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Bahn-Irrsinn: Voll bezahlt und trotzdem Schwarzfahrer – „Das ist doch einfach dreist“

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Von: Dirk Walter

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Daniel K mit einem Bah-Ticket vor einem Zug
„Das ist doch dreist“ – Daniel K. will die Strafe nicht bezahlen. Lieber gehe er vor Gericht. © Privat

Ein Ehepaar soll aufgrund eines falschen Tickets 120 Euro Strafe zahlen. Dabei hatte das Paar den vollen Preis bezahlt. Auf Schlichtungsversuche wird seitens der Bahn nicht eingegangen.

München – Eigentlich sollte es ein schöner Ausflug zum Starnberger See werden. Doch wenn das Ehepaar Sophie und Daniel K. aus München-Obermenzing* an den Spätsommertag im September zurückdenkt, kommt der Ärger hoch. Sie sollen jetzt 120 Euro für angebliches Schwarzfahren zahlen – also beide jeweils 60 Euro „Fahrpreisnacherhebung“ –, obwohl der Deutschen Bahn kein finanzieller Schaden entstanden ist.

Der Streit zieht sich schon über zwei Monate hin, weil das Ehepaar eine Schlichtungsstelle eingeschaltet hat, die den beiden Recht gab. Doch die Bahn ignoriert das. Bis 14. Dezember sollen sie ultimativ zahlen – „bitte beachten Sie, dass bei Nichteinhaltung der Zahlungsfrist weitere Kosten auf Sie zukommen, Ihnen persönlich nochmals alles Gute“, so endet das letzte Schreiben der DB AG, Abteilung Zentraler Kundendialog.

Ärger mit der Bahn: Doppeltes Bußgeld trotz Ticket

Was war passiert? Am 26. September fuhr das Ehepaar K. von München-Obermenzing nach Starnberg und löste dafür beim Busfahrer eine Gruppen-Tageskarte zum Preis von 15 Euro. Es wird wohl nie geklärt werden, ob der Busfahrer bei den Tarifen nicht sattelfest war oder aus Versehen den falschen Knopf drückte – jedenfalls erhielt das Ehepaar eine Fahrkarte für die Zone 1. Notwendig für das Fahrziel Starnberg wären jedoch die Zonen 1 und 2 gewesen.

Ein Fehler sicherlich, jedoch keiner, bei dem der Bahn ein Schaden entstanden ist. Denn das Gruppenticket kostet in beiden Fällen 15 Euro. Kaum waren die beiden in München-Pasing* in den Zug RE 59519 eingestiegen, wurden sie auch schon vom Zugbegleiter kontrolliert. Und die beiden Ausflügler gerieten an einen besonders genauen Schaffner: Er brummte ihnen gleich zwei Mal die maximale Fahrpreisnacherhebung* auf – insgesamt 120 Euro.

Schlichtungsstellte soll Problem lösen: Bahn ignoriert SÖP

Als das Ehepaar recherchiert hatte, dass der Bahn gar kein finanzieller Schaden entstanden war, hakte es nach und wandte sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP). In diesem wenig bekannten Gremium sitzen Vertreter von Ministerien, Bahn, Luftfahrt und Verbraucherverbänden. Ihre Aufgabe ist es, Konflikte zwischen Reisenden und Unternehmen möglichst außergerichtlich beizulegen.

Die Juristin der SÖP empfiehlt, „die streitige Angelegenheit einvernehmlich beizulegen“. Erstens sei es nicht ersichtlich, dass das Ehepaar K. „eine Beförderungsleistung erschleichen“ wollte. Zweitens sei der Preis der „falschen“ und der „richtigen“ Fahrkarte identisch – „ein wirtschaftlicher Schaden der Beschwerdegegnerin (also der DB) ist insoweit nicht erkennbar.“ Und drittens hätten Verkehrsunternehmen „in Fällen von geringem Verschulden“ die Möglichkeit, „situationsgerecht und kulant zu reagieren“. Daher schlug die SÖP vor, die Strafe auf je 15 Euro zu reduzieren.

Deutsche Bahn nicht bereit für einen Kompromiss

Sophie und Daniel K. erklärten sich mit der 30-Euro-Buße einverstanden – nicht jedoch die Bahn*. Sie ist rechtlich nicht verpflichtet, den Schlichterspruch anzunehmen und beharrt hier tatsächlich auf der vollen Schwarzfahrerbuße in Höhe von 120 Euro. Begründung: Das Ehepaar habe die Bestimmungen der Tarifreform beachten müssen. Zwei Jahre nach der Einführung könne man das doch wohl erwarten.

Daniel K. will die ultimative Drohung der Bahn ignorieren und nicht zahlen. „Das ist doch einfach dreist, dass die Bahn den Schlichterspruch ignoriert. Wir werden das notfalls gerichtlich austragen.“ (dw) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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