Oberlandesgericht klärt Schuldfrage

Dieb klaute 60.000 Euro-Ring - aber wer hat Schuld?

+
In diesem Auktionshaus schlug der Trickbetrüger zu.

München - Susanne S. beauftragte im ein Münchner Auktionshaus mit der Versteigerung eines Brillant-Rings. Dieser wurde im Beisein der Auktionshaus-Chefin gestohlen. Hat sie Schuld daran?

Antiquitäten-Händlerin Susanne S. beauftragte im Dezember 2012 ein Münchner Auktionshaus mit der Versteigerung eines Brillant-Rings. Wert: 60.000 Euro. Einen Tag vor der Auktion dann der Super-GAU: Ein vermeintlicher Bieter begutachtete das Schmuckstück, tauschte es gegen eine Fälschung und verschwand. Das Oberlandesgericht hatte jetzt die Schuldfrage zu klären. Das Münchner Landgericht sah in einem Grundurteil die Schuld beim Auktionshaus.

Kläger-Anwalt Sven Kienhöfer sieht die Schuld klar beim Auktionshaus.

Bereits einen Tag vor der Versteigerung hat sich der Dieb den Ring angesehen. Auktionshaus-Chefin Elke Rütten: „Er wollte ihn am nächsten Tag noch einmal bei Tageslicht sehen. Also vereinbarten wir einen Termin. Es fand alles in einem geschlossenen Raum statt. Er konnte also nicht fliehen.“ Musste er auch gar nicht. Denn: Der dreiste Gauner verlangte eine Bürste für das Schmuckstück. Als sich Elke Rütten für einige Sekunden umdrehte, tauschte er den edlen Ring gegen eine wertlose Dublette. Die Beschuldigte sagt: „Es war sogar das original Etikett angebracht. Das Licht war schlecht. Dass der Ring getauscht wurde, fiel uns nicht auf.“ Erst an Weihnachten bei der Tresorüberprüfung sei der Schwindel aufgefallen. Sven Kienhöfer, Anwalt von Susanne S., monierte, dass der Ring aus den Augen gelassen wurde: „Wäre eine zweite Person hinzugezogen worden, wäre das nicht passiert.“

Das Gericht befand, die Geschäftsführerin trifft keine volle Schuld. Es handelte sich um einen Trickbetrug. Beide Parteien einigten sich auf einen Vergleich. Elke Rütten zahlt ihrer Kundin 15.000 Euro Schadensersatz.

joh

Auch interessant

Kommentare