Überfall wegen Silvester-Party

"Die hatten richtig Angst - und ich auch"

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Die Täter erbeuteten 35.000 Euro - jetzt sitzen sie auf der Anklagebank des Landgerichts

München - Drei junge Männer wollen Silvester feiern - doch was ihnen fehlt, ist das nötige Kleingeld. Da kommt ihnen eine Idee: ein Überfall auf eine Tengelmann-Filiale. Jetzt stehen sie vor Gericht.

Betrunken und schlecht vorbereitet begehen sie den Raubschon wenige Stunden später - und müssen sich nun vor dem Landgericht München I verantworten.

Die drei Angeklagten Özgür S. (20), Ahmad N. (23) und Kenan E. (22) kennen sich aus derselben Wohnanlage in Freimann. Silvester 2012/13 wollten sie gemeinsam feiern, „aber wir hatten Geldprobleme“, schildert S. vor Gericht. „Da kam uns die Idee, die Kasse aus dem Büro vom Tengelmann zu stehlen.“ Mittags im Park bei einer Flasche Wodka nahm der Plan schnell Gestalt an. Ahmad N. hatte schon mal bei der Supermarkt-Kette gearbeitet und wusste, dass das Geld im Büro zu holen ist. Ziel war die Filiale an der Karl-Köglsperger-Straße, zu Fuß zehn Minuten entfernt von der Wohnanlage. Die Männer gingen nach Hause, holten sich Wollmützen zur Tarnung, N. und E. bewaffneten sich mit Obst-Messern. Doch dann mussten die Burschen umdisponieren - denn das Büro des Supermarkts war immer besetzt. Also postierte sich das Trio kurz nach Ladenschluss an der Hintertür, wartete aufs Personal. „Es war geplant: Wenn die rauskommen, gehen wir rein“, sagt Özgur S. Er will erst kurz vor der Tat gesehen haben, dass seine Kumpels Messer dabei hatten. „Dann ging schon die Tür auf, es ging alles so schnell.“

Die Täter drängten die Mitarbeiter zurück in den Laden, mit vorgehaltenem Messer mussten sie ins Büro der Marktleitung gehen. „Es war chaotisch, ich bin erst in dem Moment aufgewacht und habe gemerkt, was wir da machen“, schildert Özgur S. Die Opfer hätten geweint: „Die hatten richtig Angst, und ich auch.“ Doch obwohl sie betrunken waren, gelang es den Tätern, mit den Einschüben der Kassen und dem Geld aus dem Tresor zu flüchten, den die Mitarbeiter öffnen mussten. Beute: rund 35.000 Euro. „Wir hatten mit höchstens 5000 Euro gerechnet“, sagt Ahmad N. Kenan E. soll so voll gewesen sein, dass er sich mit der Beute kaum auf den Beinen halten konnte.

Zuhause, so schildern es S. und N., sei man über das eigene Verhalten erschrocken gewesen: „Wir haben darüber geredet, dass das scheiße und viel zu übertrieben war“, sagt S. Trotzdem nahm sich jeder erstmal 500 Euro - das nun üppige Budget für den Silvesterabend. In der Bar „Golden Space“ nahe der Kaufingerstraße verprassen sie in dieser Nacht alles. Das böse Erwachen folgte an Neujahr: Die Polizei schnappte N. und E., am nächsten Tag auch S. Seitdem sitzen alle drei wegen schweren Raubes in Untersuchungshaft. Und für Kenan E. sollte es noch dicker kommen: Die Anklage wirft ihm zusätzlich zwei Überfälle auf Taxifahrer vor. Auch sie soll er mit einem Messer bedroht haben. Beute: 120 Euro. Der Prozess dauert an.

Ann-Kathrin Gerke

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