Fadil B. beklaut acht Rentner an der Kasse

Der Dieb aus dem Supermarkt

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Maurer Fadil B. gestand die Diebstähle.

München - Die Glatze fein rasiert, die Ohren stehen weit vom Kopf ab. Im roten Ringelpullover erschien Fadil B. (34) am Mittwoch vor Gericht. So sieht er also aus: Der Mann, der Münchner Seniorinnen eiskalt im Supermarkt beklaut hat.

 Insgesamt acht Mal schlug er im Zeitraum von März 2012 und Juni 2014 immer wieder zu, bis ihn die Polizei endlich schnappen konnte.

Seine erste Tat beging der Maurer am 10. März 2012: Um 10 Uhr stellte er sich klammheimlich an der Supermarkt-Kasse hinter Lieselotte K. (71) an, die gerade ihre täglichen Besorgungen bezahlen wollte. Sie hatte ihren Reißverschluss am Rucksack nicht richtig verschlossen: Im Seitenfach sah Fadil B. ihren Geldbeutel, steckte ihn ein. Mit der EC-Karte hob er in den folgenden Tagen noch fünf Mal Geld ab – insgesamt 5700 Euro.

Ähnlich ging der Senioren-Schreck auch bei sechs weiteren Frauen und einem Mann vor, die er jeweils gezielt ausgesucht und bestohlen hatte. Margarate C. (84) griff er in die Handtasche, die sie in den Einkaufswagen gelegt hatte. Später hob er 440 Euro von ihrem Bankkonto ab. Radinka B. (62) prellte er so um 2000 Euro, Marianna L. (82) um 1000 Euro und Ivan S. um 600 Euro. Bitter: Das gelang aber meist nur dadurch, dass die Senioren ihre Geheimnummer auch in ihrem Geldbeutel aufbewahrt hatten.

Weil er sich durch seine Diebstähle eine dauerhafte Eimnnahmequelle verschaffen wollte, sitzt Fadil B. seit dem 18. Juni 2014 mittlerweile in Untersuchungshaft in der JVA Stadelheim. Im Gerichtsprozess räumte er seine Taten gestern allesamt ein – und ersparte seinen Opfern damit die Aussage vor dem Landgericht. Ob B. eine Haftstrafe oder die Unterbringung in eine psychiatrische Anstalt droht, ist noch offen. Bei Redaktionsschluss stand das Urteil noch aus.

Falscher Polizist festgenommen

Heftige Schläge gegen die Tür rissen am Dienstagabend eine Rentnerin (76) in der Isarvorstadt aus der Ruhe. Die Frau öffnete die Tür und stand einem Mann gegenüber. Mit Entsetzen hörte sie, wie er sagte: „Ich komme von der Kriminalpolizei. Gegen Sie liegt ein Haftbefehl vor und ich muss Sie jetzt mitnehmen!“ Da tat die Frau das einzig Richtige. Sie schlug dem Kerl die Tür vor der Nase zu und rief auf der Stelle den Polizei-notruf 110 an. Innerhalb kürzester Zeit traf eine echte Polizeistreife ein, die den Fremden noch vor Ort festnehmen konnte. Er war natürlich kein Polizist und legte bald ein Geständnis ab.

Der gebürtige Türke (28) gab an, in seinem Heimatland einen Auftrag bekommen zu haben, ältere Menschen mit einem vermeintlichen Haftbefehl Geld abzupressen. Wenn sich die Rentnerin auf ihn eingelassen hätte, hätte er ihr den Haftbefehl vermutlich gnädigst „erlassen“ – natürlich nur gegen Zahlung von mehreren Tausend Euro. Vergleichbare Fälle hat es schon mit sogenannten Schockanrufen gegeben. Dabei wird Senioren erzählt, ein naher Angehöriger habe im Ausland einen schweren Unfall verursacht und müsse aus der Haft freigekauft werden. dop

Andreas Thieme

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