So wird Persönlichkeiten ein Denkmal gesetzt

Diese Münchner Straßen sollen nach Mannheimer und Dietl benannt werden

+
Max Mannheimer († 96, l.) und Helmut Dietl († 70).

Nach den beiden Münchner Persönlichkeiten Max Mannheimer († 96) und Kult-Regisseur Helmut Dietl († 70) sollen in München eine Straße und ein Platz benannt werden.

München - Sie waren zwei verdiente Persönlichkeiten der Stadt: der Mahner gegen das Vergessen des Naziterrors, Max Mannheimer († 96), und Kult-Regisseur Helmut Dietl († 70). Nach dem im September verstorbenen Holocaust-Überlebenden Mannheimer soll nun der bislang namenlose Platz vor dem NS-Dokumentationszentrum benannt werden, schlägt OB Dieter Reiter (58, SPD) vor. Und setzt damit ein Zeichen: Erst vor rund einer Woche hatte der Stadtrat von Bad Aibling (Kreis Rosenheim) sich gegen eine Max-Mannheimer-Straße in einem Neubaugebiet entschieden. Grund: Angst vor rechten Schmierereien. Weiter als die Bemühen der Stadt in Sachen Max Mannheimer sind die Planungen zur Helmut-Dietl-Straße. Sie wird bald in Berg am Laim entstehen.

Künftige Helmut-Dietl-Straße: Im Kreise von Künstlern

Derzeit gebaut wird die zukünftige Helmut-Dietl-Straße, die einmal auf den neuen Konzertsaal zuführen soll. Ein Straßenschild fehlt noch.

Die Bezirksausschüsse von Schwabing-Freimann und Berg am Laim hatten sich leidenschaftlich um ihn gestritten: Beide wollten, dass in ihrem Viertel eine Straße nach dem im März 2015 verstorbenen Regisseur Helmut Dietl (Monaco Franze, Kir Royal, Schtonk) benannt wird. Die Stadt hatte von Beginn an das zukünftige Werksviertel in Berg am Laim im Blick gehabt. Anfang Oktober beschloss der Stadtrat, dass die Helmut-Dietl-Straße dort entstehen wird. Weitere Namenspatronen im Viertel neben Dietl werden bekannte Persönlichkeiten aus der Kunst- und Medienwelt sein: Etwa die Schauspielerin Gisela Stein († 74) vom Bayerischen Staatsschauspiel oder der Gründer des Bayerischen Theaterakademie August Everding († 70). Die Helmut-Dietl-Straße geht von der Rosenheimer Straße ab, sie soll einmal direkt auf den zukünftigen Platz vor dem neuen Konzertsaal zuführen. Derzeit ist die Straße noch nicht fertig, auch ein Namensschild gibt es noch nicht.

Künftiger Max-Mannheimer-Platz: Gegen die Dunkelheit

Der Platz vor dem NS-Dokuzentrum soll nach Max Mannheimer (l.) benannt werden.

Er hat so gut wie alles verloren. Seine Eltern, mehrere Geschwister, sein Hab und Gut – und fast auch den Glauben an das Gute im Menschen. Max Mannheimer († 96) hat grausam gelitten unter den Nazis, hat das KZ Dachau überlebt. Seitdem hat er sich als wacher Mahner und freier Geist dafür eingesetzt, dass die Erinnerung bleibt. Hat in Schulen erzählt, was damals im dunklen Deutschland passiert ist – damit es sich nie, nie, nie wiederholt. Genau das steht auch hinter der Idee von OB Dieter Reiter (58, SPD). Er möchte den Platz vor dem NS-Dokumentationszentrum (Maxvorstadt) nach Mannheimer benennen: „Nicht irgendeinen Platz, sondern genau jenen, an dem die Nazis damals ihre Macht aufgebaut haben, an dem heute an die Gräueltaten erinnert wird.“

Max Mannheimers Sohn Ernst (50) sagt: „Mein Vater hätte die Benennung als große Ehre empfunden.“ Max Mannheimer war zu Lebzeiten eine der treibenden Kräfte zum Bau des NS-Dokuzentrums gewesen. Mannheimers Tochter Eva Faessler (70) hält es für „fadenscheinig“, dass man in Bad Aibling gegen die Schaffung einer Max-Mannheimer-Straße gewesen war. Umso mehr begrüßt sie jetzt den Münchner Plan: „Ich freue mich. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Menschen meinen Vater im Gedächtnis behalten wollen.“

Wie schnell die Benennung umzusetzen wäre, ist unklar. Grundsätzlich ist eine Namenspatenschaft frühestens ein Jahr nach dem Tod möglich – das wäre am 23. September 2017.

Ramona Weise

Auch interessant

Meistgelesen

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare