Hier will die Entführerin Geld abheben

München - Nach dem Entführungsdrama am Westfriedhof hat die Polizei ein Fahndungsfoto herausgegeben. Darauf ist die Frau zu sehen, die mit ihrem Komplizen eine 51-Jährige auf grausame Weise überfallen hat.

Jetzt fahndet ganz Deutschland nach ihr: Mit zwei Fotos aus der Überwachungskamera der Bank sucht die Münchner Polizei seit Freitag bundesweit nach dieser Frau, die am Mittwoch Abend mit einem Komplizen in Gern eine Frau (51) entführte, massiv misshandelte und schwer verletzte.

Das Auto der 51-Jährigen: In diesem anthrazitfarbenen BMW 320i fuhren die Entführer mit ihr durch die Stadt

Die Fotos zeigen eine schlanke, sportliche etwa 1,70 Meter große und 30 Jahre alte Frau mit dunklem Teint. Figur und Haare verbirgt sie unter einem beigen Trenchcoat und einer weißen Mütze. Bekannte, Kollegen oder Nachbarn werden sie trotzdem erkennen. Darum hat die Polizei (Tel. 089/2910-0) 1000 Euro Belohnung ausgesetzt. Denn diese Frau und ihr etwa gleichaltriger Begleiter (ca. 30 Jahre alt, dunkler Teint, braune Haare, trug einen Blouson aus Leder­imitat) müssen gefasst werden – weil sie gefährlich sind.

Am Mittwoch gegen 19 Uhr lauerte das englisch sprechende Pärchen der 51-Jährigen Computerfachfrau Susanne T. (Name geändert) auf dem Park&Ride-Parkplatz am Westfriedhof auf. Unter Waffengewalt wurde die Frau gezwungen, in ihren anthrazitfarbenen BMW 320i einzusteigen. Vorher wurden ihr die Hände auf den Rücken gefesselt. Eineinhalb Stunden fuhren die beiden mit der Frau durch die Stadt, hielten unterwegs an zwei Sparkassen-Filialen in der Dachauer Straße 407 (Moosach) und in der Waisenhaus-/Ecke Klugstraße (Gern).

Mit der EC-Karte des Opfers versuchte die Täterin vergeblich, Geld abzuheben. Denn in ihrer Angst konnte sich die 51-Jährige nicht mehr an ihre Geheimnummer erinnern. Zur Strafe wurde die wehrlose Frau von dem Mann mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen und dabei schwer verletzt. Gegen 20.20 Uhr stellte das Entführerpaar den BMW samt Opfer in der Tiefgaragenabfahrt in der Romanstraße 86 ab. Dort entdeckte ein Anwohner die schwerst traumatisierte Frau um 20.30 Uhr. Sie liegt noch immer in einer Klinik. Es geht ihr sehr schlecht – vor allem in psychischer Hinsicht.

D. Plange

Der Schock der Anwohner

Die Romanstraße 86 in Nymphenburg: Hier wurde am Samstagabend die ausgeraubte Susanne T. gefunden. Blutüberströmt und geknebelt lag sie auf dem Rücksitz ihres BMW.

Die Anwohner sind schockiert ob der Brutalität dieses Verbrechens. Wir waren vor Ort und haben uns bei den Bewohnern des Mehrfamilienhauses umgehört. „Ich wohne seit 35 Jahren hier, aber so etwas Schlimmes habe ich noch nie mitbekommen. Da packt einen die Angst“, sagt Georg Wörsdörfer (75).

Auch Paul Debbert (78) sitzt der Schreck noch im Nacken. Er wohnt im Erdgeschoss der Romanstraße 86. Der Wagen mit der Verletzten stand nur wenige Meter von seiner Wohnung entfernt, die aber zur Rückseite des Gebäudes verläuft. „Ich kam abends nach Hause, da standen schon überall die Polizeiwagen. Mir war gleich klar: Da muss ein Verbrechen passiert sein“, sagt er. Und: „Zum Glück ist das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder gleich gegenüber. Das hat der verletzten Frau sicher das Leben gerettet.“ Dass so eine Gewalttat ausgerechnet in Nymphenburg passiert, kann er nur schwer fassen. „Ich dachte, ich wohne hier in einer ruhigen Gegend.“

Noch gibt es von dem Zeugen keine Spur, der die zerschundene Frau in dem Auto fand, das ihm den Weg zur Tiefgarage versperrt hatte.

Rolf Meisemann (46) wohnt direkt neben der Einfahrt. „Ich parke mein Auto auch dort unten. Wir haben 44 Stellplätze“, sagt er. Am Abend des Verbrechens sah er die Polizei mit Blaulicht heranpreschen. „Ich hoffe, sie schnappen diese fiesen Gangster.“

Andreas Thieme 

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