Gerät Zeitplan noch weiter ins Wanken?

Neue Pläne zur zweiten Stammstrecke: So will die Bahn die Kurve kriegen

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Der neue Stammstreckentunnel (gelb) führt in einer engen Kurve zur Station Ostbahnhof.

Die Bahn wird am Donnerstag Änderungen bei der zweiten Stammstrecke vorstellen. Bekannt wurde bereits die geänderte Streckenführung im Osten, die neue Fragen aufwirft.

Dienstag vor zwei Wochen, Staatskanzlei: Ministerpräsident Markus Söder präsentiert zusammen mit DB-Chef Richard Lutz, OB Dieter Reiter und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer die geänderte Planung für die zweite Stammstrecke: Die Haltestelle am Ostbahnhof wird zur Friedenstraße verlegt, am Hauptbahnhof ein neuer Bahnhof für die U9 eingefügt, wodurch der Bau noch komplizierter wird. So weit – so schlecht.

Pläne konnten die vier Herren vor zwei Wochen allerdings nicht vorlegen. Bis heute wurden keine nachgereicht. Umso überraschender ist die Nachricht, dass die Bahn sehr wohl darüber verfügt: Am vergangenen Mittwoch präsentierten zwei DB-Beauftragte an eher abgelegener Stelle, im Planungsgremium des Bezirksausschusses 5 für die Au und Haidhausen, erstmals Details. Daraus geht hervor, dass sich die Bahn für die Jahre 2019/20 viel vorgenommen hat: Sie muss die neue Streckenführung beantragen, ebenso die nach Osten an die Friedenstraße gewanderte neue, in 18 Metern Tiefe geplante Station Ostbahnhof. Außerdem wird ein neuer Fußgängertunnel im Westen des Ostbahnhofs notwendig.

„Es gibt Eisenbahningenieure, die das bezweifeln“

Zum Rettungskonzept blieb DB-Mitarbeiter Jörg Mader, zuständig für Bürger- und Anwohnerkommunikation, in der Sitzung allerdings schwammig. „Völlig offen ist, wo die Rettungsschächte hinkommen“, sagt BA-Mitglied Barbara Schaumberger (CSU). „Dazu habe ich auch auf Nachfrage keine Antwort erhalten.“ Schon aus der Skizze geht hervor, dass der bisher geplante Schacht an der Kellerstraße möglicherweise keinen Sinn mehr ergibt – er ist zu weit weg. Fragen über Fragen also – umso erstaunter war Schaumberger, als sie dann in der Donnerstagsausgabe unserer Zeitung von den Plänen erfuhr, wonach statt Rettungsschächten jetzt ein (möglicherweise von Laim bis Ostbahnhof durchgängiger) Rettungstunnel als dritte Röhre geplant ist. „Dazu fiel im BA am Mittwoch kein Wort.“ Auch eine Erklärung, ob der gewählte neue Streckenverlauf mit einer für Bahnverhältnisse engen 90-Grad-Kurve sinnvoll ist, blieben die DB-Mitarbeiter schuldig. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Runge hat Zweifel: „Es gibt Eisenbahningenieure, die das bezweifeln.“ Die Pläne seien „hingerotzt“, kritisiert er.

Mehr zum Thema: Zweite Stammstrecke: Bahn setzt auf auf Geheimhaltung - dagegen geht Bürgerinitiative vor

Was die beiden DB-Mitarbeiter in der BA-Sitzung allerdings sagten: Für die neue Streckenführung zwischen Praterinsel und Ostbahnhof ist ein komplett neues Planfeststellungsverfahren notwendig. Auch dies hatten sowohl Bahn als auch Eisenbahn-Bundesamt (EBA) vergangene Woche auf Anfrage unserer Zeitung offengelassen. Planfeststellungsverfahren bedeutet: Die Pläne müssen öffentlich ausgelegt werden, jedermann hat das Recht, Einwendungen zu formulieren – auch wenn er nicht im betroffenen Stadtviertel wohnt. Betroffene gibt es freilich genug, schließlich wohnen auch am Weißenburger Platz viele Münchner, deren Heim jetzt durch eine Tunnelbohrmaschine unterminiert werden soll.

Der neue Stammstreckentunnel (gelb) führt in einer engen Kurve zur Station Ostbahnhof.

„Das kann fünf bis sieben Jahre dauern“

An die Einwendungen schließen sich eine öffentliche Erörterung der Widersprüche, erneute Stellungnahmen der Bahn und der Regierung von Oberbayern sowie die Gewährung von Klagemöglichkeiten an. Das kann sich über Jahre ziehen. Zum Vergleich: Das alte, durch die Änderung überholte Planfeststellungsverfahren 3 für den Abschnitt Isar – Ostbahnhof/Leuchtenbergring dauerte über sechs Jahre. Am 28. Februar 2010 hatte die Bahn die Pläne eingereicht, im April 2016 erteilte das EBA schließlich das Baurecht.

Der Grünen-Abgeordnete Runge rechnet mit einem langwierigen neuen Verfahren. „Das kann fünf bis sieben Jahre dauern.“ Auch BA-Mitglied Barbara Schaumberger glaubt nicht, dass es bei zwei Jahren Verschiebung bleibt, die zweite Stammstrecke nun also 2028 statt wie ursprünglich geplant 2026 eröffnet werden kann. „Dieser Zeitplan ist schon sehr sportlich.“

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