Hundebabys mit Trick befreit

Diese Frauen überlisten die Welpen-Mafia

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Tierschutz-Inspektorin Brigitte Mitterhuber (r.) und Praktikantin Jelena K. - kleines Foto: Die zwei Pinscher und der Mops am Dienstag in der Kleintierklinik.

München - Tierheim-Praktikantin Jelena K. und Tierschutz-Inspektorin Brigitte Mitterhuber haben die Pläne der Welpenmafia durchkreuzt - und so drei Hundebabys befreit.

Sie schauen uns aus ihren Knopfaugen an – und wissen gar nicht, wie viel Glück sie gehabt haben … Wir sehen drei Hundewelpen in der Kleintierklinik am Englischen Garten: zwei Pinscher und einen Mops. Ein zwielichtiger Hundehändler aus der Slowakei wollte sie verkaufen, dabei war zumindest einer der Hunde deutlich zu jung – und bei den anderen gibt’s Impf-Probleme. Alle drei wirkten nicht besonders gut genährt. Die Münchner Tierheim-Praktikantin Jelena K. (19) hat die Pläne des Händlers durchkreuzt: Mit Mut und Cleverness verhinderte sie das Geschäft. Sie überlistete zusammen mit einer Tierschutz-Inspektorin die Welpen-Mafia. Jene Leute, die mit zu jungen, ungeimpften oder kranken Hunden Geschäfte machen!

Jelena: „Ich habe ein Angebot des Händlers im Internet gesehen. Bei ihm hatte eine Freundin vor zwei Jahren einen Hund gekauft. Die Impf-Angaben stellten sich als Lügen raus, und der Hund ist traumatisiert. Jetzt ging ich zum Schein auf das neue Angebot dieses Mannes ein.“

Jelena gab vor, einen Pinscher kaufen zu wollen. Der Mann verlangte 370 Euro, normal wären um die 1000. Man vereinbarte für Montagabend ein Treffen Nähe Harras, den genauen Punkt gab’s telefonisch in letzter Minute. Jelena hatte eine Freundin dabei. Außerdem kam Tierschutz-Inspektorin Brigitte Mitterhuber (48) vom Tierschutzverein zusammen mit einer Bekannten mit – schließlich hätte die Sache gefährlich werden können.

Dann das Treffen. Als die Frauen sahen, dass der Händler tatsächlich drei junge Hunde im Lieferwagen hatte (eingepfercht in einer Box), riefen sie die Polizei. Die Beamten waren fünf Minuten später da. Sie nahmen dem Mann die Hunde ab, brachten sie in die Tierklinik. Oberarzt Dr. Stefan Unterer sagt: „Die Hunde sind zum Glück gesund und fressen. Zwei der Hunde könnten möglicherweise zwölf Wochen alt sein. Den dritten schätze ich auf sechs bis acht Wochen.“ Der Händler hatte als Alter „knapp vier Monate“ angegeben. Grundsätzlich gilt: Man sollte einen Welpen frühestens mit acht Wochen von der Mutter trennen. Ein Verkauf über die Grenze ist erst nach einer Tollwut-Impfung erlaubt (frühestens mit 15 Wochen). Das kann nach Einschätzung des Arztes bei keinem der drei Welpen stimmen. Die Impfpässe, die der Händler dabeihatte, wirkten dubios. Dr. Unterer: „Obwohl alle Pässe vom gleichen Tierarzt ausgestellt wurden, sind verschiedene Impfstoffe eingetragen. Das ist seltsam …“ Immer wieder stellen sich solche Pässe als Fälschungen heraus.

Die Zeit der Ungereimtheiten ist jetzt zum Glück vorbei. Die Welpen werden eingehend untersucht, kommen dann wohl zur Vermittlung ins Tierheim. Der Händler kassierte eine Anzeige, musste bei der Polizei eine Sicherheitsleistung bezahlen. Dann durfte er heimfahren.

Uli Heichele

Thema für den Stadtrat

Die Rathaus-SPD sagt dem Hundeschmuggel den Kampf an. Stadträtin Brigitte Messinger fordert die Stadt auf, aktiver gegen den Hundeschmuggel zu werden. Messinger zufolge würden jährlich 100 000 bis 200 000 Hundewelpen aus Osteuropa in den deutschsprachigen Raum geschmuggelt. Die Tiere würden „in Massen unter dem Einsatz fragwürdiger Methoden gezüchtet und viel zu früh ihren Muttertieren entrissen“. Unter bedenklichen Umständen würden sie mit gefälschten Impfpässen nach Deutschland gebracht, wo sie häufig erkrankten. Messinger: „Sieben von zehn der importierten Hundewelpen sterben im ersten Lebensjahr.“ Außerdem bestehe bei den Schmuggel-Welpen die Gefahr, dass angesichts gefälschter Impfpapiere Krankheitserreger wie Tollwut eingeschleppt werden. Messinger fordert, dass die Stadt – ähnlich wie Wien – der Welpen-Mafia mit einem Maßnahmenkatalog den Krieg ansagt.

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