Nächster Akt im Sanierungs-Drama

Deutsches Theater: Das Fass ohne Boden

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Seit 2008 wird das Deutsche Theater saniert. Die Kosten galoppieren davon, die Eröffnung verzögert sich ständig.

München - Wann wird das Deutsche Theater wiedereröffnet? Bürgermeister Hep Monatzeder, Aufsichtsratsvorsitzender der Bühne, hat inzwischen Routine darin, immer neue Hiobsbotschaften aus der Dauerbaustelle zu verkünden.

Eigentlich sollte das Theater in der Schwanthalerstraße am 5. Oktober 2013 mit einer spektakulären Produktion zurückkommen. Doch daraus wird jetzt wieder nichts. Zudem erwartet Monatzeder (Grüne) einen Kostenschock: Der Umbau, der nun schon seit 2008 andauert, dürfte mit knapp 100 Millionen Euro rund 20 Millionen mehr kosten als ursprünglich geplant!

Genervt: Bürgermeister Hep Monatzeder.

Dienstagabend ging es in der Aufsichtsratssitzung der Hausverwaltung des Theaters einmal mehr um die Terminfragen.  „Wir haben keine Garantie, dass das Datum eingehalten werden kann“, meint Monatzeder gegenüber der tz. Der Architekt und der Projektsteuerer des Umbaus erklärten in der Sitzung, „dass die Übergabe eines spielfertigen Theaters am 17. Juni 2013 mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erreichbar ist“. Zwar glaubt die Theaterleitung, dass man im Juni 2013 einziehen kann. „Die Frage ist aber, ob die notwendigen Abnahmen und Übergaben bis Anfang Oktober erledigt sind“, so Monatzeder. Ein teures Musical zu buchen, ohne dass man weiß, dass es ab dem ersten Tag die Bühne benutzen kann, sei aber zu riskant: „Die Produktion kostet jeden Tag 200 000 Euro.“

Der Grund für die Terminprobleme: „Die Komplexität des Bauvorhabens, Anpassung von Vertragsterminen, Wechsel von Firmen und Schwierigkeiten bei der Bauabwicklung“, heißt es in der offiziellen Begründung. Wer schuld ist, will Monatzeder nicht sagen. „Das ganze wird aber noch vor Gericht landen“, prophezeit der Bürgermeister. Die Rathaus-FDP ätzt: „Wie der Berliner Flughafen wird nun das Deutsche Theater zu einer endlosen Geschichte und zu einem Fass ohne Boden. Das ist ein Fiasko für den Steuerzahler“, so Fraktionsvorsitzender Michael Mattar.

Die unendliche Pannengeschichte

Mai 2008: Der Stadtrat beschließt die Sanierung des Deutschen Theaters für 80 Millionen Euro. Geplante Bauzeit: bis Herbst 2011. Eine Privatisierung war abgelehnt worden. Man hätte dem Betreiber 30 Millionen Euro Zuschuss zahlen müssen.

Juni 2008: Der Vorhang in der Schwanthalerstraße fällt, die Bauarbeiten beginnen. Das Theater zieht in die Zeltstadt in Fröttmaning.

Juni 2009: In der U-Bahnröhre unter dem Theater gibt es Risse, Gutachten müssen nachgereicht werden.

Juli 2010: Es wird bekannt, dass sich die Bauarbeiten wegen der komplizierten Baustelle um ein Jahr verzögern, der Stadtrat muss 1,7 Millionen Euro zuschießen.

November 2010: Theaterleiter Werner Steer spricht nun von einem Eröffnungstermin im Jahr 2013.

Mai 2011: Die Mehrkosten belaufen sich auf 12 Millionen Euro.

August 2011: Ein Dachbrand sorgt für weitere Verzögerungen.

Juli 2012: Bürgermeister Hep Monatzeder spricht von 94 Millionen Euro Baukosten. Der Eröffnungstermin ist unklar.

Johannes Welte

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