So endete das Duell

Derby vor Gericht: Angeklagte Sechzig-, Richter Bayern-Fan

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Ein Roter in Schwarz: Richter Thomas Müller verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro.

Das war schon ein ungleiches Duell im Amtsgericht. Der Richter, Bayern-Fan, die Angeklagte Sechzig-Anhängerin. So endete der Prozess.

München - Heftige Randale hatte im August 2015 das Spiel zwischen dem TSV 1860 II und dem FC Bayern II überschattet. Schon während des Amateur-Derbys im Grünwalder Stadion kam es zu Ausschreitungen. Doch danach ging es Giesing munter weiter: Reihenweise lieferten sich die Fans der beiden Vereine Straßenschlachten mit der Polizei. Mittendrin: etliche vermummte Hooligans, darunter auch Petra K. (52). Sie stand gestern vor Gericht, weil sie Polizisten beleidigt hatte und ihnen drohte. Reuig gab sie am Dienstag zu: „Ich hatte viel getrunken und dann geschimpft.“

Vor dem Amtsgericht München hatte ihr Ausraster nun ein Nachspiel: Dort musste sich die kaufmännische Angestellte wegen Landfriedensbruchs verantworten – und erlebte 90 Minuten lang ein Derby der anderen Art. Exakt die Länge eines Fußballspiels hatte Richter Thomas Müller (56) für die Verhandlung angesetzt. Die Vereinsliebe kennt er aus dem Privatleben selbst: „Ich bin von Haus aus Bayern-Fan“, sagte er nicht ohne Stolz. Zum Entsetzen der Angeklagten, die das kaum glauben konnte. Der Richter – ausgerechnet ein Roter. Doch der sah es professionell: „Im Prozess muss ich das ausblenden.“ Kleinlaut entgegnete Petra K.: „Ich habe ja nichts gegen Bayern-Fans.“

„Das stimmt. Aber ich bin sicher kein Kämpfer“

Beim Amateur-Derby hatte das noch anders ausgesehen. Nach dem Spiel hatte sich Petra K. in der Tegernseer Landstraße mit ausgebreiteten Armen vor Polizisten gestellt und geschrien: „Kommt doch her.“ Videoaufnahmen, die der Richter vorführen ließ, dokumentierten die Gewaltbereitschaft. Vor Gericht sagte Petra K.: „Das stimmt. Aber ich bin sicher kein Kämpfer. Da gibt es ganz andere.“

Angeblich lag alles am Alkohol. Doch das ließ Müller nicht gelten: „Auch wenn man besoffen ist, kann man sich benehmen“, sagte der Richter. Er sprach am Ende eine Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro aus. Sozusagen die Gelbe Karte des Gerichts. Denn mit dem milden Urteil hatte Petra K. noch Glück: Sie ist mehrfach vorbestraft und gehörte bei der Fußballweltmeisterschaft 2016 in Frankreich sogar zum Kreis potenzieller Gefährder. Bei der Einreise wurde sie verhaftet – und verlor später ihren Job. Zudem wurde sie mit einem bundesweit geltenden Stadionverbot belegt, das noch bis September gilt.

Bilder: Nach Derby flogen Flaschen - Großeinsatz für Polizei 

„Heute habe ich mein Leben wieder im Griff“, sagte Petra K. Seit dem 14. Lebensjahr ist sie Fan der Sechzger. „In die Szene bin ich hineingewachsen. Die Fans sind wie meine Familie!“ So gesehen habe der Abstieg der Löwen sogar etwas Gutes gehabt, so Petra K. Denn sie darf aktuell schon wieder ins Grünwalder Stadion zu den Spielen. Für die vierte Liga gilt ihr Verbot nicht.

Getrunken, gepöbelt: Petra K. stand wegen Landfriedensbruchs vor Gericht. 

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