Schrecklicher Unfall: Mann wird von U-Bahn mitgeschleift und stirbt

Schrecklicher Unfall: Mann wird von U-Bahn mitgeschleift und stirbt

"Kraterfeld"

Diese Kunst am Marienhof kostet uns 10.000 Euro!

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Der Künstler Martin Schmidt hat ordentlich geschaufelt und eine Kraterlandschaft am Marienhof angelegt.

München - Schon wieder? Jetzt ist der Marienhof doch endlich mal wieder baustellenfrei, und jetzt haben wir schon den nächsten Krater? – Das dürften sich viele denken, die derzeit hinterm Neuen Rathaus flanieren.

Keine Angst: Eine Baustelle ist das nicht. Sondern Kunst im öffentlichen Raum.

Gestaltet hat das Kraterfeld, so der Name des Werks, Martin Schmidt, der damit eines von fünf Projekten zum Thema „100 Jahre Erster Weltkrieg“ realisiert. Heute wird das Projekt offiziell vorgestellt – und damit auch jeder weiß, dass es sich hier nicht um Pfusch am Bau handelt, kommen auch Infotafeln hin. Sie sollen über den Ersten Weltkrieg informieren.

Das Kulturreferat fördert die fünf Projekte mit jeweils 10 000 Euro. Wer allerdings glaubt, der 50-jährige Schmidt kriegt für ein bisserl Erdaufschütten dieses Geld, der irrt gewaltig: „Da ist alles inklusive“, sagen Künstler und Kulturreferat. Material, Gestaltung, Abbau am 30. November und Wiederherrichten des Platzes. Gut möglich, sagt der Münchner Künstler, dass er mit einem Minus rausgeht. Reich wird er auf jeden Fall nicht.

Die Frage bleibt: Ausgerechnet hier am Marienhof werden rund 300 Quadratmeter wieder aufgeschüttet? Hier, wo wir so lange von Baustellen genervt wurden? Ja, sagt das Kulturreferat. „Super, dass das hier ein Kleinod für alle Münchner ist, eine Oase – aber die Kunst ist auf diesem Platz auch vorgesehen, und das wird auch so bleiben.“ Schmidt selbst betont, er habe gar nicht mit diesem Platz gerechnet – eben wegen der Problematik gerade hier. Die Jury des Kulturreferats wollte seine Arbeit aber explizit an dieser Stelle. „Wenn hier erst mal für die S-Bahn gebaut werden sollte, dann werden die Leute seufzen: ,Mei, des war noch schee, als der Schmidt da seine Krater hatte‘“, sagt er und lacht.

Drei Tage haben Martin Schmidt und ein Kollege Erde aufgeschüttet. Wohlgemerkt. Hier wurde nicht in die Tiefe gegraben, sondern in die Höhe gebaut und dann ausgehöhlt. Am Montag vorige Woche waren sie fertig. Im wahrsten Sinne des Wortes: „Wir haben 25 Kubikmeter Erde aufgeschichtet, die um sieben Uhr morgens per Lkws angeliefert wurden.“

Während der schweißtreibenden Arbeit hat Schmidt natürlich viele Reaktionen miterlebt. „Viele haben gesagt – aber nicht mir, sondern nur so im Vorbeigehen: Jetzt wird da schon wieder gegraben! Und die Gespräche mit mir waren unterschiedlich: Braucht’s schon wieder ein Gedenken an den Krieg? Gibt’s nichts Schöneres? Manche fanden das allerdings wichtig, und, kaum zu glauben, manche fanden mein Projekt auch gut“, lacht der Künstler. Er fand in den Gesprächen mit den Passanten eines merkwürdig: „Es war interessant, wie wenig viele über den Ersten Weltkrieg wissen – der Zweite Weltkrieg hat alles überdeckt“, sagt er. „Ich finde es wichtig, gerade so einen prominenten Ort zu haben, wo jeder drüberstolpert.“

Werden die Krater auf rund 300 Quadratmetern Fläche abgesperrt? Nein. „Ich will sogar, dass die Kinder hier spielen.“ Und was sagt er zum üblichen Totschlagargument: Und des soll Kunst sein und kostet 10 000 Euro?! Solche Sprüche kennt Schmidt natürlich zur Genüge, „gerade bei meinen Projekten“. Er sagt: „Natürlich kann das jemand anders auch. Wenn er die akribischen Entwürfe dazu hinkriegt und die Idee hat. Außerdem geht’s nicht darum, eine eigene Handschrift zu geben, sondern ich will einen Ort des Erinnerns gestalten.“

Matthias Bieber

Die ewige Baustelle in der Stadt

Eigentlich kennen wir Münchner den Marienhof in der jüngeren Vergangenheit ja ­sowieso bloß als Baustelle. Erdhaufen, Kies, Bagger, Bauzaun, ­alles erst dagewesen … Im Jahr 2011 ging’s los: Vorarbeiten für die geplante zweite Stammstrecke der S-Bahn. Dann folgten archäologische Ausgrabungen auf einer Fläche so groß wie ein Fußballfeld. Unter anderem gruben die Forscher eine mittelalterliche Toilette aus und fanden die Scherbe eines Keramiktopfs aus dem 11. Jahrhundert: eine kleine Sensation. Erst Ende 2012 wurde zugeschüttet und planiert, seit dem vergangenen Jahr ist es wieder grün.

Die Schlacht um Verdun

Es ist das Symbol für das Grauen und die Sinnlosigkeit des Krieges. Im Ersten Weltkrieg standen sich bei Verdun im Osten Frankreichs deutsche und französische Soldaten gegenüber. Zwischen 21. Februar und 19. Dezember 1916 starben hier mehr als 300 000 Menschen – ohne dass sich durch diese Schlacht der Frontverlauf wesentlich ­geändert hätte.

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