Hilfe für Frauen im Alter

Die „Golden Girls“ von Neuhausen - Verein gründet seit 30 Jahren Senioren-WGs in München

Vier Frauen sitzen am Tisch bei Kaffee und Kuchen
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Kaffeekränzchen: Veronika Legrand (li.) und Elke Pollak (re.) mit der Vorsitzenden Christa Lippmann (2. v. li.) und Vorstandsmitglied Angela Lang.

Vor 30 Jahren wurde der gemeinnützige Verein „Nachbarschaftlich leben für Frauen im Alter“ gegründet. Es war der bundesweit erste Zusammenschluss von Damen, die gemeinsam alt werden wollen. Heute ist der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für ältere Frauen größer denn je. Aber es geht auch um die Gemeinschaft.

„Es gibt immer ein paar Pionierinnen“, sagt die Vereinsvorsitzende Christa Lippmann. Klingt lapidar. Wie groß die Leistung der evangelischen Frauengruppe war, der Lippmann vor 30 Jahren angehörte, zeigt ein Blick auf das Vermächtnis der mutigen Damen von damals: In Zeiten, in denen Frauen nicht annähernd die gleichen Rechte wie Männer hatten, setzte sich Lippmann mit ihren Mitstreiterinnen für bessere Lebensbedingungen für ältere Frauen ein.

Die erste Senioren-WG in Pasing gibt es immer noch

„Die erste Wohngruppe in Pasing gibt es immer noch, sogar noch mit zwei Erst-Bewohnerinnen“, sagt Lippmann. Mittlerweile sind es stadtweit fünf Wohnprojekte – das sechste soll im Frühjahr am Reinmarplatz in Gern eröffnen. „Ziel des Vereins ist es, älteren Frauen mit geringer Rente ein angenehmes Zusammenleben zu ermöglichen“, sagt Lippmann. Das Konzept: Jeweils acht Frauen leben gemeinsam in einem Haus, aber in ihrer eigenen Wohnung. Dabei ist der Verein nicht der Vermieter, sondern vermittelt die Frauen in öffentlich geförderte Wohngemeinschaften.

So ist das auch in der Gewofag-Wohnanlage in der Arnulfstraße. Zwölf Euro pro Quadratmeter warm zahlen die Bewohnerinnen für ihre 40-Quadratmeter-Wohnungen. Ein Gemeinschaftsraum wird vom Verein gemietet – finanziert durch die nachbarschaftliche Hilfe, die die Frauen in der Anlage anbieten: Frühstück organisieren, Hilfe beim Ausfüllen von Formularen oder Pflegeberatung. Denn aufgrund ihrer Lebensgeschichten sind manche Frauen notgedrungen zu Expertinnen geworden, haben ihre Liebsten oft jahrelang selbst gepflegt.

Die Gewofag-Wohnanlage an der Arnulfstraße

Es geht vor allem um die Gemeinschaft

Veronika Legrand (70), Elke Pollak (67) und Ruth Billes (69) haben sich im Gemeinschaftsraum zum Kaffee verabredet. Die Wege sind kurz. „Wir rufen schon mal über die Balkone“, sagt Pollak und lacht. Legrand hat Kuchen gebacken. „Jede Frau kann ihre Talente miteinbringen. Das ist toll“, sagt sie. Die 70-Jährige ist seit 50 Jahren verheiratet, doch seit ihr Mann im Pflegeheim ist und es auch finanziell schwer wurde, suchte sie Hilfe – und Gemeinschaft. Denn in dem Verein, das betonen alle, gehe es nicht nur darum, an eine Wohnung zu kommen. „Wir unternehmen sehr viel, wir waren letzte Woche in Wasserburg und Bad Wörishofen“, sagt Pollak. „Ich war nicht einsam, aber ich wollte nicht mehr alleine leben, ganz einfach“, meint Billes.

Ruth Billes zeigt ihre kleine, aber feine Wohnung.

Um die Frauen vor Einsamkeit zu schützen, boten die Vorstandsmitglieder – sieben Frauen – im Lockdown Telefongespräche an. „Man hat die Frauen noch mal ganz anders kennengelernt – jede von ihnen bringt wertvolle Erfahrungen, natürlich auch Sorgen und Nöte mit“, sagt Psychologin Angela Lang.

Vereinsvorsitzende: „Die Altersarmut wird immer schlimmer“

Themen gibt es genug – leider nicht nur schöne: „Die Altersarmut wird immer schlimmer“, sagt Lippmann. Ein großes Problem ist, dass bei vielen Wohnungen die Sozialbindung ausläuft und damit die Miete rasant steigt. Oder Thema Eigenbedarfskündigung: „Es kann nicht sein, dass eine 65-jährige Frau wegen Eigenbedarf aus ihrer Wohnung geschmissen wird! Auch solche Fälle haben wir im Verein.“

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