Was viele Kritiker und selbst ernannte Experten der deutschen 68er-Revolte gerne vergessen

Die Globalisierung der Revolution

Die Rebellion war eine internationale Bewegung, die von den USA ausging, Japan und halb Europa (einschließlich der staatssozialistischen Diktaturen im Osten) erfasste.

1968 – das war die Globalisierung des Protestes. Hier ein kleiner Überblick.

USA

Ausgehend von der kalifornischen Universität in Berkeley, wo der deutsch-amerikanische Soziologe Herbert Marcuse („Kritik der repressiven Toleranz“) lehrte, breitete sich der Studentenprotest unter dem Eindruck des Vietnam-Krieges landesweit aus. Die studentische Avantgarde war der SDS („Students for a Democratic Society“) mit seinem Sprecher Mario Savio, dem Rudi Dutschke der USA. Zahlreiche Künstler und Musiker wie Joan Baez, Bob Dylan oder Pete Seeger schlossen sich der Protestbewegung an.

Die Antikriegs-Bewegung koalierte mit der zweiten großen Protestbewegung dieser Zeit in den USA – dem Aufstand der Schwarzen gegen die rassistische Gesellschaftsordnung. Der spätere Friedensnobelpreisträger Martin Luther King wurde zur Symbol-Figur des Protestes mit seinem berühmten Satz aus dem Jahr 1963: „I have a dream!“ Der Traum von der Gleichberechtigung von Weiß und Schwarz.

Am 4. April wurde der Bürgerrechtler in Memphis/Tennessee von einem weißen Rassisten erschossen. In Amerika brannten daraufhin die Städte. Unter Führung der radikalen „Black Power“-Bewegung standen die Schwarzen auf – und die USA standen am Rande eines offenen Bürgerkriegs.

Prag

Die Reform-Bewegung des „Prager Frühlings“, ausgehend von Studenten der Prager Universität, revolutionierte das einst stalinistische Land. Die Kommunistische Partei unter Führung von Alexander Dubcek zog nach und führte Reformen wie Meinungs- und Demonstrationsfreiheit ein.

Der „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ war das erstaunlichste Experiment in einem Lande des sowjetisch dominierten Warschauer Paktes. Doch die altkommunistische Nomenklatura schlug zurück. Am 20./21. August 1968 intervenierten die „sozialistischen Bruderländer“ in der CSSR. Panzer der Roten Armee rollten durch Prag und walzten die Demokratie nieder – darunter auch Truppen der DDR.

Paris

In Frankreich kam es zu den schwersten Studenten-Unruhen in ganz West-Europa. Der deutsch-französische Soziologie-Student Daniel Cohn-Bendit (später ein prominenter Grüner im Europa-Parlament) wird zum Anführer einer Massenbewegung, die – im Unterschied zur Bundesrepublik Deutschland – auch die Arbeiterschaft erfasst.

Anfang Mai 1968 kommt es zum landesweiten Generalstreik gegen Staatspräsident Charles de Gaulle und die konservative Regierung von Georges Pompidou. In Paris werden Barrikaden errichtet. Die Zeichen stehen auf Sturm.

Dem gewieften Taktiker de Gaulle gelingt es jedoch, sich mit der starken Kommunistischen Partei Frankreichs auf Neuwahlen zu verständigen und die Arbeiter wieder in die Fabriken zu bringen. Die Konservativen gewinnen die Wahl – und der „Pariser Mai“ bleibt eine revolutionäre Episode.

Tokio

Der US-Krieg in Vietnam wurde in Japan zum Auslöser einer riesigen Protest-Bewegung, bei der ein (seit dem Zweiten Weltkrieg) latenter Anti-Amerikanismus mitschwang. Es gründeten sich die militanten „Zengakuren“ (eine Art japanischer SDS), die sich Straßenschlachten mit der Polizei lieferten.

Es gelang den Zengakuren, bis zu eine Million Menschen auf die Straße zum Protest gegen den Vietnam-Krieg zu bringen. Später ging aus dieser Organisation die „Rote Armee Fraktion“ (Sekigunha) hervor, die mit spektakulären Flugzeugentführungen auf sich aufmerksam machte. Doch ihr Terrorismus scheiterte.

Mexiko

Im Land der Olympischen Sommerspiele 1968 hatte es bereits im Frühjahr schwere Studentenunruhen gegeben, die von der Polizei zum Teil mit bewaffneter Gewalt brutal unterdrückt wurden. Mehrere Hundert Demonstranten kamen dabei zu Tode.

Während der Olympischen Spiele nutzten zwei farbige US-Sprinter die Sieges-Zeremonie zu einer Demonstration für „Black Power“ und gegen den Rassismus: Der Goldmedaillen-Gewinner im 200-Meter-Lauf, Tommie Smith, und der Bronze-Medaillen-Gewinner, John Carlos, drehten beim Abspielen der US-Hymne der amerikanischen Fahne demonstrativ den Rücken und hoben die schwarz behandschuhte Faust in den Abendhimmel von Mexiko-City. Beiden Sportlern wurden daraufhin „wegen unerlaubter politischer Betätigung“ die Medaillen wieder abgenommen. Sie mussten sofort das Olympische Dorf verlassen.

Quelle: tz

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