Pressesprecher Wenger nimmt Abschied

Dienstantritt für 332 Polizisten

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München - Nach 17 Jahren gibt es einen Wechsel an der Spitze der Pressestelle im Münchner Polizeipräsidium. Die Münchner Polizisten freuen sich derweil über Verstärkung.

332 neue junge Beamte traten am Donnerstag im historischen Saal des Alten Rathauses offiziell in den Dienst des Polizeipräsidiums. Die jungen Polizeimeister haben ihre Ausbildung abgeschlossen und werden nun in den Polizeiinspektionen der Großstadt ihren Streifendienst aufnehmen. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), Polizeipräsident Hubertus Andrä, Staatssekretär Gerhard Eck (CSU), zwei Polizeichöre und ein Polizeiorchester aus Bamberg begrüßten die Neuen, wünschten viel Erfolg und allzeit gesunde Heimkehr.

Wenger nimmt Abschied

Wolfgang Wenger (re.) und Marcus da Gloria Martins.

Der eine geht, der andere kommt. Und beide machen sich darüber so ihre Gedanken: Nach langen 17 Jahren an der Spitze der Pressestelle im Münchner Polizeipräsidium wird Kriminaloberrat Wolfgang Wenger (60) heute Mittag von Polizeipräsident Hubertus Andrä in den Ruhestand verabschiedet. An seine Stelle tritt ab sofort Polizeirat Marcus da Gloria Martins (42), der zuletzt Chef der Münchner Verkehrspolizei war. Die tz stellte beiden die selben Fragen:

Schon ein bisschen aufgeregt? 

Wolfgang Wenger: Natürlich! All diese kleinen und großen Abschiede – das bedeutet mir sehr viel. Manche Kollegen kommen extra von draußen ins Präsidium, um mich noch einmal zu sehen und mir alles Gute zu wünschen. Das ist sehr bewegend.

Marcus da Gloria Martins: Ich bin nicht wirklich aufgeregt. Ich habe Respekt vor der Dimension dieser Aufgabe. Ich betrete jetzt Neuland und merke, dass Pressearbeit weitaus mehr ist als die Stimme des Präsidiums zu sein.

Was für einen Tipp hat der Alte Hase für den neuen Kollegen?

Wenger: Er muss seinen eigenen Weg gehen.

Martins: Genau das haben wir in vielen Gesprächen geklärt. Wolfgang Wenger zu kopieren ist sowieso unmöglich. Vor einem Monat auf dem Land bei Münster haben wir solange gesprochen, bis es draußen stockfinster war. Für den Rückmarsch am Wasser entlang habe ich Wolfgang gefragt: „Sag mal, hast Du eine Taschenlampe dabei?“ Wir mussten beide lachen über diese Situations-Komik.

Was ist eigentlich der schwerste Fehler, den ein Polizei-Pressesprecher machen kann?

Wenger: Bewusst die Unwahrheit sagen. Damit wäre die Grundlage einer konstruktiven Zusammenarbeit zerstört.

Martins: Ganz klar. Das werde ich nie machen. Versprochen! Glaubwürdigkeit zu schaffen und zu erhalten – das ist nicht mit Gold aufzuwiegen.

Was werden Sie in den ersten Tagen nach dem Wechsel machen?

Wenger: Durchschnaufen. Überlegen, mich freuen, mich zurückziehen. Keine Handys, keine Fremdbestimmung, Das mache ich eine Woche lang. Und dann sehe ich weiter.

Martins: Urlaub! Kein Witz. Eine Woche New York, Indian Summer und über Boston wieder zurück. Das war lange geplant. Das abzusagen hätte ernsthaften Ärger mit meiner persönlichen Behördenspitze daheim bedeutet. Das ist auch kein Problem. Das starke Team der Pressestelle funktioniert auch ein paar Tage ohne Chef. Aber das Handy bleibt an...

Ein kleiner Blick in die Zukunft – Wo geht‘s hin?

Wenger: Ich möchte meinen Weg mit meiner Familie weitergehen – wo auch immer der uns hinführt. Ich sehe Möglichkeiten, aber noch nichts Konkretes. Das Wichtigste ist mir, das Familienkonto wieder aufzufüllen, aus dem ich jahrelang entnommen habe.

Martins: Ich hoffe, ich habe ein glückliches Händchen und halte die Bälle, die mir die Kristallkugel zuwirft. Ich wünsche mir Rückhalt, wenn ich ihn brauche. Mit meinen Kritikern möchte ich stets im Reinen auseinandergehen. Und am Ende eines jeden Tages sollten wir uns immer in die Augen sehen können.

Interview: Dorita Plange 

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