"Der Bernd" lebt! Premiere der Hommage

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Constantin-Vorstand Martin Moszkowicz stellte die Doku „Der Bernd“ im ­Mathäser vor, die Eichingers Witwe Katja erst später einmal ansehen will.

München - War er jemals fort? Bernd Eichinger († 61) ist wieder da – auf dem Münchner Filmfest. Dort kam es im Mathäser zur Premiere der filmischen Hommage auf einen Besessenen.

Mit seinem Genie, seiner ganzen Besessenheit, seiner Ungeduld, seiner Groß­zügigkeit und der Sehnsucht nach Anerkennung, seiner Unrast und seinen Untiefen, seiner ganzen Leidenschaft und Lust, die sich im Schmeißen von Gläsern und im Zerreisen von Kleidern seiner Frauen entladen hat. Der Bernd, wie er immer war.

In 90 Filmminuten erinnern sich Freunde und Weggefährten an ihre gemeinsame Zeit mit dem Filmemacher, der über vier Jahrzehnte das deutsche Kino geprägt hat. Eine Dokumentation der Constantin Film, für die Eichinger den größten Teil seines Lebens gelebt hat. Am Mittwochabend war Weltpremiere im ­Mathäser – mit vielen seiner Liebsten.

Bernd Eichinger - Bilder aus seinem Leben

Bernd Eichinger - Bilder aus seinem Leben

Die Idee zum Film kam aus dem Kreis der Mitarbeiter – allen voran Stephanie Dresbach, die mit vielen Kollegen, darunter KinoKino-Autor Carlos Gerstenhauer, Archivmaterial aus dem Keller geholt und über 50 Einzelinterviews in aller Welt geführt hat. Mit Menschen wie Bruno Ganz, Til Schweiger, Roland Emmerich, Uli Edel, Moritz Bleibtreu oder ­Bully Herbig, die „den Bernd“ in seiner Vielschichtigkeit beleuchten und ihm auch gerecht werden – seinem Licht und seinen Schatten.

400 Stunden Material kamen zusammen – eine wahre Schlacht, dies zu eineinhalb Stunden zusammenzuschneiden.

„Weg da! Geh aus dem Bild!“ Bernd Eichingers Ungeduld steht am Anfang, sein schallendes Lachen am Ende des Films. Dazwischen – spannend viel.

Sein Stammplatz im Schumann’s zum Beispiel, wo er am liebsten Vodka Martini trank; und sein Lieblingsrestaurant Romagna Antica, wo er immer Tagliatelle mit Olivenöl und Parmesan aß. Mit den immerselben Leuten. In diesen Dingen liebte er keine Abwechslung. Das Filmemachen, bei dem Eichinger oft seine ganze Existenz riskierte, war aufregend genug – neben seinen Frauen.

Eichinger liebte an ihnen Eleganz, Sexappeal und ­Humor – hatte aber nur wenige an seiner Seite, und die stets über Jahre. Sabine Eichinger, Hannelore Elsner, Katja Flint, Barbara Rudnik, Corinna ­Harfouch. Und wenn die Liebe zu Ende ging, blieben sie trotzdem weiterhin Teil der Familie.

Nur eine Frau wollte er für immer: Katja – Filmjournalistin aus L.A., die ihn am Set zu Das Parfum interviewte – und mit der er fünf Jahre bis zu seinem Tod verheiratet war. Sie sagt im Film: „Als ich ihn kennnelernte, hatte ich das Gefühl, dass er sehr verstummt und einsam war. Die öffentliche Person Bernd Eichinger war wie ein Gefängnis um ihn herum.“ Mit Katja hat er zum ersten Mal Ruhe gefunden, zusammen haben sie einen Alltag erobert, den sie genießen konnten. Von ihr fühlte er sich verstanden – seine Schüchternheit, seine Sehnsüchte, seine Freude an der Provokation, seine Ausschließlichkeit, die ihn nie zur Ruhe kommen ließ. Schlafen konnte Eichinger nur mühsam. Katja über ihren Mann: „Ich hab’ oft gesagt, ich bin mit einem Atomkraftwerk verheiratet, weil er permanent unter Druck stand.“

Eichingers Witwe war nur zur Begrüßung da – den Film wollte sie sich nicht anschauen, genauso wenig wie Tochter Nina. Zu übermächtig, zu verwirrend sind wohl noch die Gefühle, eineinhalb Jahre nach Eichingers Tod.

Die Premierengäste verließen schweigsam das Kino, Marie ­Bäumer tief berührt. „Der Film wird Bernd gerecht. Für mich war er genial, ein toller Tänzer, ein Charmeur, ein großartiger, leidenschaftlicher Mensch, einer der letzten Urgesteine des Films.“

„Ich bin sehr glücklich über diesen Film“, sagte ­Hannelore Elsner, und Tom ­Gerhardt: „Ich hab Bernd im Film wiederauferstehen sehen, und er hat sich von allen Seiten gezeigt. Sein Geist schwebt noch sehr vehement unter uns!“ Mit dabei auch Steffen Kuchenreuther, der Eichinger vor 33 Jahren die erste Goldene Leinwand verliehen hat ...

Ulrike Schmidt

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