Derblecken: Der große tz-Vergleich

+
Django Asül (l.) auf dem Maibockanstich oder Luise Kinseher auf dem Nockherberg - wer gefällt Ihnen besser?

München - Hofbräu kontra Paulaner: Jahrzehntelang stand der Maibock-Anstich im Schatten des Nockherbergs. Jetzt macht Hofbräu mächtig Boden gut. Verkommt der Nockherberg zur „politischen Schmusestunde“? Oder bleibt Paulaner Platzhirsch?

Wir vergleichen, Sie entscheiden.

Gästeliste: Neben dem bayerischen Kabinett reist zum Nockherberg auch die große Garde der Bundespolitiker an – im letzten Jahr etwa waren neben der Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer da. Die Gästeliste am Maibock ist zwar weniger prominent. Doch diese holt auf: Heuer zeigte sich erstmals Ministerpräsident Horst Seehofer im Hofbräuhaus – und der will im nächsten Jahr wiederkommen.

Inhalte: Vor allem das Singspiel auf dem Nockherberg nimmt überwiegend die Bundespolitiker aufs Korn. Beim Maibock dagegen stehen die bayerischen Landespolitiker im Mittelpunkt. Das kommt an: „Der Nockherberg ist mir inzwischen zu Berlin-orientiert. Gut, dass es den Maibock gibt – beide Veranstaltungen sind eine tolle Kombi“, sagt etwa Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU).

Festrede: Über Geschmack lässt sich kaum streiten. Über Zensur schon. Der Zoff auf dem Nockherberg ist unvergessen: 2009 schmiss Singspiel-Autor Holger Paetz mit zwei Kollegen frustriert hin. Paulaner habe angeblich „eine Art Zensur“ ausgeübt. Paetz war genervt, „dass so viele Leute mitquatschen“. Brauerei-Chef Andreas Steinfatt kontert: „Unsere Autoren wollen mit uns reden. Bei uns herrscht ein Miteinander.“ Absprachen gibt es bei Hofbräu hingegen keine. „Wir sehen den Text vorab nicht und wir wollen ihn auch gar nicht sehen“, betont HB-Chef Michael Möller. „Wir halten uns da komplett raus.“

Bühnenbild/Kostüme: Während es am Nockherberg eher opulent zugeht, hält sich der Maibock-Anstich noch zurück. Wir erinnern uns an eine aufgehübschte Bavaria und ein prächtig arrangiertes Singspiel. Django Asül trat hingegen schlicht im Anzug auf.

TV-Übertragung: Bei den Quoten liegt der Nockherberg deutlich vorne: Heuer verfolgten bundesweit 2,36 Millionen Zuschauer den Auftritt der Bavaria. Festrede und Singspiel werden live gesendet, inklusive Vor- und Nachberichterstattung. Der Maibock-Anstich wurde erst zum dritten Mal übertragen. Gesendet wird nicht live, sondern zeitversetzt am gleichen Abend. Zusätzlich läuft am Samstag ab 16 Uhr die Wiederholung. Mit 1,05 Millionen Menschen lockt HB nicht mal halb so viele Zuschauer an.

Atmosphäre: Festlich und relativ voll – so lässt sich wohl die Atmosphäre am Nockherberg beschreiben. Doch das gehört dazu. Im Gegensatz dazu ist der Maibock-Anstich heimeliger, intimer und leiser. Eines haben beide aber gemeinsam: eine tolle Stimmung!

Bissigkeit: Nach dem Maibock-Anstich bezeichnete SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher den Nockherberg doch tatsächlich als „politische Schmusestunde“. Für Kabarettisten die Höchststrafe! „Vermutlich ist Paulaner nach all der Kritik in der Vergangenheit vorsichtiger geworden“, spekuliert HB-Chef Möller. 2010 gab es beispielsweise Krach wegen einem KZ-Vergleich von Festredner Michael Lerchenberg. Das wollte sich Paulaner heuer wohl ersparen.

Konkurrenz: Davon will keiner reden. „Warum sollten wir Angst haben? Wir sind das Original“, sagt Paulaner-Chef Steinfatt. Kritik nimmt er gelassen. FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß frotzelte, Django Asüls Rede habe die vom Nockherberg übertroffen. „Das nehme ich sportlich“, retourniert Steinfatt geschickt. Auch HB-Chef Möller will keinen Streit zwischen den Brauereien vom Zaun brechen. „Ob ich besser oder schlechter bin, spielt keine Rolle“, sagt er. „Für die Kollegen von Paulaner tut’s mir aber leid, wenn sie in die Pfanne gehauen werden.“

T. Schmidt, C. Schmelzer, A. Wille

Maibock-Anstich: Die besten Sprüche

Über Kanzlerin Angela Merkel (CDU): Nicht nur die EU ist im Eimer, sondern auch der Meniskus von Merkel. Sie hatte nach Fukushima einen schrecklichen Unfall. Helmut Kohl war ihr in den Rücken gefallen. Die Ärzte befürchteten schlimme Schäden an der Wirbelsäule. Die haben gleich nachgeschaut und erleichtert festgestellt: Hoppla, da ist ja gar kein Rückgrat.

Über Umweltminister Markus Söder (CSU): Denn wenn es in Deutschland eine echte Anti-Atompartei gibt, ist es die CSU. Da gibt einer den Takt vor. Und zwar Umweltminister Söder. Mittlerweile ist er sogar Mitglied beim Bund Naturschutz. Früher hieß es immer: Bevor Söder zum BN geht, wird eher Uli Hoeneß Schnupftabakberater von Christoph Daum.

Über Uli Hoeneß (FC Bayern): Ich war ja ein wenig nervös: Der mächtigste Mann Bayerns ist nämlich heute Abend hier: Herzlich Willkommen, Uli Hoeneß!

Nockherberg: Die besten Sprüche

Über Kanzlerin Angela Merkel (CDU): Die arme Mutti, sie hat’s nicht leicht. Die hat alles auf die Seite geräumt, was ihr gefährlich hätte werden können. Koch, Wulff, alles aussortiert, sie sitzt fest im Sattel. Das einzige Problem, was sie noch hat, sind die Wähler. Wie integriert man jetzt (...) den Wähler noch schnell in eine Atompolitik, mit der er nicht einverstanden ist?

Über Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU): Früher, wie du noch jung warst, da war es leichter, da hast Du instinktiv gewusst, was der Wähler will. Was ist denn los, Horsti? (...) Einst der große Alpha-Hengst, jetzt ein Alpha-Wallach.

Über Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU): Man fragt sich manchmal, warum die Christine gerade Sozialministerin geworden ist. Das passt doch überhaupt nicht. Was hast du dir dabei gedacht, Horsti? Ach so! Es war nichts anderes frei.

Auch interessant

Kommentare