Bis zu 75.000 Euro Jahreseinkommen!

Das sind die geheimen Tricks der Münchner Bettler

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Ein Bettler in der Dachauer Straße in München.

München - Das sind die geheimen Tricks der Bettler in München: In einem Buch verrät Franz J. die geheimen Tricks und Strategien der Bettel-Szene im Jahr 2014.

"Reich, ohne zu arbeiten. 100 Strategien von Kriminellen, um ans schnelle Geld zu kommen" (riva Verlag, 208 Seiten, 9,99 Euro)

Mit raffinierten Tricks kommen Bettler an das schnelle Geld: Bettel-Profi Franz J. aus München berichtet, dass manche sogar einen steuerfreien Jahresverdienst von 75.000 Euro haben - und das, ohne einer geregelten Arbeit nachzugehen. In dem von einem anonymen Autor verfassten Buch "Reich, ohne zu arbeiten. 100 Strategien von Kriminellen, um ans schnelle Geld zu kommen" (riva Verlag, 208 Seiten, 9,99 Euro) verrät der Bettler aus München seine geheimen Tricks. Und die stehen den Strategien der erfolgreichen Sales-Profis offenbar in nichts nach. Wenn Bettler Franz aus München über "dauerhafte Geschäftsverbindungen" und ein "vernünftiges Geschäftsklima" beim Schnorren spricht, fühlt man sich auch unweigerlich an versierte Banker im Anzug erinnert. Nur verkaufen die ihren Kunden im Gegensatz zu den Bettlern tatsächlich etwas: nämlich Finanzprodukte. Wohingegen die Bettler null Gegenleistung erbringen müssen.

Wohlgemerkt: Natürlich sind keineswegs alle Bettler fiese Trickser. Viele sind wirklich mittellos, leben teils auf der Straße, sind auf das Geld der Passanten angewiesen. Es ist wirklich nicht einfach, die schwarzen Schafe zu erkennen. Doch leider gibt es diese. Schauen Sie also genau hin - und spenden Sie gerne Geld, versuchen Sie aber, es den Richtigen zu geben.

Zweifellos ist Betteln in München im Jahr 2014 eine äußerst einträgliche Beschäftigung. Hier lesen Sie die geheimen Tricks der Szene. Vielleicht hilft Ihnen die Lektüre, besser zwischen den Mittellosen und den Abzockern zu unterscheiden.

Die sympathische Anrede

Franz J. weiß, wie Bettler in München am erfolgreichsten die Passanten ansprechen - und wie sie es besser nicht tun:

"Das schnöde 'Hey, haben Sie vielleicht einen Euro für mich' nervt und bringt am Ende des Tages wenig Erfolg. Der versierte Bettler baut auf eine positive, situativ angepasste Grundstimmung. Die richtige Anrede ist quasi die Visitenkarte jedes Bettlers. Die Ansprache sollte positiv, fröhlich, zuvorkommend und von Niveau sein. 'Guten Morgen, mein Herr', 'Die Dame in dem wunderschönen Kleid hat bestimmt eine Sekunde Zeit'...

Ebenso wichtig wie die Anrede ist auch die Abschiedsformel – streng nach der Floskel, dass man sich immer mehrmals im Leben wieder trifft. Der Bettler sollte versuchen, dauerhafte Geschäftsverbindungen mit seinen Spendern aufzubauen. Und dazu gehört ein deutlich vernehmbares Dankeschön sowie die besten Wünsche für den Rest des Tages."

Die beste Position

Wie geht man am besten auf einen Passanten zu, um Geld zu schnorren? Auch dafür kennt Bettler Franz aus München eine Strategie:

"Ein Bettler sollte seine Geschäftspartner von der richtigen Seite ansprechen. Dabei gilt ein zentraler Grundsatz: Nie fremde Menschen anfassen oder berühren! Passanten, die von hinten unverhofft laut angesprochen oder gar angetippt werden, erschrecken und sind dann kaum noch in Geberlaune, da sie im Zweifel eher verärgert als großzügig sind.

