Auf Kosten seines Opfers bucht er Reisen für 30.000 Euro

Die Job-Falle des fiesen Betrügers

Der reiselustige Gauner Hans B. muss jetzt für mehr als drei Jahre in den Knast.

Ihre Scheidung hatte sie gerade hinter sich, Andrea R. (42) suchte wieder Kontakt zu einem Mann.

Doch der Typ, der sich auf das Inserat der Münchnerin meldete, erwies sich als gemeiner und hinterhältiger Betrüger. Hans B. (48), der sich ihr gegenüber als Unternehmer ausgab, hatte es nur auf ihr Geld abgesehen. Auf ihre Kosten buchte er Reisen für annähernd 30.000 Euro!

Hans B. sei von Anfang an nicht ihr Typ gewesen, sagte Andrea R. als Zeugin vor Gericht: „Ich habe ihm gleich gesagt, zwischen uns läuft nichts.“ Trotzdem blieben beide in Kontakt, denn er hatte blitzschnell umgeschaltet: Er sei erfolgreich im Import-Geschäft tätig und könne ihr einen lukrativen Job für 3000 Euro netto im Monat beschaffen, erzählte er ihr. Andrea R.: „Ich sollte für ihn Textilien im Ausland einkaufen.“

Als „künftiger Arbeitgeber“ notierte sich Hans B. ihre persönlichen Daten, vor allem ihre Kontoverbindung. Er überredete die 42-Jährige, mit ihm eine Reise nach Kreta anzutreten – rein geschäftlich. Das habe sie zunächst nicht gewollt, denn sie sei in dieser Zeit krankgeschrieben gewesen, berichtete die Geprellte. Sie habe sich jedoch breitschlagen lassen.

Am Ende der dreitätigen Reise machte sie auf ihrem Kontoauszug eine erschreckende Entdeckung: Die Reisekosten waren bei ihr abgebucht worden! Und das war nicht alles: Innerhalb der nächsten beiden Wochen folgte Abbuchung um Abbuchung – für Luxusreisen in alle Welt. Eine hatte Hans B. sogar als „Hochzeitsreise“ deklariert.

Hilfesuchend wandte sich Andrea R. an die Polizei. Dort war ein „Hans Pocher“, wie er sich genannt hatte, nicht bekannt. Auch die von ihm angegebene Firma in Augsburg existierte nicht. Zum Glück hatte die 42-Jährige aber irgendwann mit dem Handy ein Foto von ihm gemacht. Und das half der Polizei weiter: Denn Hans B. ist ein amtsbekannter Ganove, der es auf sage und schreibe 23 Vorstrafen bringt. Betrug, Unterschlagung, Urkundenfälschung und vieles mehr gehen auf sein Konto. 2007 hatte er erst das Gefängnis verlassen.

Hans B. hatte der Bank von Andrea R. vorgemacht, er besitze eine Vollmacht für ihr Konto. Als er merkte, dass die Sache für ihn brenzlig wurde, rief er bei ihr an. „Ich habe versucht, mich im Guten mit ihr zu einigen“, sagte er vor Gericht und jammerte: „Sie hat mir aber keine Chance gegeben.“

Klar, sie hatte bereits Anzeige erstattet und das ließ sie ihn auch wissen. Noch bevor er verhaftet werden konnte, rächte sich Hans B. auf infame Weise: Er schwärzte Andrea R. bei ihrem Arbeitgeber an, sie sei während ihrer Krankheit auf Kreta gewesen. Bitter für das Opfer: „Ich hätte beinahe meinen Arbeitsplatz verloren.“

„Ich reise eben gern“, verteidigte sich der Angeklagte vor Gericht. Und das bei rund 100.000 Euro Schulden? Der Betrüger eiskalt: „Ich habe eben gelebt.“ Jetzt hat er viel Zeit, in aller Ruhe über seine Taten nachzudenken: Das Schöffengericht verurteilte ihn zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis! Richter Thomas Müller: „Sie haben das Vertrauen der Frau auf schäbige Art und Weise missbraucht.“ Hans B. nahm das Urteil an: „Dann hab ich’s hinter mir.“

Eberhard Unfried

Quelle: tz

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