Tödlicher Familienstreit in Augsburg: 15-Jähriger stirbt - Verdächtiger festgenommen

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Die Bekenntnisse eines Frauenmörders

Horst David

Es waren weder die schrecklichen Geständnisse noch die Brutalität seiner Verbrechen, die das Interesse der Drehbuch-Autorin Danuta Harrich-Zandberg an dem Frauenmörder Horst David weckten.

Serienmörder Horst David - seine Opfer, seine Briefe, sein Film

Serienmörder Horst David - seine Opfer, seine Briefe, sein Film © dpa
Sein Gesicht wirkt unauffällig: Horst David , der Mann, dem die Frauen vertrauten, wurde 1995 zu lebenslanger Haft verurteilt. Aus Briefen, die er im Gefängnis schrieb, entstand unter anderem das Dokudrama "Der Mann, dem die Frauen vertrauten". © dpa
Barbara Ernst (59, l.), getötet am 10. April 1981 und Maria Bergmann (67), ermordet am 27. Oktober 1992. © dpa
Kunigunde Thoss (84) starb am 10. Januar 1992. © dpa
Die Fotos zeigen vier Opfer (im Uhrzeigersinn): die Prostituierte Waltraud Frank (24), ermordet am 22. August 1975, Fatima Grossart (23), getötet am 24. August 1975, Mathilde Steindl (85), ermordet am 7. September 1993, Marta Lorenz (67), getötet am 26. Oktober 1983. © dpa
Ulrich Tukur als Horst David beim Morden: Szenenausschnitt aus der NDR-Produktion über den Würger von Regensburg . © NDR/diwa-film GmbH München
Schlüpft für das Dokudrama in die Rolle Frauen-Killers: David Tukur © dpa

Es war das erste Bild des Mörders, der in den Zeitungen erschien: „Was ich sah, war ein Mann, dessen Gesicht ebenso unauffällig auf mich wirkte wie sein mausgrauer Mantel.“ Horst David wirkte auf sie überhaupt nicht furchterregend.

Drehbuch-Autorin Danuta Harrich-Zandberg

„Genau das gab mir den Antrieb, mehr über ihn erfahren zu wollen.“ Warum begeht ein Mensch so scheußliche Verbrechen? Sie schrieb dem im Dezember 1995 zu lebenslanger Haft verurteilten Frauenmörder in die JVA Straubing mit der Bitte, sich zu den Verbrechen für eine Filmdokumentation zu äußern. Horst David schrieb über 100 Briefe sowie eine Biografie mit über 174 Seiten. Die tz veröffentlicht Auszüge:

Als ich ihre leblosen gebrochenen Augen sah, ließ ich von ihr ab...“ Das Töten fiel Horst David leicht, das Schreiben darüber offenbar auch. „Es gibt Menschen, die zum Heilen und Helfen geboren sind. Andere zum Vernichten ...“

Für den Serienmörder war der Kontakt zu Danuta Harrich-Zandberg die Chance, aus der Anonymität des Knast-Alltags he­raus zu kommen: „Ich bin froh, dass ich mir das vom Herzen schreiben darf.“

„Vor Gericht hatte ich nicht den Hauch einer Chance, verstanden zu werden“, wurmt es David heute noch. Nun habe er die Hoffnung, „doch noch verstanden zu werden“.

Mitteilsam: Um dem Einerlei des Knast-Alltags zu entfliehen, schrieb Frauenmörder Horst David seine Autobiografie

„Von Ehefrau verletzt“

Seinem Hass freien Lauf lässt David gegen seine frühere Ehefrau, die ihm zwei Kinder geschenkt hatte. David, der in Regensburg als Maler arbeitete und seine Familie gerade so ernähren konnte, fuhr oft fort, um sich sexuell mit käuflichen Damen zu vergnügen, ohne Rücksicht auf seine Frau: „Dazu hat sie mich viel zu viel und zu oft gedemütigt, beleidigt und verletzt. Und mit diesem, ihrem gemeinen und niederträchtigen Handeln somit ja auch zur Flucht von zu Hause getrieben! Ja, das war einzig und alleine ihre Schuld!“

Der erste Mord

„Ihre Schuld.“ Diese Formulierung gebraucht Horst David häufig. Wie ein roter Faden zieht sich das von Mord zu Mord.