Ein Bettler sollte seinem Gegenüber aber auch keinesfalls den Weg blockieren. Diese Unart wirkt bedrohlich und schafft beim besten Willen kein vernünftiges Geschäftsklima. Ein echter Profi schleicht sich weder von hinten an, noch baut er sich frontal auf – er gleitet gewissermaßen mit einer lockeren Leichtigkeit von schräg vorne auf seinen 'Partner' zu und spricht ihn – mit einem Lächeln im Gesicht – nach oben genannter Methode an."

Die perfekte Situation

Welche Passanten sind die besten Opfer für Bettler. Auch auf diese Frage hat der Schnorrer-Spezialist aus München eine eindeutige Antwort:

"Bemitleidenswerte Bettel-Amateure bewegen sich wie Elefanten im Porzellanladen. Sie stören knutschende Liebespaare, telefonierende Geschäftsleute und gestresste Mütter, die ihre schreienden Kinder hinter sich herziehen, und wundern sich, dass sie eine Abfuhr nach der anderen kassieren. Nein, es ist geradezu geschäftsschädigend, wenn man einen Menschen, der gerade noch versucht, seinen Bus zu erwischen, um Geld anbettelt.

Angesprochen werden sollte der offen in die Welt schauende Passant, der nicht abgelenkt ist, der nicht in ein Gespräch vertieft ist – einfach derjenige, der durch den Bettler nicht gestört wird und der sowohl Zeit wie auch die Muse besitzt, sich mit der angespannten Situation seines Gegenübers zu befassen."

Die richtige Relation

Auch mit dem Ticket-Trick kommt man an schnelles Geld. Bettler Franz aus München erklärt die raffinierte Masche:

"Eine probate Bettel-Strategie mit sehr gutem Erfolgspotenzial ist die Schaffung gut gesetzter Kontraste. Das profane Einfordern von einem Euro kann abschreckend und unverschämt wirken. Wer jedoch herausstellt, dass er für ein  Bahnticket, das 80 Euro kostet, 20 oder 30 Cent brauchen könnte, setzt den erbettelten Betrag in ein ganz anderes Licht. Was sind schon 30 Cent im Vergleich zu den 80 Euro für die Bahnfahrt? Nichts! Und schon fließt das Geld.

Überdies hat es sich bewährt, von der Ein-Euro-Strategie abzukommen und sich somit von der großen Masse der bettelnden Bevölkerung abzuheben. Die Frage nach 20 Cent ist mittlerweile derart ungewöhnlich, dass sie Aufmerksamkeit erregt und den edlen Spender häufig dazu bewegt, deutlich mehr Geld herauszurücken. Weil er es freiwillig tut! Weil er ein Gutmensch ist und sich schämen würde, nur schäbige 20 Cent herauszurücken. Allerdings ist genau dieser Gutmensch an diesem Tag an fünf Bettlern vorbeigegangen, die ihn um einen Euro angehauen haben."

Die raffinierte Fangfrage

Wenn bei den Passanten sonst nichts geht, haben Bettler auch eine Notlösung. Franz J. aus München berichtet:

"Diese Strategie würde ich nur im Notfall anwenden. Denn sie impliziert doch eine gewisse Form der Belästigung. Die Frage 'Sind Sie ein guter Mensch?' wird kaum ein Mensch freiwillig verneinen. Die Antwort wird also zu 99 Prozent 'Ja' lauten und schon ist der Boden bestellt für die Anschlussformel: ›Dann könnten Sie mir doch mit einem kleinen Beitrag aus der Patsche helfen …' Erstaunlicherweise hat sich in verschiedenen Studien auch herausgestellt, dass Menschen, die nach der Uhrzeit gefragt werden – ein Kontakt also über diese Frage hergestellt worden ist – signifikant häufiger und auch mehr spenden. Aber das soll jeder, der in diese Situation gerät – oder wie ich diesen Weg freiwillig gewählt hat, selbst herausfinden..."

Betteln an der Tankstelle

Tankstellen und Autobahn-Raststätten können für Bettler wahre Goldgruben sein. Franz J. aus München erklärt warum:

"Auf den richtigen Ort kommt es an. Eine überaus einträgliche Bettel- Methode ist der Tanktrick an Autobahnrasthöfen. Gut gekleidet, ein gepflegtes Fahrzeug – ein verzweifelter Blick: Man ist auf der Durchreise, der Tank ist fast leer und der Geldbeutel weg! Entweder geklaut beim letzten Toilettenstopp. Am letzten Rastplatz aufs Autodach gelegt und weggefahren, zu Hause vergessen … was auch immer.

