Deutsches Theater in München brennt

München -  Ein Schwelbrand im Dachstuhl des Deutschen Theaters hat am Montag für Stunden den Verkehr im Münchner Bahnhofsviertel lahmgelegt. Ein Bauarbeiter ist dabei leicht verletzt worden.

Um 11.52 Uhr lösten mehrere Notrufe aus dem Theater den Großeinsatz der Feuerwehr und Polizei aus. Während der Sanierung des alten Gemäuers brach im (frisch mit Kupferblech belegten) Dachstuhl ein Schwelbrand aus, der sich auf einer Fläche von 60 Quadratmetern in die Dämmung fraß. Ein Bauarbeiter, der vergeblich versucht hatte, den Brand zu löschen, erlitt eine leichte Rauchvergiftung und wurde vor Ort vom Notarzt behandelt.

Die mit 80 Einsatzkräften angerückte Feuerwehr öffnete das frisch gedeckte Blechdach mit Spezialsägen und setzte Wärmebildkameras ein, um die Glutnester zu finden. Alle Bauarbeiter mussten während der Löscharbeiten das Haus verlassen. Derweil sperrte die Polizei Schwanthaler- und Landwehrstraße jeweils zwischen Sonnen- und Goethestraße. Das hatte lange Staus auf dem Ring und den Zufahrten zum Hauptbahnhof zur Folge.

Gegen 14.30 Uhr rückten die Einsatzkräfte dann wieder ab. Weil die Gefahr besteht, dass der Brand wieder aufflackert, prüfen Feuerwehrleute mit Hilfe der Wärmebildkamera aber noch alle zwei Stunden, ob sich neue Glutnester bilden.

Der Schaden wird auf 150 000 Euro geschätzt. Nach Einschätzung der Feuerwehr können die Bauarbeiten bald wieder fortgesetzt werden.

Dorita Plange

Die Baugeschichte: Pleiten, Pech & Pannen

So viele Akte hat kein Drama für die Bühne: Die Sanierungsgeschichte des 1896 eröffneten Deutschen Theaters ist in den letzten Jahren voll von Pleiten, Pech und Pannen:

November 2002: Die Hiobsbotschaft kommt ins Rathaus: Der Zustand der Bausubstanz ist viel schlimmer als befürchtet. Neben den erwarteten Brandschutz- und Statikmängeln im Gastro-Bereich sind vor allem die Decke über dem Zuschauerraum und im Silbersaal sehr instabil.

2003: Die Stadt denkt auch über eine endgültige Schließung nach, entscheidet sich aber für die Sanierung. Folge: ein Riesen-Geldproblem!

Februar 2007: Der Musical-Konzern Stage Entertainment will das Theater kaufen, bekommt es aber nicht. Die Stadt müsste 30 Millionen Euro Bauzuschuss berappen – und überlegt, die umliegenden Immobilien, die nicht zum Betrieb gehören, als Luxuswohnungen zu verkaufen. Das Theater bleibt städtisch.

1. Juni 2008: Der letzte Vorhang in der Schwanthalerstraße fällt. Der Betrieb geht im Theaterzelt in Fröttmaning weiter. Es hagelt Kritik: Der neue Spielort sei zu steril.

2009: Das Zelttheater in Fröttmaning wird nicht wie erhofft angenommen, die Auslastung beträgt nur 55 Prozent.

Dezember 2009: Die Baumaßnahmen in der Schwanthalerstraße beginnen. Geplante Wiederaufnahme des Betriebs ist noch Anfang 2012. Geplante Kosten: fast 80 Millionen Euro.

Pfingsten 2010: Im Hotel Deutsches Theater direkt neben dem alten Bau brennt ein Aufzugmotor.

Dezember 2010: Der Schock: Es gibt unliebsame Überraschungen auf der Baustelle. Arbeiter haben Bauteile, Fundamente und Keller entdeckt, die nicht verzeichnet waren. Der Stadtrat bewilligt weitere 3,5 Millionen Euro für die nun anstehenden Umbau-Maßnahmen.

Mai 2011: Der Theaterbetrieb muss nun doch bis 10. April 2013 in Fröttmaning stattfinden. Vermutete Mehrkosten: zwei Millionen Euro.

nba

Rubriklistenbild: © Westermann

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