Was eine Alleinerziehende bei der Partnersuche so alles hört

Die Männer wollen meine Kinder nicht!

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Mama Marina (37) mit ihren Töchtern Clara (4, li.) und Johanna (2) sucht seit zwei Jahren vergeblich nach einem neuen Familienoberhaupt.

München - Neun Partner-Zuschriften in nur drei Wochen. So viele hat sie noch nie bekommen.

Marina (alle Namen geändert) schnauft durch die Nase. „Wusst’ ich’s doch! Alles Deppen!“ Sie klickt auf die Computermaus und schließt ihr E-Mail-Postfach. Die Mails will sie gar nicht lesen.

Die 37-Jährige kann sich nicht freuen. Sie hatte ein Foto, auf dem sie alleine ohne ihre Kinder zu sehen ist, in eine Internet-Kontaktbörse gestellt. Um Gewissheit zu kriegen, dass es kein Zufall ist. Dass die Männer sie wirklich nur deshalb nicht wollen, weil sie zwei Töchter hat: Johanna (2) und Clara (4). Zuvor hatte sie ein Foto von ihrer Familie im selben Internet-Portal. Da bekam sie in einem halben Jahr nur eine Zuschrift.

Geahnt hatte es Marina schon länger. Denn wie viele der 25 523 Alleinerziehenden in München sucht sie schon lange vergeblich nach einem Ersatzpapa für ihre Kinder. Zu oft hat sie sich Ausflüchte von Männern anhören müssen, als diese von ihren Töchtern erfuhren. „Ich glaube, ich habe sie alle schon gehört.“ Vor zwei Jahren, da war Marina noch ganz schön naiv. Das sagt sie selbst. Ihr Mann ist damals ein paar Monate fort, wegen einer Anderen. Eines Abends sagt Clara, als Marina ihr einen Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn drückt: „Mama, ich will einen Papa, der hier wohnt und mit mir spielt.“ Warum eigentlich nicht? Trübsal blasen bringt nichts. Mit einer Freundin setzt sie eine Zeitungsannonce auf: „Alleinerziehende Mutter sucht Partner fürs Leben.“

Marina bekommt 14 Antworten. Eine hört sich richtig nett an. Sie schreibt zurück. Es stellt sich raus: Der Mann sitzt im Knast. Also schreibt sie zwei andere an, macht einen Termin aus zum Telefonieren. Spät abends, wenn die Kinder im Bett sind. Dann hat sie mehr Ruhe.

Denkste: Marina hat es sich gerade mit dem Telefon auf dem Sofa bequem gemacht, vor ihr dampft eine Teetasse. Sie erzählt von ihrer Ausbildung zur Krankenschwester und ihrem Heimatland Tschechien. Ein Schrei aus dem Kinderzimmer: „Mama. Maaaama!“ Sie entschuldigt sich, legt den Hörer weg, geht zu Johanna und gibt ihr den Schnuller.

Wieder am Telefon, ist der Mann am anderen Ende der Leitung kurz angebunden. Vier Minuten, dann ist Schluss. Er rufe am nächsten Tag wieder an. Hat er nicht. Und auch die nächsten Tage nicht mehr.

Beim nächsten Mann geht Marina in die Offensive: „Nur, damit du’s weißt, meine Kinder sind noch sehr klein und manchmal richtig anstrengend.“ Damit habe er kein Problem. „Er meinte, ich könnte ja die Kinder am Wochenende zum leiblichen Vater bringen.“ Jetzt ist es Marina, die das Gespräch schnell beendet. Im Internet schreibt sie Männer an, bei denen „Kinderwunsch“ im Profil steht. Das muss doch klappen! Die meisten sind nicht interessiert. Einer sagt, warum: „Ich liebe Kinder. Ich will Kinder, mindestens vier – aber eigene.“

Marinas Hoffnungen sind begraben, unter einem großen Stapel an Briefen und Mails, die vieles versprechen und nichts halten. Früher ist sie gerne schwimmen gegangen oder mit Freundinnen ins Kino. „Aber jetzt mit den Kindern habe ich keine Zeit, auszugehen und Männer kennenzulernen. Meine Eltern leben nicht hier. Mein Tag beginnt um sieben Uhr in der Früh und endet spät in der Nacht, wenn ich die Hausarbeit gemacht habe.“ Wenn sie sich doch einmal mit einem Mann treffen will, muss sie ihre Freundin fragen, ob diese die Kinder nehmen kann. Das kann dauern. Der Mann springt ab. „Der trifft sich mit einer, bei der es weniger kompliziert abläuft. Ist ja logisch …“

Marina zieht Clara und Johanna ganz dicht an ihre Brust. „Die beiden geben mir Kraft. Wir wachsen jeden Tag mehr zusammen.“ Für den Test im Internet hat sie ihre Kinder verleugnet. Jetzt stellt sie wieder das alte Foto rein, das mit Johanna und Clara. „Ich gebe meinen Kindern meine ganze Liebe – und eines Tages wird ein Mann erkennen, dass ich es auch verdiene, geliebt zu werden.“

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Der kleine Unterschied

Quelle: tz

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