Astrazeneca im Vergleich mit Biontech, Moderna, CureVac, Sputnik & Co

Die Wahrheit über den umstrittenen Corona-Impfstoff - Experte analysiert Stärken, Schwächen und Alternativen

Professor Dr. Peter Kremsner sitzt im Labor vor Mikroskopen
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Viren auf der Spur: Corona-Experte Professor Dr. Peter Kremsner.

Kaum jemand will sich mit Astrazeneca gegen Corona impfen lassen. Aber ist der Impfstoff wirklich so schlecht wie sein Ruf? Und wie sieht‘s mit Alternativen aus. Die Experten-Analyse von Professor Peter Kremsner, einem der führenden Corona- und Impfstoffexperten.

  • Der Impfstoff von Astrazeneca ist umstritten.
  • Ist er wirklich so schlecht wie sein Ruf?
  • Experte analysiert Wirksamkeit und Alternativen.

Lasst euch lieber mit Astrazeneca impfen als gar nicht.

Professor Dr. Peter Kremsner von der Uni Tübingen

Wenn es um die Corona-Impfungen geht, hat die Verunsicherung der Bevölkerung einen Namen: Astrazeneca. Der britisch-schwedische Pharmakonzern gehört zwar – neben Biontech und Moderna – zum erlauchten Kreis von drei Pharmafirmen, die bereits ein Zulassung in der EU besitzen. Doch gefühlt ist der Impfstoff, den Forscher aus Oxford entwickelt haben, in Deutschland so begehrt wie Porridge, Aalsülze oder schottische Eier. Selbst Ärzte hegen insgeheim Zweifel, ob sie ihren Patienten eine Impfung mit Astrazeneca empfehlen sollen. So klingelte bei Professor Peter Kremsner gestern mehrmals das Telefon, Medizinerkollegen wollten vom Chefinfektiologen der Uni Tübingen wissen, was denn von diesem Impfstoff zu halten sei. „Astrazeneca wirkt klar schlechter als die beiden anderen zugelassenen Impfstoffe, ist aber besser als sein Ruf. Deshalb rate ich allen: Lasst euch lieber mit Astrazeneca impfen als gar nicht“, sagt Kremsner. In unserer Zeitung analysiert der Impfstoff-Experte Stärken und Schwächen von Astrazeneca und bewertet die Alternativen.

Zumindest bessere Chancen auf einen milderen Krankheitsverlauf

Wie gut wirkt Astrazeneca wirklich? Die Wirksamkeit wird mit circa 60 Prozent angegeben, Biontech und Moderna erreichen etwa 95 Prozent. Dazu muss man allerdings wissen: Dieser Wert beziffert die Schutzquote vor einer Covid-19-Erkrankung allgemein. „Damit sind alle Erkrankungsformen gemeint – von sehr milden Symptomen bis hin zum Tod. Es scheint jedoch so zu sein, dass auch Astrazeneca wie die anderen Corona-Impfstoffe auch gut vor schweren Verläufen schützt“, erklärt Kremsner. Bedeutet im Umkehrschluss: Wer sich mit Astrazeneca impfen lässt, hat zumindest bessere Chancen, dass ihn Corona nicht auf die Intensivstation zwingt oder gar umbringt. Allerdings, so Kremsner, sei diese Hoffnung auf einen milderen Verlauf bislang nicht ausreichend mit wissenschaftlichen Daten untermauert.

Sputnik-Impfstoff: Gleiche Technologie wie Astrazeneca, aber wirksamer

Wieso wirkt Astrazeneca im Vergleich mit Biontech und Moderna so schlecht? Fakt ist: Die drei Impfstoffe sind mit verschiedenen Technologien entwickelt worden. Biontech und Moderna setzen auf Messenger-RNA-Impfstoffe. Dabei werden – vereinfacht erklärt – Bauanleitungen für bestimmte Eiweißbestandteile des Corona-Virus verabreicht. Im Zuge einer Reaktionskette werden Antikörper und T-Zellen gebildet. Diese Abwehrstoffe fangen die Viren ab und zerstören sie.