Zum Beispiel an der Münchner Prostituierten Waltraud Frank. Sie starb am 22. August 1975 in ihrer Schwabinger Wohnung. Er hatte Sex mit ihr, anschließend habe sie mehr Geld als vereinbart gefordert. Er wollte nicht zahlen. Sie habe zu schreien begonnen. Plötzlich, so David, habe sie ihn „an meine Domina daheim“ erinnert.

Dabei müsse er wohl explodiert sein. Er habe ihren Hals in seinen Händen gehabt, schreibt er, ohne auf das „Wie“ einzugehen. „Ich würgte sie, und dabei hatte ich meine Frau vor mir.“ Die böse Ehefrau also. Anstatt dieser musste nun das Sex-Mädchen sterben. Den grausigen Tod Franks besiegelte er, indem er sie mit einem Kleidungsstück erdrosselte: „Ich glaube mich zu erinnern, dass ich sogar noch einen Knoten hinein machte.“

David ging zurück in sein Hotel, duschte gründlich, (er ist ein reinlicher Mensch, wie er betont) dann ging er tanzen.

Der Tod der schönen Fatima

Am übernächsten Tag bekam er wieder Lust auf Sex. Er besuchte die 23-jährige Fatima Grossart, die als Münchens schönstes Sex-Mädchen galt. Es wiederholt sich alles: David bezahlt, doch habe sie am Ende mehr Geld verlangt. Wieder brachte er sein Opfer zu Fall, erwürgte es. Wieder nahm er am schrecklichen Ende Geld mit, das ihm nicht gehörte. Schuld, so David, sei ihr Geschrei gewesen: „Ich wollte, dass sie schweigt.“

Der Schnorrer

19 Jahre blieben diese Verbrechen ungeklärt. In Regensburg starben in den folgenden Jahren fünf Frauen, die absolut nichts mit den Prostituierten von München gemeinsam hatten, unter mysteriösen Umständen: Barbara Ernst, Martha Lorenz, Kunigunde Thoss, Maria Bergmann und Mathilde Steindl, die am 7. September 1993 im Alter von 85 Jahren das letzte Opfer des Serienmörders war. Alle hatten mit Horst David zu tun, er hatte für sie Malerarbeiten erledigt, alle hatte er mehrfach um Geld angebettelt. Das liebe Geld: David hatte immer zu wenig, vor allem für seine teuren Sex-Touren.

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„Die keifende Furie“

Sein letztes Opfer Mathilde Steindl hatte seine ständige Schnorrerei offenbar satt. Es gab Streit ums Geld, sie habe ihn als „Drecksau“ bezeichnet. David: „Da sah ich wieder mal Rot! Und der Hass, der in dieser Sekunde in mir wieder empor kam, auf diese Ungerechtigkeit dieser alten und keifenden Furie, der ließ mich augenblicklich explodieren!“

Und dann tut er in seinem Brief das, was die meisten Mörder tun: Er blendet das eigentliche Tatgeschehen einfach aus. David fährt fort: „Als ich wieder zu mir kam, da lag sie mit dem Rücken auf dem kleinen Bett in der mittleren Kammer und rührte sich nicht mehr!“ Und wie schon oft, versuchte er, die Ermittler auf eine falsche Fährte zu locken: „Ich zog ihre Strumpfhose bis über die Knie herunter, damit es so aussah, als wäre Frau Steindl von einem Sexualtäter getötet worden.“

„Versager“

Diesmal geriet David in Verdacht. Er wurde von der Kripo Regensburg vernommen. Für diese Beamten hat David nur Hohn übrig: „Versager!“ Den Ermittlern widmet er ein eigenes Kapitel: „Die schlimmen Fehler von Polizei, Staatsanwalt und Richter“.

Der nette Kommissar

In seinem Rundumschlag macht er bei einem Ermittler eine Ausnahme: Josef Wilfling, der Chef der Münchner Mordkommission. Wilfling hatte den Serien-Verbrecher in eine Falle gelockt, ihn beim Lügen ertappt. Bei Wilfling packte der Mörder aus. David lobt ihn für die Vernehmungen: „Herr Wilfling ist immer fair zu mir gewesen. Ihn selbst, als Mensch, schätze ich.“

Den Staatsanwalt, der die Anklage fertigte, hasst David: „In meinen Augen der schlimmste Versager.“

Eberhard Unfried

Der Doku-Film über Horst David, „Der Mann, dem die Frauen vertrauten“, läuft am Freitag, 1. August, um 21.45 Uhr in der ARD. In den Hauptrollen: Ulrich Tukur als David und Josef Wilfling als er selbst.

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