Diese Frau (71) hat die Faxe dicke

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Renate Schirmer will klagen

München - Die Abzocke mit den Branchenverzeichnissen nimmt dramatische Ausmaße an. Nachdem die tz über die dubiosen Geschäftspraktiken berichtet hat, melden sich mehr und mehr Betroffene.

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Vorsicht! Dieses Fax kostet Sie 600 Euro

Renate Schirmer muss gerade am eigenen Leib erfahren, was es heißt, den Neppern auf den Leim zu gehen. Die Münchnerin soll über 650 Euro für einen wertlosen Eintrag in einem unbekannten Branchenverzeichnis zahlen. Dabei existiert Schirmers Werbeartikel-Firma gar nicht mehr, was sie auf ihrem ablehnenden Antwort-Fax auch geschrieben hatte. Doch das schert die Betrüger wenig. Jetzt droht der 71-Jährigen sogar ein Anwalt mit dem Gerichtsvollzieher. Renate Schirmer ist am Ende. „So etwas habe ich noch nie erlebt.“

So wie der Rentnerin geht es Tausenden. Insgesamt tummeln sich nach Angaben des Deutschen Schutzverbandes gegen Wirtschaftskriminalität (DSW) rund 40 bis 60 Anbieter völlig wertloser Brancheneinträge auf dem Markt. „Ein nie gekanntes Ausmaß“, sagt Geschäftsführer Peter Solf. Gegen den Platzhirschen, der so genannte Gewerbeauskunft-Zentrale, hat der Verband Klage eingereicht. Der Erfolg ist allerdings fraglich.

Auch beim Landeskriminalamt kennt man die Masche. Allein in München haben die Beamte 18 Fälle registriert. Die Dunkelziffer liegt weitaus höher. Der Rat der LKA-Experten: immer misstrauisch bleiben, stets das Kleingedruckte lesen und die Betrüger bei der Polizei anzeigen. Letzteres hat Renate Schirmer übrigens auch gemacht. Sie will kämpfen. Die Aussichten stehen nicht schlecht. Denn Gerichtsverhandlungen gehen die Abzocker in der Regel aus dem Weg.

Tobias Gehre

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