Gedankenexperiment ausgestellt

Tote Katze verschreckt Schulklassen: Deutsches Museum muss improvisieren

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Eine gehäkelte Katze bereichert ab sofort das Deutsche Museum

Wer die Ausstellungen des Deutschen Museums komplett betrachten will, wird mehr als einen Tag brauchen. Und selbst dann hat er nur einen Bruchteil dessen gesehen, was sich in 93 Jahren in den Beständen des weltgrößten Wissenschafts- und Technikmuseums angesammelt hat.

In dieser Serie stellen wir in loser Folge Schätze vor, die den Besuchern derzeit verborgen bleiben. Heute: Schrödingers Katze, ein Gedankenexperiment, das Gestalt annimmt.

Sie haben eine Körperzelle so groß nachgebaut, dass sie begehbar wurde, und sie haben winzige, aber detailgetreue Kopien gigantischer Maschinen gefertig. Aber derzeit betreten die Spezialisten der Modellbauwerkstatt im Deutschen Museum Neuland. Sie bauen etwas nach, was es nie gegeben hat: Schrödingers Katze, ein Gedankenexperiment des Physikers und Nobelpreisträgers Erwin Schrödinger. Eine zentrale Rolle dabei spielen die Häkelkünste einer Kollegin.

Die Katze liegt auf einem Brett, den Kopf auf dem Arm aufgestützt, und grinst den Betrachter an. Oder auch nicht, denn es gibt sie zweimal: einmal lebendig und einmal tot. Das ist das Paradoxon, mit dem der österreichische Physiker und Wissenschaftstheoretiker Erwin Schrödinger einen entscheidenden Unterschied zwischen unserer Welt und dem Reich der Quantenmechanik erklärte. Und um das Gedankenspiel ein wenig plastischer zu machen, ersann er die Versuchsanordnung mit der Katze, die fortan als „Schrödingers Katze“ zu erstaunlichem Ruhm über die Grenzen der Fachwelt hinaus gelangte.

„Besucher macht eine Klappe auf und blickt in die Kiste“

Dieses Gedankenexperiment nimmt nun in der Modellbauwerkstatt des Deutschen Museums Gestalt an und soll Teil der neuen Ausstellung Astrophysik werden, wie Werkstattleiter Franz Huber erzählt.

Der Aufbau ist einfach. „Es wird ein Tisch werden“, sagt Huber. „Der Besucher macht eine Klappe auf und blickt in die Kiste.“ Dort sieht er eines von zwei Szenarien, die auf einem drehbaren Boden montiert sind: Geigerzähler, Strahlenquelle und Hammer-Apparatur sind beide Male gleich. Doch auf einer Seite des Bodens schwebt der Hammer drohend über dem unversehrten Röhrchen mit blauer Flüssigkeit, und die Katze liegt lebendig daneben. In Szene zwei ist das Röhrchen zertrümmert und die Katze tot.

Und hier offenbarte sich ein Problem, an das Huber und sein Team gar nicht gedacht hatten: „Als wir das ersten Testmodell fertig hatten, kam eine Schulklasse zu einer Führung hier herein“, berichtet Huber. „Und die Kinder waren so betroffen beim Anblick der toten Katze, dass der eigentliche Zweck des Experiments völlig ins Hintertreffen geriet.“

Gehäkeltes Stofftier ist die Lösung

Was also tun? „Eines war klar“, erinnert sich Huber: Die Katze durfte nicht zu lebensecht wirken.“ Eine Option nach der anderen wurde diskutiert und wieder verworfen – bis zufällig eine Kollegin mit einem selbst gehäkelten Stofftier vorbeikam.

Das war die Lösung. „ich hab’ sie gefragt: Kannst du auch eine Katze in dieser Größe häkeln?“ erzählt Huber und markiert mit den Händen eine 20-Zentimeter-Spanne.

Die Kollegin konnte. Und die Ergebnisse ihrer Häkelkunst weden nun Eingang in die Astrophysik finden. Oft sind es eben die kleinen Dinge, die Großes begreifbar machen.

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