Zwischen Raumschiff und Rokoko

Wow! Der erste Blick ins Deutsche Theater

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Rot, weiß und ziemlich spacy – der neue Theatersaal

München - Das Deutsche Theater präsentiert sich im völlig neuen Gewand! Nach dem Umbau wirkt es wie eine Mischung aus Raumschiff Enterprise, Allianz Arena und Schloss Nymphenburg.

Lange genug hat es ja gedauert – und Geld hat es auch genug gekostet: Nach fünf Jahren Bauzeit und voraussichtlich 94 Millionen Euro Umbaukosten präsentiert sich das Deutsche Theater im völlig neuen Gewand. Und was dabei raus gekommen ist, wirkt wie eine Mischung aus Raumschiff Enterprise, Allianz Arena und Schloss Nymphenburg.

Auf diesen Tag wartete Hep Monatzeder (Grüne) schon seit langem. Der Bürgermeister ist Aufsichtsratschef des Deutschen Theaters und musste für die zahllosen Verzögerungen und Kostensteigerungen schon viel Prügel einstecken. Eigentlich sollte das Theater ja schon 2010 wieder eröffnen, man ging von Umbaukosten von 65,5 Millionen Euro aus, wobei man 14 Millionen als Kostenreserve zurücklegte.

Doch das reichte bekanntlich bei weitem nicht aus. Gestern zeigte Monatzeder gemeinsam mit den Theaterchefs Carmen Bayer und Werner Steer, Immobilienverwalter Rainer Gebhard und Architekt Peter Dorant der Presse den fast ganz sanierten Bau. Und der hat’s in sich: Das frühere dunkle Foyer dürften die Gäste nicht mehr wiedererkennen: Alles strahlend weiß, nur zwei dicke, dorische Säulen erinnern an den Ursprungs-Bau von 1896. In den abgestuften, weißen Decken sind LED-Lichtbänder versteckt, die in allen möglichen Farben und Helligkeitsstufen gesteuert werden können. Sehr futuristisch, wow!

Das "neue" Deutsche Theater präsentiert sich: Bilder vom Rundgang

Das "neue" Deutsche Theater präsentiert sich: Bilder vom Rundgang

Auch der Theatersaal wirkt wie aus einem Science-Fiction-Film, die rot-weiß gehaltenen Wände waren vor dem Umbau weiß-blau – für Kurzzeit-Löwenpräsident Monatzeder nicht ein Stilbruch? „Das Deutsche Theater ist das Deutsche Theater“, knurrt er. Nein und es sei auch kein Uli-Hoeneß-Musical geplant. Vielmehr wird die erste neue Show am 19. März 2014 stattfinden, die West Side Story. „Am Josefitag, also meinem Namenstag“, lächelt Monatzeder. Eröffnet wird der Bau schon am 18. Januar. Eine Tür weiter gibt es ihn dann doch noch, den guten, alten Rokoko-Stil aus der Erbauungszeit: Im Silbersaal wurde die Deckenkonstruktion erneuert, Restauratoren machen jetzt das abgehängte Deckenbild frisch.

So funktioniert das Deutsche Theater

Im Silbersaal wird noch gewerkelt, das Foyer ist fertig, und im August dürfen die Theaterchefs Carmen Bayer und Werner Steer ihre neuen Büros in der Schwanthalerstraße beziehen. Damit sind die Zelte in Fröttmaning, in denen die Bühne während der Umbauzeit bis März logierte, endgültig abgebrochen. Im September sollen auch die Gerüste fallen. Dann kann der Innenhof mit großen Betonplatten gepflastert werden. Die Kassen befinden sich künftig an der Schwanthalerstraße, wo ein großer Münchner Gastronom auch das neue Café und Restaurant betreiben sowie die Bälle catern soll. Auch hier wird mit der Eröffnung im Herbst gerechnet. Die Tanzsäle wurden etwas verkleinert, ob hier wieder Tanzschulen Kurse anbieten werden, wird am Mittwoch entschieden. Monatzeder kam gestern schon mal mit Immobilienverwalter Rainer Gebhard und den Theaterchefs Werner Steer und Carmen Bayer zum Probesitzen.

Private Investoren sollen Baulücke schließen

Damit die Maschinen besser an die Baustelle kommen, wurde an der Schwanthalerstraße ein Haus abgerissen, das zum Immobilienbestand des Deutschen Theaters und somit der Stadt gehört. Mit dem Abschluss der Sanierung des Theaters kann die Lücke wieder geschlossen werden. „Dort ist ein Wohn- und Geschäftshaus geplant“, erklärt Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD). Bürgermeister Hep Monatzeder fügt hinzu: „Das Grundstück wird voraussichtlich in Erbpacht vergeben, es wird wohl eine Ausschreibung geben.“ Das würde bedeuten, der Meistbietende bekommt den Zuschlag für das Grundstück. Stadtrat Richard Quaas (CSU): „Damit dürften dort kaum Sozialwohnungen entstehen.“ Auch der Verwaltungstrakt wird verkauft.

Johannes Welte

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