Operation Zukunft im Untergrund

Diese Techniken werden jetzt für die U-Bahn getestet

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In Paris sind U-Bahnhöfe bereits mit Bahnsteigtüren ausgestattet. Eine Studie soll zeigen, ob das auch in München geht.

Die Münchner U-Bahn stellt die Weichen für die Zukunft. Zwei technische Neuerungen werden jetzt geprüft, die den Betrieb verbessern sollen.

Ein Betrunkener (55) stürzt am Mittwoch im U-Bahnhof St.-Quirin-Platz ins Gleisbett und hat Glück. Zwei Studenten ziehen ihn wieder auf den Bahnsteig. Doch nicht immer gehen solche Unfälle glimpflich ab. Um die Sicherheit in U-Bahnhöfen zu verbessern, hat die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) in Kooperation mit der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) verschiedene Systeme für eine Gleisbettüberwachung getestet. Ergebnis: Alle drei Modelle sind wenig praktikabel. Dadurch könnte das Thema Bahnsteigtüren wieder akut werden. Am Dienstag soll der Stadtrat eine Machbarkeitsstudie beschließen. Pikant: Das Gremium und die MVG hatten das System bisher abgelehnt.

Untersucht hatte die Verkehrsgesellschaft bisher nur drei Systeme: einen Laserscanner, Radarsensoren sowie eine Echtzeit-Videobildanalyse. Alle drei Detektoren sollen das Eindringen von Personen oder Gegenständen ins Gleisbett erkennen und eine Zugbremsung veranlassen. Installiert wurden sie im U-Bahnhof Rotkreuzplatz und an der oberirdischen Haltestelle Studentenstadt, um die Witterungseinflüsse zu testen.

Bestanden hat einzig das Radarsystem – allerdings ist dies wiederum extrem empfindlich, wenn es schneit. Alle unterirdischen Bahnhöfe damit auszustatten, wäre machbar, aber teuer. Für 215 Bahnsteigkanten müsste die Stadt circa 62,9 Millionen Euro hinblättern. Außerdem sei laut TAB eine Installation nur im Sicherheitsraum der Gleise möglich, der aber ohnehin nur der vorgeschriebenen Mindesttiefe entspricht.

Bliebe noch die Möglichkeit sogenannter Bahnsteigtüren. Doch bislang setzt das System voraus, dass die Züge so halten, dass deren Türen auf Höhe der Einlässe der Trennwände liegen. Mit den alten Bahnen ist dies nicht möglich. Die MVG prüft aber technische Alternativen. Stimmt der Stadtrat am Dienstag der Studie zu, kann laut MVG erst Anfang 2019 mit Ergebnissen gerechnet werden.

WLAN fürs Sperrengeschoss

Hotspots gibt es bereits als Pilotversuch im Zwischengeschoss der Haltestelle Münchner Freiheit.

Bis zum Sommer 2020 sollen alle Sperrengeschosse der Münchner U-Bahnhöfe weitgehend mit WLAN ausgestattet werden. Das zumindest schlägt das Referat für Arbeit und Wirtschaft am Dienstag dem Stadtrat vor. Demnach sollen „in geeigneten Bereichen“ Hotspots eingerichtet werden.

Grundlage der Vorlage sind laut Verwaltung die positiven Erfahrungen aus dem Pilotbetrieb im Sperrengeschoss des U-Bahnhofs Münchner Freiheit. Die Hotspots sollen aber nur in bestimmten Bereichen eingerichtet werden – eben dort, wo es sich durch bestehendes Glasfasernetz einfach realisieren lässt und entsprechende Aufenthaltsbereiche vorhanden sind.

Zudem sollen Verwaltung, Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und Stadtwerke München (SWM) untersuchen, welche Plätze oberhalb von U-Bahnhöfen mit Hotspots ausgerüstet werden können. Ferner schlägt die Verwaltung vor, den jüngst begonnenen WLAN-Pilotbetrieb in ausgewählten MVG-Bussen noch bis 2018 fortzusetzen. Darüber hinaus sollen die Stadtwerke Gespräche mit den Wartehallen-Betreibern und dem Freistaat bezüglich möglicher Kooperationen führen. Geklärt werden soll, wie auch an den Haltestellen für Busse und Trams Hotspots zu realisieren sind.

WLAN in U-Bahn-Zügen oder Tunneln lehnt die Verwaltung ab. Die Kosten seien zu hoch, die Performance des Netzes zu schlecht, da der Zugriff über Mobilfunk, nicht über Glasfaser erfolgen müsse und sich dann auf recht viele Nutzer verteile. Auch eine Ausstattung der Bahnsteige mit solchen Hotspots lehnt die Verkehrsgesellschaft ab. Zudem sprächen Sicherheitserwägungen gegen die Ausstattung, so könnten Fluchtwege versperrt oder Fahrgastströme behindert werden.

Lesen Sie hier drei Gastbeiträge zum Thema MVG:

Sascha Karowski

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