerzone aus. © Kurzendörfer

Der Spuk war kurz und besonders dreist: Mitten im Weihnachtsgeschäft läuteten letztes Jahr am Nikolaustag zur Mittagszeit estnische Räuber bei Uhren-Huber in der Fußgängerzone.

Sie bedrohten Mitarbeiter und Kunden mit geladener Pistole und räumten eine Vitrine aus – Wert: rund 223.000 Euro. Die Räuber sprangen zu einem Komplizen ins Auto, warfen den Plastikbeutel mit den Uhren einem Mittäter in einem zweiten Wagen zu und brausten davon. Sie entkamen, doch der Mann mit der Beute wurde in der Nähe des Polizeipräsidiums gestoppt.

Von den insgesamt fünf Tätern hat sich einer noch im Monat der Tat den „Goldenen Schuss“ gesetzt. Seine vier Komplizen haben am Montag vorm Landgericht den schweren Raub gestanden. Es sind die beiden Planer Oliver R. (24) und Andrus S. (27), Räuber Marko L. (36) und der Fahrer des Fluchtautos, Alvar K. (19). Nach der Verhaftung von Oliver R. und der Sicherstellung der Uhren in München führte die Spur rasch zu den Mittätern. Sie wurden in Estland festgenommen und im März ausgeliefert.

Im Prozess schilderten sie ihre jeweilige Beteiligung an dem wochenlang ausgetüftelten Raub. R. und S. waren die Initiatoren, sie heuerten die Komplizen an, kauften Tarnkleidung, Pfeffersprays und ein Handy, mieteten die Fahrzeuge an. Mit der Gaspistole im Motorraum eines der Autos fuhren sie nach München, wo die beiden Planer das Uhrengeschäft ausgekundschaftet und fotografiert hatten. Die zwei Organisatoren gaben den Mittätern zwei Hämmer für die Vitrinen und Arbeitshandschuhe und verteilten die Aufgaben.

Andrus S. flog nach dieser „Konferenz“ zurück nach Talinn. Die anderen scheiterten beim ersten Versuch des Überfalls: Einer sah vor dem Geschäft Männer, die er für Polizeibeamte hielt. Mittags wurde der Plan umgesetzt: Zwei Räuber folgten einer Kundin in den Laden, in dem der Geschäftsführer, sechs Mitarbeiter und sieben Kunden waren. Daniel L. zog die Pistole und bedrohte den Chef, der inzwischen verstorbene Nikolai B. hämmerte auf die Glasvitrine ein.

Nach 90 Sekunden waren die Räuber wieder draußen. Passanten wollten sie aufhalten und bekamen eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht. Die Flucht war für Oliver R. schnell zu Ende. Weil Estland bekanntlich EU-Mitgliedsstaat ist, lieferte es die dort gefassten Räuber aus. Den vorbestraften Angeklagten drohen Strafen bis zu 15 Jahren.

Der Prozess dauert an.

Quelle: tz

Auch interessant

Kommentare