Bettler, die Geschichten wie diese einigermaßen überzeugend vortragen, machen auf Autobahnrasthöfen zwischen 150 und 250 Euro pro Tag – und zwar brutto gleich netto. Die überzeugendste Variante ist die mit der Ehefrau. Wer als Bettler auf Rasthöfen in Begleitung ist, meistert die Rolle des hilflosen Reisenden auch ohne jedes schauspielerische Talent. Wer diesen Trick an 300 Tagen im Jahr durchzieht, kommt auf rund 75.000 Euro steuerfrei jährlich. Ein Spitzen-'Gehalt'!"

Betteln bei den Reichen

Der letzte Trick, den Bettler Franz J. herausrückt, bezieht sich auf die amerikanische Promi-Stadt Beverly Hills. Man braucht allerdings nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass sich solche Geschichten auch auf der noblen Maximilianstraße in München abspielen könnten...

"Obdachlos und betteln mit einem gehörigen Schuss Promi-Faktor – das gibt es nur im amerikanischen Beverly Hills. Da, wo die Superreichen, Hollywood-Schauspieler, Popstars und Mode-Zaren ihre Traumvillen haben, fällt auch so einiges für Bettler mit etwas Stil und einer guten Kinderstube ab. Geschätzt zwischen 30 und 50 Obdachlose leben in einer der feinsten Gegenden von Los Angeles, genießen das warme kalifornische Klima, den Pazifik – und die großzügigen Spenden der Reichen und Berühmten.

Nicht wenige Bettler wissen zu berichten, dass sie an guten Stellen in Beverly Hills regelmäßig größere Geldscheine zugesteckt bekommen. 50 Dollar oder gar 100-Dollar-Noten sind keine Seltenheit. Dazu hat der eine oder andere Obdachlose schon feine Mahlzeiten zu sich genommen, andere bekommen auch mal einen feinen Anzug von Armani oder ein fast neues Polohemd von Lacoste zugesteckt.

Das Geheimnis: Sie dürfen nicht zu abgewrackt aussehen, sonst fühlen sich die zartbesaiteten Hollywood-Stars schnell bedroht. In dem geschenkten Armani-Anzug sollte man jedoch auch nicht betteln gehen, weil so die Glaubwürdigkeit abhanden geht. Das gesunde Mittelmaß macht’s und die gehörige Portion Respekt, mit der man die Schönen und Reichen zu behandeln weiß.

Die richtigen Glückspilze haben in Beverly Hills schon sündhaft teuren Schmuck gefunden – Uhren, Ringe und Armbänder, die im Pfandhaus oder auf dem Schwarzmarkt ein kleines Vermögen erbracht haben. Oder einen opulenten Finderlohn.

Einer von ihnen, dessen Name nicht genannt werden soll, steht kurz vor dem Kauf von Wohneigentum. Nach nur zwölf Jahren Dienst mit der offenen Hand in der Luxuswohngegend. 'Ich kann mir natürlich kein Eigenheim in Beverly Hills leisten, das ist ja klar, aber bei mir zu Hause in Montana werde ich mir ein schönes Häuschen mit Garten zulegen können. Und das ohne faule Bankkredite – und ohne einen Tag Arbeit. Das müssen mir andere erst einmal nachmachen', sagt der 43-jährige Mann. Und er verspürt auch keinen Wehmut, Beverly Hills nach so vielen Jahren wieder zu verlassen. 'Ich gehe freiwillig. Das kann man von den vielen Sternchen, die ich hier im Laufe der Zeit gesehen habe, nicht behaupten.'

Buch enthüllt noch mehr Tricks

Mehr Insider-Tricks, wie manche in Deutschland an das schnelle Geld kommen, lesen Sie in dem von einem anonymen Autor verfassten Buch "Reich, ohne zu arbeiten. 100 Strategien von Kriminellen, um ans schnelle Geld zu kommen" (riva Verlag, 208 Seiten, 9,99 Euro)

fro

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