Statt auf dieses neuartige und hocheffektive mRNA-Prinzip setzt Astrazeneca auf modifizierte Adenoviren. Diese umgebauten Schnupfenviren dienen als Transportmittel, um Erbgutschnipsel des Coronavirus in die Zellen zu transportieren. Das Immunsystem wird darauf trainiert, den Erreger abzuwehren. Mittel auf der Basis dieser Träger-Technologie nennt man Vektorimpfstoffe. Diese müssen aber nicht unbedingt schlechter wirken als mRNA-Impfstoffe, wie russische Wissenschaftler bewiesen haben: Ihr Vektorimpfstoff Sputnik V erreicht eine Wirksamkeit von 92 Prozent. In einigen Ländern wie Ungarn wird er bereits verimpft. „Es scheint ein sehr guter Impfstoff zu sein“, so Kremsner. Eine Zulassung in der EU dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein.

Impfreaktionen häufig, ernste Nebenwirkungen äußerst selten

Der AstraZeneca-Impfstoff ist einer von drei in der EU zugelassenen Mitteln, die vor einer Covid-19-Erkrankungen schützen sollen.

Ist Astrazeneca wirklich schlechter verträglich als die anderen Impfstoffe? Wer sich gegen Corona impfen lässt, kann ein, zwei Tage Beschwerden haben – egal, welches Mittel er verabreicht bekommt. „Keiner der Covid-Impfstoffe gilt als sonderlich gut verträglich. Fast alle jungen Geimpften haben nach der Impfung kleinere Probleme, etwa Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit Muskelschmerzen oder Fieber“, weiß Kremsner. Dabei gelte: „Je Jünger, desto schlimmer, die Älteren vertragen es besser.“ Der Hintergrund: Die Impfungen belasten den Körper zunächst fast wie eine Virusinfektion.Allerdings klingen solche Impfreaktionen in den allermeisten Fällen schnell wieder ab und sind nicht schwerwiegend.

Keine große, unmittelbare Gefahr durch Mutationen

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Mutationen die Wirksamkeit der Impfstoffe aushebeln? „Drei wissenschaftliche Arbeiten, die gerade im Fachmagazin New England Journal of Medicine veröffentlicht worden sind, zeigen, dass die Mutationen sehr wahrscheinlich kaum Auswirkungen auf die Wirksamkeit haben werden. Es würde mich auch sehr wundern“, sagt Kremsner und erklärt: „Während man beispielsweise bei einem Antibiotikum meist nur einen Ansatzpunkt hat, um den Erreger zu bekämpfen, sind es bei einem Impfstoff viele, etwa zehn solcher Ansatzpunkte, vielleicht sogar 30 oder noch mehr. Da müsste sehr, sehr viel zusammenkommen, dass ein Impfstoff deutlich schlechter oder gar nicht wirkt. Varianten können allenfalls zu einer leichten Abschwächung der Wirkung führen, ich sehe da keine große, unmittelbare Gefahr.“

CureVac steht bei optimalem Verlauf bereits im April zur Verfügung

Wann wird es Alternativen zu den drei bereits zugelassenen Impfstoffen geben? Neben dem russischen Sputnik-V-Impfstoff und dem Vakzin von Johnson & Johnson, dessen Zulassung gerade beantragt worden ist, kommt auch die Erforschung des CureVac-Impfstoffs immer besser voran. „Bei optimalen Verlauf könnte er im April zur Verfügung stehen“, sagt Kremsner, der die Zulassungsstudie leitet. „Wir haben bisher über 5000 Probanden geimpft und keine einzige schwerwiegende Nebenwirkung gesehen.“ Zur Wirksamkeit gebe es noch keine Daten, Kremsner hält aber einen ähnlichen Wert wie bei den sehr ähnlichen Impfstoffen von Biontech und Moderna für wahrscheinlich.

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