Vier Wochen keine Vorstellungen

Deutsches Theater unter Wasser gesetzt: Wer haftet?

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Viel Arbeit für die Feuerwehr: Bis zu 60.000 Liter Wasser strömten in den Bühnen­bereich.

München - Die Sprühfluganlage auf der Bühne des Deutschen Theaters ist ungewollt losgegangen. Die Konsequenz aus der Panne: Für mindestens vier Wochen kann kein Spielbetrieb stattfinden.

Das Deutsche Theater als Schwimmbad: Bis zu 60.000 Liter Löschwasser haben am Mittwoch nicht nur die Bühne, sondern auch die ganze Technik des Deutschen Theaters unter Wasser gesetzt. Die unglaubliche Menge kann eine Sprinkler-Anlage kaum versprühen. Das Deutsche Theater korrigierte sich gestern und teilte mit, dass es sich um eine Sprühfluganlage gehandelt habe, die für den Untergang sorgte. Diese Menge reicht für einen Pool.

Nun befürchten die Betreiber, dass die elektronischen Bauteile im Eimer sind. Die Schadensursache und der tatsächliche Schaden wird ermittelt – das kann noch Tage dauern, teilte das Haus gestern mit.

Auch die Schaltkästen der Technik wurden unter Wasser gesetzt.

Vorerst wurden für vier Wochen alle Vorstellungen abgesagt. Bereits gekaufte Karten sollen bitte da zurückgegeben werden, wo sie erworben worden sind. und das nur fünf Monate nach der großen Wieder­eröffnung.

Nun platzt nach der endlosen Pannenserie im Deutschen Theater den Aufsichtsräten der Bühne der Kragen – oder, um im Bild zu bleiben: Das Fass ist übergelaufen: „Der ganze Umbau des Deutschen Theaters ist eine einzige Katastrophe“, schimpft Aufsichtsrat Hans Podiuk, gleichzeitig Fraktionsvorsitzender der CSU im Stadtrat. „Das Baureferat hat in der Ausschreibung ein Architekturbüro ausgewählt, das mit solchen großen Baustellen keine Erfahrung hat. Wir haben viele Fragen.“

Wer haftet für den neuesten Schaden?

Es laufen mehrere Schadensersatz-Prozesse. Wer für den neuesten Schaden haftet, steht derzeit in den Sternen.

Das bereits 1982 schon mal generalsanierte Haus sollte für 79,5 Millionen modernisiert werden, dabei waren schon 17,5 Prozent Risikovorsorge miteinberechnet. Die Sanierung kostete schließlich 94 Millionen. Der auf drei Jahre angesetzte Umbau zog sich fünf lange Jahre hin. Die Gründe: ein Dachstuhl-Brand, dann bröckelte eine Nachbarwand im Nebenhaus, schließlich förderte man ein unbekanntes Kellergewölbe zu Tage, es folgten statische Probleme, die der U-Bahn-Bau in den 70er- Jahren unter dem Haus geschaffen hatte.

Als die Bühne diesen Januar endlich feierlich eröffnete, war die Mängelliste immer noch lang: Von den Tischen am Tanzpodest konnte man Frauen bei Bällen unter die Röcke schauen – ein Sichtschutz musste her, die automatische Garderobe funktionierte nicht, für die Strahler im Zuschauerraum gab es keinen Beleuchter- Steg, sodass ein Minikran angeschafft werden musste. Damit dieser in den Saal fahren kann, musste die Bühne umgebaut werden. Und nun wird diese unter Wasser gesetzt, ohne erkennbaren Grund.

J. Welte

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