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Die Super-Abzocke der Benzinmultis

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An vielen Tankstellen kam es am Dienstag zu Staus vor den Zapfsäulen.
An vielen Tankstellen kam es am Dienstag zu Staus vor den Zapfsäulen. © Westermann

Viele Autofahrer in München glaubten am Dienstag ihren Augen nicht zu trauen: Die Preise für Super und Benzin sanken an vielen Zapfsäulen zunächst von 1,40 bis auf 1,29 Euro, auch Diesel wurde erheblich billiger.

Die Folge: Lange Schlangen an den Tankstellen – auf der Fürstenrieder Straße bildete sich zeitweise ein Rückstau auf der Fahrbahn von 100 Metern. Am Abend war der Preisspuk wieder vorbei: Aral, Esso und Shell erhöhten ihre Preise plötzlich wieder um rund neun Cent – die kleinen Tankstellen zogen nach. Für AvD-Sprecher Sven Jansen ein Skandal: „Früher wären die Autofahrer bei einem Preissprung von 18 Pfennig auf die Barrikaden gegangen!“

Auch für Christian Amberger, Geschäftsführer der Billig-Benzinkette Allguth, ist die derzeitige Preispolitik der Ölmultis in München skandalös. Er hat wegen der gemeinsamen zeitgleichen Preisabschläge von Esso und Aral das Bundeskartellamt eingeschaltet: „Esso und Aral haben das Benzin seit letzten Freitag drei Cent unter Einkaufspreis verkauft. Das ist gesetzeswidrig. Solche regionale Preissprünge sind normal nicht möglich und haben nur ein Ziel: Uns kleine mittelständische Tankstellen mürbe zu machen und uns vom Markt zu verdrängen. Da wir bei dem Preiskampf gezwungenermaßen mitmachen mussten, haben unsere Tankstellen in den letzten Tagen ein erhebliches Minus gemacht.“ Ein Insider verriet der tz: „Die großen Marken kämpfen derzeit um die Marktführerschaft – wir Kleinen sind dabei die Dummen!“

Steffen Bock, Inhaber des Internet-Verbraucherportals Clever Tanken glaubt nicht, dass das Kartellamt irgendetwas bewegen wird: „Seit Jahren ermitteln die jetzt schon wegen Preisabsprachen auf dem Benzinmarkt – doch rausgekommen ist dabei noch nie etwas. Das ist der eigentliche Skandal!“

Sven Jansen vom Automobilclub von Deutschland (AvD) sieht’s ähnlich: „Das Kartellamt ist ein stumpfes Schwert. Es verlangt immer Beweise für konkrete Preisabsprachen. Dabei müssten allein die permanenten gemeinsamen Preiserhöhungen- und Reduzierungen der Ölmultis in Deutschland Nachweis genug sein.“

Der AvD-Sprecher appelliert erneut an die Autofahrer, die teuren Tankstellen möglichst zu meiden und stattdesssen bei den günstigen Anbietern zu tanken. Jansen: „Heute nehmen die meisten Autofahrer die Preissteigerungen einfach so hin, weil sie glauben, dass sie gegenüber den Ölmultis ohnmächtig sind. Doch das stimmt nicht: Sie haben schon eine Macht. Wenn sie konsequent nur bei günstigen Tankstellen tanken, sind die teuren großen Benzinverkäufer gezwungen, ebenfalls die Preise zu senken.“

Laut Janssen konterkarrieren die derzeitigen Preissprünge die gebetsmühlenartigen Begründungen der Ölmultis für ihre ständigen Preiserhöhungen: „Der Witz ist doch: Trotz hohem Ölpreis waren in den letzten Tagen Preisreduzierungen bis zu zehn Cent möglich. Das zeigt doch, dass bei den Öl- und Benzinpreisen noch viel Luft ist. Wer sich im Umkreis von nur 10 Kilometern Preissprünge von 10 Cent leisten kann, der kann nicht behaupten, dass er bei der Preisgestaltung mit dem Rücken zur Wand steht.“ Für Claudia Kempfert vom Institut für Wirtschaftsforschung steht fest: „Beim derzeitigen hohen Ölpreis sind 20 Prozent Spekulation. Diesen Gewinn lassen sich die Spekulanten nicht entgehen. Benzin bleibt daher teuer.“

Uwe Fajga

Quelle: tz

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