Die Suche nach der DNArchitektur

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Das Lenbachhaus wird nach Plänen des Architekturbüros Foster und Partners neu- und umgebaut. Vorraussichtlich 2012 wird das neue Museum eröffnet. Rund 56 Millionen Euro kostet das Projekt.

Lord Norman Foster ist einer der großen Star-Architekten. Jetzt war er in München und sprach über seine Lenbachhaus-Anbauten

Schon sein Outfit war vom Feinsten: Dunkelbraune Wildleder-Slipper, lichtgrauer Maßanzug und dazu ein gepunktetes Hemd samt blauer Krawatte. Aber wer, wenn nicht Norman Foster, sollte ein Gefühl für perfektes Styling haben? Schließlich ist der Brite ein echter Lord – und vor allem einer der großen Star-Architekten unserer Zeit, der beispielsweise die Berliner Reichstagskuppel entworfen hat.Noblesse oblige hieß es darum auch, als die Städtische Galerie im Lenbachhaus jetzt Foster zu Ehren einen – laut Einladung – „exklusiven Empfang im kleinen Kreis“ veranstaltete. Die Happy Few der Münchner Kunst- und Mäzenatenszene waren erschienen, um dem Architekten zu huldigen, der dem Lenbachhaus mit einem Anbau ein modernes Gesicht gibt (Baubeginn 2009 – tz berichtete).

Der Meister mit dem kahlrasierten Schädel lächelte artig, ließ sich filmen, knipsen und küsste schmuckbehängte Blondinen jeden Alters, ehe er ans Mikrofon trat. Keine zehn Minuten sprach Foster dann zur versammelten Kunst-Elite, aber schnell war klar: Dieser Architekt hat wirklich etwas zu sagen. Erst verteilte er noch, very british, Komplimente an die Bauherrn, für deren Vertrauen und Unterstützung er sich bedankte. Dann lobte er die Kandinsky-Ausstellung, die er gerade besichtigt hatte, und kam schnell auf seinen Anbau fürs Lenbachhaus zu sprechen, den er als interessante Herausforderung betrachte.

Wie das Lenbachhaus in Zukunft aussehen soll

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Die Städtische Galerie im Lenbachhaus ist in der denkmalgeschützten Villa des „Malerfürsten“ Franz von Lenbach in der Luisenstraße untergebracht. Sie wurde zwischen 1887 und 1891 nach Plänen von Gabriel von Seidl erbaut und 1927 bis 1929 durch Hans Grässel und nochmals 1969 bis 1972 durch Heinrich Volbehr und Rudolf Thönessen erweitert. © dpa
Seinen Weltruhm verdankt das Lenbachhaus aber vor allem der einmaligen Sammlung von Werken der Gruppe Der Blaue Reiter mit vielen Bildern von Alexej Jawlensky, Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Franz Marc, August Macke, Marianne von Werefkin und Paul Klee. © dpa
Die Rückseite des Lenbachhauses an der Richard-Wagner-Straße. © Haag
Doch die Eröffnung der größten internationalen Kandinsky-Ausstellung seit 30 Jahren am 25. Oktober 2008 markiert für das Münchner Lenbachhaus den Beginn eines vorübergehenden Abschieds. © dpa
Der interaktive Wasserpavillon von Jeppe Hein am Lenbachhaus. © Schlaf
Ein wunderbarerer Ort für eine kleine Erfrischung, vor allem im Sommer. © Schlaf
Der Platz, an dem Franz von Lenbach seine Villa erbauen ließ, wurde von ihm mit Absicht gewählt. Direkt gegenüber dem klassizistischen Königsplatz mit den Propyläen schuf er sich eine Residenz, die er zu einem Zentrum der Kunst in München machen wollte. © Schlaf
Im Januar 2006 sorgte der Kartenvorverkauf für die Franz-Marc-Ausstellung für lange Schlangen rund um das Lenbachhaus. © Kurzendörfer
Ab Februar 2009 wird die Villa drei Jahre lang nach Plänen des britischen Stararchitekten Norman Foster umgebaut und saniert. © dpa
Das ehrgeizige Projekt kostet rund 56 Millionen Euro. Mit der Erweiterung um einen modernen, würfelförmigen Bau mit einer markanten Fassade sollten unter anderem die Besucherströme in das Museum mit der weltberühmten Sammlung “Blauer Reiter“ besser bewältigt werden, so Direktor Helmut Friedl. © dpa
Während das Lenbachhaus in den 1970er Jahren noch jährlich etwa 50 000 Besucher hatte, sind es seit 2000 im Schnitt pro Jahr 200 000. Während der Sanierung werden alle Kunstwerke in einem speziell errichteten Depot gelagert, so Friedl (im Bild).. © dpa

Er erinnerte an die frühen 80er, als seine ersten modernen „Architektur-Interventionen“ in historischen Gebäuden noch ungewohnt waren. Inzwischen hat diese Foster-Methode Schule gemacht, und ihr Erfinder erklärte auch gleich seine „Philosophie“ des Bauens: Insbesondere öffentliche Gebäude wie Museen oder der Reichstag veränderten sich und ihre Funktion im Laufe der Zeit. Jeder Gebäudeteil habe seine eigene Geschichte, meinte Foster, und was man hinzufüge, müsse eben die Geschichte der neuen Epoche erzählen.

Wichtig sei dabei aber, die „DNA“, also quasi den „genetischen Code“ des Originals auch in den Anbauten zu erhalten. Beim Lenbachhaus sei es deshalb darauf angekommen, den „bürgerlichen, warmen, sympathischen“ Charakter der alten Villa des Malerfürsten Lenbach auch im neuen Gebäudeteil spürbar zu machen. Schließlich war das Lenbachhaus von seinem Erbauer ja als Wohn- und Ateliergebäude einerseits und andererseits als intimes Museum gedacht.

Sprach’s und nahm mit höflich-dezentem Lächeln den Applaus der versammelten Fangemeinde entgegen – der sicher seiner Rede galt, aber ein bisschen auch seinem gepunkteten Hemd …

Alexander Altmann

Quelle: tz

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