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Der Untergang eines Baudenkmals: Der historische Starnberger Flügelbahnhof soll Hochhaus weichen

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Von: Dirk Walter

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So soll das Hochhaus am Standort des heutigen Starnberger Flügelbahnhofs einmal aussehen.
So soll das Hochhaus am Standort des heutigen Starnberger Flügelbahnhofs einmal aussehen. © Auer + Weber

Der Starnberger Flügelbahnhof in München soll abgerissen werden. Die Bahn plant ein fast 70 Meter hohes Hochhaus. Eine kleine Initiative will das verhindern – und wittert Morgenluft.

München – Zugegeben, besonders schön ist der Starnberger Flügelbahnhof am Hauptbahnhof München nicht, sagt Harald Lukas. Der ehemalige Grafikdesigner steht in der Schalterhalle. Die ist riesig – aber auch heute so gut wie leer. Die sechs Schalter für den Fahrkartenverkauf sind seit Jahren geschlossen. In einer Ecke schläft noch ein Obdachloser. Und die Caritas hat einen Versorgungsstand für Flüchtlinge aufgebaut. Aber Flüchtlinge sind keine zu sehen. Der Gebäude-Komplex soll bald abgerissen werden – die Bahn will hier einen modernen Turm hochziehen. Aber genau da zieht Harald Lukas gar nicht mit.

Widerstand ist Pflicht: Harald Lukas vor dem säulen-verkleideten Eingangsportal des Bahnhofs.
Widerstand ist Pflicht: Harald Lukas vor dem säulen-verkleideten Eingangsportal des Bahnhofs. © Marcus Schlaf

Lukas gehört der Initiative Münchner Architektur und Kultur (AKU) an, eine kleine Gruppe, die gegen „städtebauliche Verschandelung“ zu Felde zieht. Ihr Vorsitzender Karl Hofmann (87) kommt aus Oberhaching und ist prinzipiell argwöhnisch, wenn es um Großprojekte geht. Der Jurist kämpfte schon an der Seite des ehemaligen OBs Georg Kronawitter gegen die Über-100-Meter- Hochhäuser. Gegen den Abriss des Flügelbahnhofs hatte er vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof geklagt – und verloren. Doch nun wittert Hofmann eine neue Chance: Denn der Abriss verzögert sich nach Informationen unserer Redaktion um mindestens zwei Jahre.

Ein „echtes Stück Zeitgeschichte“

Für Harald Lukas ist der Bahnhof, der 1949/50 entstand, „ein echtes Stück Zeitgeschichte“. Die Bahn plant aber einen Turm, fast 70 Meter und 17 Stockwerke hoch aus Beton und Glas. Die Stadt hat das genehmigt. „Statt zu sanieren wird weggerissen“, ärgert sich Lukas. Ein Argument hat die Initiative: Der Flügelbahnhof steht unter Denkmalschutz. „Zweigeschossiges Empfangsgebäude mit kolossaler Pfeilerhalle und Freitreppe, Schalterhalle und Querbahnsteig mit Oberlichtern, im Stil des Neuklassizismus“, so hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege den Bahnhof bewertet. Trotzdem wurde der Abriss schon genehmigt.

Der geplante Abriss verzögert sich um mehrere Jahre, sagt die Bahn

Jetzt sind plötzlich Änderungen notwendig, die weitere Genehmigungsprozeduren nach sich ziehen. Ein Mischwasserkanal beispielsweise. Und: „Es sind die Wege der Bahnkunden zu sichern, neue Treppenanlagen, Überdachungen, Lautsprecher und Beleuchtung herzustellen“, so eine Bahnsprecherin. Zudem müssen Kanäle und Kabel verlegt werden, bevor der Bagger kommt. Das dauert: „Der Abrisstermin für das Gebäude hängt von der weiteren Genehmigungslage ab und ist für 2025 geplant“, heißt es jetzt. Ursprünglich war 2023 angedacht. Die Fertigstellung des Neubaus 2027 ist damit nicht zu halten. 2029 ist realistischer. Wenn überhaupt. Hofmann hat nun den Bundesrechnungshof eingeschaltet. Der Neubau des Büroturms wird weit über 100 Millionen Euro kosten – und die hoch verschuldete Deutsche Bahn muss das selbst schultern. Für Hofmann verschwendetes Geld.

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