Bahn wird nie wieder so pünktlich sein wie früher

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Alle reden vom Wetter – auch die Bahn. Schnee und Eis bereiten den Zügen heutzutage mehr Probleme als früher. Ein Grund dafür ist der Personalabbau

München - Bei der Deutschen Bahn greifen künftig mehr Maßnahmen bei Schnee und Eis. Eines steht aber fest: Die Bahn wird nie wieder so pünktlich sein wie früher. Woran das liegt, lesen Sie hier.

Wenn die S-Bahn wegen festgefrorener Weichen nicht kommt und der ICE im Schnee steckenbleibt, dann erinnern sich viele Menschen an die alten Werbeplakate der Bahn: „Alle reden vom Wetter – wir nicht“, steht auf dem Motiv mit dem Foto eines Zuges, der durch eine verschneite Winterlandschaft fährt.

Das Plakat, das übrigens heute noch in der Münchner S-Bahn-Zentrale hängt, stammt aus dem Jahr 1967, und Bayerns DB-Netz-Chef Dr. Volker Hentschel räumt jetzt mit dem Wintermärchen der zuverlässigen Bahn auf. Hentschel erzählt, was bisher nur unter der Hand berichtet wurde: „Damals fuhren um den Faktor zwei bis drei weniger Züge. Und als Folge der Produktivitätssteigerung haben wir heute vor Ort nicht mal mehr halb so viele Leute.“

Auf Deutsch: So schnell wie früher kann die DB Störungen nicht mehr beheben. Trotzdem unternimmt sie einen neuen, viel versprechenden Anlauf für den kommenden Winter. Die Pläne:

Schneeräumen: „Die Zahl der Schneeräumkräfte wird um zehn Prozent erhöht“, verspricht Hentschel. Um den Betrieb auf wichtigen Strecken bei lang anhaltendem, starkem Schneefall zu gewährleisten, sollen diese und Knotenbahnhöfe vorrangig freigehalten und beispielsweise weniger benötigte Anlagen wie Überholgleise nachrangig freigeräumt werden.

Schneepflüge: Der zunehmende Einsatz von Leichtbautriebwagen, die schon bei 20 Zentimeter Schneehöhe Probleme haben, erfordert den Einsatz zusätzlicher Räumfahrzeuge und Schneeschleudern. Der Bestand wird von elf auf 15 erhöht.

Weichenheizungen: Im Vorjahr schaffte es die Bahn nicht einmal, die beiden Gastanks für die 19 Weichenheizungen in Geltendorf aufzufüllen. Der Grund: Fahrverbot für Gefahrguttransporte wegen spiegelglatter Straßen. Die Folge: drei Tage lang Schienenersatzverkehr. Um solche Peinlichkeiten zu verhindern, wurden die Weichen auf elektrischen Betrieb umgebaut. Insgesamt wurden 111 Weichenheizungen in Bayern neu errichtet und 41 hochgerüstet. Eine Weichenheizung verbraucht bis zu doppelt so viel Energie wie ein Einfamilienhaus.

Vereiste Züge: In den Betriebswerken München-Steinhausen, Pasing, Kempten, Nürnberg, Würzburg und Hof stehen diesen Winter 70 Heizgebläse zum Auftauen eingefrorener Züge bereit, damit die nötigen Wartungsarbeiten erledigt werden können. „Ich erwarte dadurch insgesamt eine höhere Verfügbarkeit der Regionalzüge“, sagt Norbert Klimt, Bayerns DB-Regio-Chef. Auch beim Fernverkehr wird die Verfügbarkeit erhöht: Eine neue Enteisungsanlage in München kann hier einen ICE bereits in zwei Stunden fit für die Werkstatt machen.

Grünrückschnitt: Um für Stürme besser gerüstet zu sein, werden alle 6000 Kilometer Bahnstrecke in Bayern auf sechs Meter Breite links und rechts des Gleises freigeschnitten. Im Frankenwald, wo im Vorjahr tagelang die Hauptstrecke nach Berlin durch umgestürzte Bäume blockiert war, hat die DB Tabula rasa gemacht und sogar auf 30 Meter Breite links und rechts der Gleise nur Pflanzen-Wüste hinterlassen.

Karl-Heinz Dix

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