Von wegen eine Werbefigur – 160 Jahre alte Zeichnung belegt:

Der Weihnachtsmann ist ein echter Münchner!

Der Herr Winter stapft durch den Schnee. Er trägt einen langen Bart, einen langen Mantel, eine Zipfelkapuze und schleppt einen Christbaum. Er gilt als der Urvater des Weihnachtsmanns.

München - Der Weihnachtsmann wird oft beschimpft. Coca-Cola soll ihn als Werbefigur frei erfunden haben. Mit dem Fest der Liebe habe er gar nichts zu tun. Kurz: Den Weihnachtsmann soll es in Wahrheit gar nicht geben.

Aber das stimmt nicht. Es gibt ihn doch! Mehr noch: Der Weihnachtsmann ist ein Münchner.

Es geht hier wohlgemerkt nicht um den Nikolaus. Der ist ein Bischof und kommt am 6. Dezember. „Nikolaus ist ein Heiliger“, sagt etwa Brauchtumsschützer Walter Sirch vom Bayerischen Trachtenverband. Mit dem Heiligen hat der Weihnachtsmann nichts am Hut. Der kommt an Weihnachten – seit Jahrhunderten. Zu diesem Fest der Feste hat die tz nämlich noch mal die alten Bücher aufgeschlagen: Der Weihnachtsmann ist viel traditioneller und uns viel näher, als viele glauben. Das ist wissenschaftlich bewiesen.

Der erste Weihnachtsmann erscheint vor über 160 Jahren zum ersten Mal in München. Der Alte stapft in Bärenfell-Stiefeln durch den Schnee, trägt einen langen Mantel und Zipfelkapuze, aus der ein eisiger Bart hervorschaut. Unter dem Arm trägt er einen Christbaum. Er ist ein guter Mann.

Dieser Weihnachtsmann ist eine Figur des Malers und Zeichners Moritz von Schwind. Er erscheint bereits 1847 in der Münchner Wochenzeitschrift Fliegende Blätter, zwei Jahre später noch mal in der Illustrierten Münchener Bilderbogen.

Der Weihnachtsmann ist also ein Münchner. Sein Zeichner Schwind, in Wien geboren, lebt damals schon Jahrzehnte in München und lehrt als Professor an der Akademie der Bildenden Künste. Bedeutende Werke hängen in der Neuen Pinakothek und in der Schack-Galerie. Schwind liegt auf dem Südfriedhof begraben.

Der Zeichner nennt seine Figur aber noch nicht Weihnachtsmann, sondern „Herr Winter“. Die Jahreszeit wird zum Menschen. Der Mann zieht übers Land, bringt die Kälte, den Schnee und das Fest. „Denn Weihnacht hat der Winter gebracht!“, heißt es in der Geschichte. „Herr Winter“ wird damit als Weihnachtsmann zum Urvater aller seiner Nachfolger.

Das beschreibt einer der bedeutendsten Volkskundler bereits vor über 80 Jahren. Adolf Spamer war damals in Berlin der erste Professor für das Fach in Deutschland. 1937 erscheint sein Buch Weihnachten in alter und neuer Zeit. Seinen Befund bestätigt die Professors-Kollegin Ingeborg Weber-Kellermann 1978 in ihrem Buch Das Weihnachtsfest. Beide Forscher identifizieren den „Herrn Winter“ von Schwind als ersten und „neuen“ Weihnachtsmann.

Denn es gibt auch einen „alten“: Die Idee und der Begriff des Weihnachtsmanns sind nämlich noch viel älter – älter als 200 Jahre! Im Jahr 1798 taucht in einem Theaterstück ein „Weihnachtmann“ als Gabenbringer am Heiligen Abend auf. Der Begriff erscheint auch ab 1820 im „Deutschen Wörterbuch“. Um 1835 schreibt Heinrich Hoffmann von Fallersleben dann den Text zum berühmten Lied Morgen kommt der Weihnachtsmann. Diese Entwicklung zeichnet die Stuttgarter Kulturwissenschaftlerin Martina Eberspächer in ihrem Buch "Der Weihnachtsmann" nach.

Das Problem mit diesem „alten“ Weihnachtsmann: Er hat noch keinen Charakter. Sein Name gilt als Sammelbegriff für alle möglichen männlichen, meist bösen Gabenbringer – wie Krampus, Knecht Ruprecht oder den üblen „Pelzmärtel“. Die vermöbeln unartige Kinder, stecken sie in den Sack und bringen sie in den Wald zu den Bären und Wölfen – oder fressen sie je nach Überlieferung gleich auf! Erst der neue Weihnachtsmann von Moritz von Schwind sei „frei von den krassen Formen des Kinderschrecks“, schreiben die Volkskundler.

Das besänftigt auch seine Kritiker. „Der Weihnachtsmann mag seine Berechtigung haben“, sagt Brauchtumsschützer Walter Sirch. „Wir wollen den Nikolaus am 6. Dezember stärken und nicht den Weihnachtsmann ausrotten.“

Der neue, der echte Weihnachtsmann ist also ein guter Mann, über 160 Jahre alt und ein Münchner. Es gibt ihn wirklich. Von wegen Coca-Cola!

Quelle: tz

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